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Wie wird man glücklich?

Kronjuwelenhochzeit Wie wird man glücklich?

Selten hat eine Geschichte so viele Reaktionen hervorgerufen wie die über die lange Liebe von Erika und Franz Bubolz. Allein über Facebook erreichte unser Artikel über ihre Kronjuwelenhochzeit fast 300000 Herzen. Das führt zu der Frage: Wie wird man glücklich?

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Die Geschichte von Erika und Franz Bubolz, die seit 75 Jahren verheiratet sind, rührte viele Leser. Ihre Formel für das lange Eheglück: Rücksicht nehmen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Auf der Facebook-Seite der Kieler Nachrichten hat die Reportage über das ewige Ehepaar rund 290000 Menschen erreicht. Beate Wiese schrieb: „Ich habe Herrn und Frau Bubolz betreut. Sie sind immer sehr liebevoll miteinander umgegangen, das hat mich berührt. Man konnte ihre Liebe spüren.“ Facebook-User Bullen Norbertson berichtete: „Als Zivi habe ich den Beiden beim Einkaufen geholfen. Herr Bubolz ist tatsächlich immer noch verliebt wie am ersten Tag. Er wollte nie, dass ich seiner Frau helfe. Das war seine Aufgabe.“ Und Michael Jänicke empfahl: „Prägt euch solche wunderbaren Geschichten gut ein! Heutzutage denkt jeder nur noch an sein finanzielles Vorankommen und vergisst dabei das liebende Herz an seiner Seite, das in guten wie in schlechten Zeiten zu einem steht.“

 Erika und Franz Bubolz haben offensichtlich eines richtig gemacht: Sie haben beherzigt, dass eine Ehe kein Selbstbedienungsladen ist. So sieht das auch der Kieler Professor Uwe Jensen vom Institut für Statistik und Ökonometrie: „Das härteste Jahr ist das nach dem Zusammenziehen. Da muss man lernen, sich auf den Partner einzustellen.“ Anschließend müsse man sich um eine gute Ehe ständig bemühen: „Wichtig sind unter anderem gemeinsame Aktivitäten.“ Der 58-Jährige, der nächstes Jahr Silberhochzeit feiern wird, geht beispielsweise mit seiner Frau gerne tanzen.

Heiraten hilft

 Untersuchungen belegen laut Jensen, dass Verheiratete glücklicher sind als Singles, doch die Suche nach dem trauten Glück scheint immer komplizierter zu werden. Dating-Portale erfreuen sich hoher Beliebtheit und sorgen zugleich dafür, dass die Partnerfindung schwieriger wird. Dass bei Tanztees Tischtelefone bimmelten, ist fast ein Jahrhundert her. Nun verkümmert mit den schnellen Internet-Klicks die Kunst des Flirtens. Es ist wie mit Navigationssystemen in unseren SUVs: Die Fähigkeit, sich zu orientieren, schwindet. Dabei ergab die aktuelle Sinus-Jugendstudie, dass der Wunsch der 14- bis 17-Jährigen nach Halt und Orientierung groß ist. Liebe, Partnerschaft, Familie und Geborgenheit stehen hoch im Kurs. „Jugendliche sind sich einig darin, dass eine Liebesbeziehung etwas Großes und Exklusives ist, mit dem sie nicht leichtfertig umgehen wollen. Eine dauerhafte, stabile Partnerschaft ist ein zentraler Aspekt für persönliches Glück“, resümiert Wolfgang Ehrenlechner, Vorsitzender des Bundes der deutschen katholischen Jugend.

 Der Weg zu solchen Werten ist weit und verzweigt, ein Glücks-Navi gibt es nicht, und am Ziel langt man nie an. Das Glück ist ein Windhauch, steht schon im Alten Testament. Thomas Jefferson ließ zwar 1776 in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung festhalten: „Das Recht auf Streben nach Glück gehört neben dem Recht auf Leben, Freiheit und Gleichheit zu den höchstrangigen Menschenrechten“, doch daraus entwickelte sich nie eine universelle Glücksformel. Jeder ist seines Glückes Schmied – die alte Weisheit ist ewig jung, woran auch Glücksforscher nichts ändern können. Der Mediziner Eckart von Hirschhausen („Glück kommt selten allein“) und der Philosoph Richard David Precht („Wer bin ich und wenn ja wie viele“) schrieben Bestseller darüber. Die Kielerin Ute Bergmann hat von Januar bis September 2010 für ihre Magisterarbeit an der Christian-Albrechts-Universität zehn Lebenshilferatgeber sowie neun Zeitungen und Zeitschriften ausgewertet. Die 29-Jährige Doktorandin kommt zu dem Ergebnis: „Der gestiegene Bedarf an Glücksberatung zeigt die gesellschaftliche Reichweite dieses Phänomens. Glück wird als Bedeutungsarrangement verstanden, das ständigen Umdeutungen und Erweiterungen unterliegt.“

Den Moment genießen

 Uwe Jensen interessiert sich als Ökonom für langfristiges Glück. „Das lässt sich auch mit Zufriedenheit umschreiben“, sagt der Professor. Zu diesem Gefühl tragen verschiedene Faktoren bei: Lieben und geliebt zu werden, Gesundheit und Gelassenheit. Hinzu kommt das kurze, kleine Glück: beim Windsurfen die perfekte Welle zu erwischen oder ein Schokoladeneis zu genießen.

 Übereinstimmung scheint zu bestehen, dass Geld allein nicht glücklich macht. Diesbezüglich falle ihm Geld als letztes ein, meinte einmal der Kaffee-Unternehmer Andreas Jacobs. Den Österreicher Karl Rabeder machte Geld sogar unglücklich. Der Millionär verschenkte seine Villa, seitdem lebt er auf einer Almhütte und hält Seminare. Sein Urteil: „Wenn der Fokus nur noch auf dem wirtschaftlichen Erfolg liegt, leidet das Menschsein.“

 Mal abgesehen davon, dass wir Schleswig-Holsteiner seit dem „Glücksatlas 2015“ als glücklichste Deutsche gelten – die Glücksformel des Kieler Kronjuwelenpaares ist kurz und ungeeignet für ein Tagesseminar. Aber offensichtlich reicht die Formel für ein langes, gemeinsames Leben. „Eigentlich muss man nur ein wenig Rücksicht nehmen, dann geht das.“ So einfach ist das für Franz Bubolz. Und so schön.

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