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Diskussion über Radweg nach Sylt entfacht

Tourismus Diskussion über Radweg nach Sylt entfacht

Über eine Straße nach Sylt witzelte am 1. April noch der Norddeutsche Rundfunk. Nun wünschen sich ein Politiker und ein Wissenschaftler einen Radweg über den Hindenburgdamm. Verkehrs- und Umweltministerium reagieren zurückhaltend.

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Quelle: Thomas Eisenkrätzer (Archiv)

Westerland. Auf dem Fahrradsattel nach Sylt: Der Landtagsabgeordnete Uli König hat erneut die Idee eines Radwegs über den Hindenburgdamm vorgeschlagen. „Es ist eine Frage, über die man durchaus nachdenken kann“, sagte der Piraten-Politiker. Unterstützung erhält er von Sylt-Kenner Andreas Jüttemann. „Gerade einer Insel im Nationalpark Wattenmeer, die jeden Sommer unter einer SUV-Blechlawine erstickt, stünde eine solche Anbindung gut zu Gesicht“, teilte der Berliner Jüttemann mit.

Bereits 2015 hatte der Wissenschaftler an der Charité, der sich außer mit Medizingeschichte auch intensiv mit Verkehrsthemen befasst, eine entsprechende Petition beim schleswig-holsteinischen Landtag initiiert. „Es ist Platz da und wäre sowohl eine umweltfreundliche als auch touristisch interessante Alternative der Anreise“, argumentiert Jüttemann damals wie heute.

Von der Landespolitik wird die Idee eines Radwegs auf dem elf Kilometer langen Versorgungsweg neben den Gleisen dagegen verhalten aufgenommen. Verkehrsminister Reihard Meyer (SPD) teilte mit: „Die Idee hat Charme, muss aber noch weiter durchdacht werden.“ Offen sei, ob Kosten und Nutzen in Relation stünden, auch die Sicherheit der Radler bei Sturm, Hochwasser und Nebel sei fraglich.

Darüber hinaus sei solch ein Radweg rechtlich schwierig durchzusetzen, da der Damm Betriebsgelände der Bahn sei, erklärte Meyer zur Idee, über die zuvor die „Sylter Rundschau“ berichtet hatte. Der Petitionsausschuss, der sich Jüttemanns Vorstoß zuletzt ebenfalls nicht hatte anschließen wollen, argumentierte unter Berufung auf das Umweltministerium zudem mit Störungen für die entlang der Bahnstrecke im Nationalpark Wattenmeer rastenden Vögel durch Radler.

Der Bau wäre zudem ein massiver baulicher Eingriff in das Watt und die Salzwiesen, teilte eine Sprecherin des Umweltministeriums mit. „Da eine zumutbare Alternativ-Möglichkeit besteht, mit dem Zug die Insel Sylt zu erreichen, ist es äußerst schwierig, den erheblichen Eingriff in das Gebiet zu rechtfertigen“, erklärte sie. Meyer zufolge müsse zudem sichergestellt werden, dass die Radfahrer den Weg nicht verlassen können.

Wissenschaftler Andreas Jüttemann, der seit längerem auch zum Verkehr in Schleswig-Holstein forscht, kann all diese Gründe nicht nachvollziehen. So müsste nur neu asphaltiert werden, da die Trasse bereits vorhanden sei. Auch die Zäune rechts und links des Radweges findet der Diplom-Psychologe unnötig: „Nirgendwo sonst auf der Insel ist die Wattenmeerküste oder die Bahnstrecke eingezäunt.“ Er habe bislang noch kein Argument gegen den Bau gehört, das ihn überzeugt hat. Pirat Uli König ergänzt, auf einem genügend breiten Fahrradweg könnten im Notfall auch Rettungswagen die Insel erreichen.

Thomas Möller vom Fahrradclub ADFC findet die Idee grundsätzlich spannend, sagt aber auch: „Es gibt wichtigere Projekte im Land.“ Außerdem dürfe solch ein Radweg auf keinen Fall die Vorstufe für eine Straße nach Sylt werden, „dann doch lieber Fahrradmitnahme im Zug“. Ein Bahn-Sprecher wollte den Vorstoß zunächst nicht im Detail kommentieren. Er hob jedoch hervor, dass es technisch nicht einfach sei, da dafür zunächst die gesamte Konstruktion des Bahndammes untersucht werden müsse. Auch Inselbürgermeister Nikolas Häckel kann sich solch ein Projekt „nur schwer vorstellen“.

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