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Die neuen Goldgräber des Nordens

Gefragter Bernstein Die neuen Goldgräber des Nordens

Bernstein ist derzeit gefragt wie nie. Der Grund: Rohstoffmangel und eine starke Nachfrage aus China lassen die Preise für Bernstein geradezu explodieren. Dass der Boom auch auf dem schleswig-holsteinischen Markt Auswirkungen hat, zeigt die NDR-Reportage „Die Nordstory – Die Bernstein-Connection“ von Dokumentarfilmer Jess Hansen.

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Frank Klokowski (re.) gibt in der kleinen Gemeinde Kaiser-Wilhelm-Koog alles und kauft Bernstein im Wert von 4000 Euro an.

Quelle: NDR

Kiel.  „Omas Bernsteinkette einfach verhökern? Nein, das klappt sowieso nicht!“ So oder ähnlich reagierten Erben dieser oft als geschmacklos eingestuften Hinterlassenschaften noch bis vor einigen Jahren. Doch das ist jetzt anders. Denn wer das ungeliebte Schmuckstück bislang gut gehütet in der hintersten Ecke seines Schranks aufbewahrt hat, kann heute bis zu 3000 Euro dafür bekommen. Der Grund: Rohstoffmangel und eine starke Nachfrage aus China lassen die Preise für Bernstein geradezu explodieren.

Dass der Boom auch auf dem schleswig-holsteinischen Markt Auswirkungen hat, zeigt die NDR-Reportage „Die Nordstory – Die Bernstein-Connection“ von Dokumentarfilmer Jess Hansen.

 Bräunlich klar oder gelblich naturbelassen schimmern die „Schätze“ auf dem Tisch von Marcel Querl. Bernstein, das oft beschworene „Gold des Nordens“, findet sich in vielen Haushalten als Schmuck oder selbstgefundene Brocken. Für gut erhaltene Kugelketten zahlt Schmuck- und Bernsteinexperte Querl momentan bis zu 100 Euro pro Gramm, für rissfreien Rohbernstein zwischen 10 und 15 Euro. Der 31-Jährige taxiert und kauft Bernsteine in ganz Norddeutschland, um sie dann auf der Bernstein-Messe in Danzig für ein Vielfaches weiter zu verkaufen. Interesse wecken bei ihm allerdings nur gelb-trübe Natursteine. Sie stehen derzeit bei den Chinesen hoch im Kurs. Die Farbe Gelb sei im Reich der Mitte ein Symbol für Reichtum, erklärt Querl.

 Manch ein verstaubter Urlaubsfund von Nord- oder Ostsee kann so ein kleines Vermögen wert sein. Auch Globetrotter Helmut Schön findet so ein „Schätzchen“ am Strand vor Eiderstedt und bringt das Stück zu Querl. So lernen sich die beiden Männer kennen. Sie bilden kurzerhand eine „Bernstein-Connection“. Der Düsseldorfer Marcel erledigt die Geschäfte, der Eiderstedter Helmut spürt die Steine auf. Er war schon immer eher der Abenteurer. Die ungleichen Männer wollen gemeinsam vom Bernstein-Boom profitieren. Doch dann kommt alles anders. Die Aussicht auf das viele Geld entzweit das Team. Helmut und Marcel gehen im Streit auseinander – werden zu Konkurrenten. Sammeln jetzt, jeweils mit neuen Partnern, Rohbernsteine und Schmuck für die Danziger Messe. Während Helmut mit seinem neuen Geschäftsfreund Frank Klokowski kiloweise Rohbernstein auf einem Kutter vor Büsum aufspürt, tourt Marcel mit seinem Bernstein-Mobil weiter durch das Land. Beim Finale in Danzig zeigt sich dann, ob sich die Ankäufe für die beiden Männer gelohnt haben. Insider munkeln, dass die Einkaufspreise hier mindestens verdreifacht werden. Besonders der Rohbernstein von den norddeutschen Küsten ist bei den asiatischen Käufern beliebt. Aber nicht jeder freut sich über das Interesse an dem versteinerten Harz. Gerade Schmuckherstellern wie Boy Jöns aus St. Peter Ording machen die steigenden Rohstoffpreise zu schaffen.

 „Ich habe Marcel Querl erstmals in einem kurzen Fernsehbeitrag gesehen. Er kaufte dort einem älteren Mann einen Bernstein für 2800 Euro ab. Diese hohe Summe war auch für mich neu“, erklärt Autor Jess Hansen. Schnell war klar: „Da muss viel mehr dahinterstecken – eine größere Geschichte.“ Und so war es dann auch. Eigentlich habe er eine moderne Goldschürfer-Geschichte aufgedeckt, ergänzt er. Das mache das Ganze auch so faszinierend.

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Ein Artikel von
Jana Ohlhoff
Lokaldesk

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