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„Die Menschen hier haben viel Herz“

Dankesbrief einer syrischen Familie „Die Menschen hier haben viel Herz“

Akram Al Shekha kam im vergangenen Jahr als erster – allein. Der 52-jährige Syrer fand eine Zuflucht im Hartenholmer Robinienhof, der Flüchtlingsunterkunft des Amtes Kaltenkirchen-Land. Vor wenigen Monaten reisten auch seine Frau und die drei Kinder nach Deutschland. Die Familie ist nun wieder vereint.

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Sie wirken fast so, als wären sie eine Familie: Auf der großen Couch im Wohnzimmer haben (von links) Hamzah, Akram, Maha, Maria und Seid Al Shekha ihre Vermieterin Brita Paulsen in die Mitte genommen.

Quelle: Sönke Ehlers

Hasenmoor. Und seitdem sie bei der Hasenmoorer Seniorin Brita Paulsen eine Wohnung gefunden hat, ist sie auch wirklich angekommen in Deutschland. Denn Brita Paulsen gab der Familie nicht nur ein Dach über dem Kopf sondern auch ihre Freundschaft. „Sie ist wie eine Mutter zu uns,“ betont Akram Al Shekha.

Ein gutes Leben hatten Al Shekha, seine Frau Maha Nakawa sowie die Kinder Maria (heute 15 Jahre), Hamzah (14) und Seid (8) in Damaskus. Maha Nakawa arbeitete als Rechtsanwältin, Akram Al Shekha auf dem internationalen Flughafen als Zöllner. Früher hatte er auch als Reiseleiter für deutsche Touristen gearbeitet und dafür vor genau 20 Jahren die deutsche Sprache erlernt. Nach Beginn des Krieges in ihrer Heimat lagen Teile ihres Wohnviertels schon 2012 in Trümmern. Die Kämpfe nahmen an Härte zu. Da die Ehefrau und Mutter Verwandte in Jordanien hatte, zog die Familie mit ihren Habseligkeiten dorthin und konnte eine Wohnung mieten. Maha Nakawa arbeitete als Anwältin, Akram Al Shekha erhielt keine Arbeitsgenehmigung, arbeitete „schwarz“, wurde ausgenutzt. Gemeinsam fasste die Familie schließlich den Entschluss, dass er versuchen sollte, in das Land zu gehen, dessen Sprache er vor vielen Jahren gelernt hatte.

Im Februar 2014 begann die Odyssee in der Türkei mit 22 endlosen Tagen des Wartens auf eine Gelegenheit, um nach Griechenland zu kommen. In einem langen Treck ging es wochenlang über Serbien, Ungarn und Österreich zuerst nach München, von dort aus wurde er nach Neumünster geschickt. Im März 2015 wurde der Robinienhof seine neue Unterkunft.

Rückblickend ist Al Shekha glücklich, in einem Dorf gelandet zu sein. „Die Menschen hier haben viel Herz“, sagt er. Eine Gruppe Flüchtlingshelfer nahm sich seiner und der mehr als 20 Mitbewohner an, organisierte Sprachunterricht, richtete eine Kleiderkammer ein, half mit Fahrten zum Einkaufen in der nächsten Stadt. „Janina und Elke haben meine Zunge gelöst“, betont der Syrer, der nach 17 Jahren erstmals wieder Deutsch sprechen konnte. Janina Plath und Elke Gothmann gehören zu den Helfern in Hartenholm. In einer Übungsstunde schrieb er den Hartenholmern sogar einen Dankesbrief, der an alle Haushalte verteilt wurde.

Durch die Gruppe entstand nach Al Shekhas Anerkennung als Geflüchteter auch der Kontakt zu Brita Paulsen im Nachbardorf Hasenmoor. Sie lebte allein in einem großen Haus und wollte eigentlich gar nicht vermieten. Da sie selbst Flüchtling ist („Wir sind nach dem Krieg aus dem Elsass gekommen“), kam die Zusage sehr spontan. Zuerst zog Al Shekha ein, seit dem Frühjahr ist er wieder vereint mit der Familie. Dafür baute Brita Paulsen ihr Dachgeschoss sogar etwas um. „Das Zusammenleben ist wunderbar“, sagt die Seniorin. Die Familie sei rücksichtsvoll, hilfsbereit und nie laut. „So habe ich es mir gar nicht vorgestellt. Ich bin so glücklich, dass ich sie habe.“

Seit Frühjahr dieses Jahres arbeitet Al Shekha auf einer dreiviertel Stelle im Amt Kaltenkirchen-Land und ist zusammen mit einem ägyptischen Kollegen für Asylbewerber in diesem Bereich Ansprechpartner. Ehefrau Maha Nakawa besucht einen neun Monate dauernden Deutschkursus und hofft darauf, dass ihr Jurastudium hier anerkannt wird. Die Kinder gehen zur Schule. Maria liebt Biologie und Kunst. Sie möchte gern Tierärztin werden. Hamzah mag Mathematik und Sport. Am liebsten spielt er Fußball, „als Nummer 10“ und hat darüber auch schon Freunde gefunden.

Was ihnen in Deutschland am besten gefällt? „Die Pünktlichkeit“, kommt es spontan als Antwort. „Und hier sind alle freundlich“, sagt Maria. Die Fragen von Schulkolleginnen, warum sie ihr Haar in der Öffentlichkeit bedeckt, beantwortet sie selbstsicher mit „Das ist meine Religion“. Al Shekha hat Sehnsucht nach Syrien, nach der Mutter und dem Bruder. Auch seine Frau sehnt sich nach der kranken Mutter in Jordanien. Wenn der Krieg beendet ist, möchten sie zurückgehen in die Heimat.

Nicht so die Kinder, sie haben nun schon zu oft ihre Freunde und die vertraute Umgebung verlassen müssen. Ein Beweis, dass sie wirklich angekommen sind, liefert Nesthäkchen Seid. Er hatte in Brita Paulsens Garten Kartoffeln gepflanzt und konnte bereits ernten.

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