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Landesjugendamt will Heime schließen

Dithmarschen Landesjugendamt will Heime schließen

Das Landesjugendamt Schleswig-Holstein zieht die Reißleine: Die Jugendhilfeeinrichtungen Friesenhof im Kreis Dithmarschen sollen geschlossen werden. „Das Wohl der Jugendlichen und ihre Würde haben Priorität. Das muss der Maßstab des Landesjugendamtes sein“, sagt Sozialministerin Kristin Alheit (SPD).

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Die Leiterin der «Friesenhof»-Jugendheime in Dithmarschen, Barbara Janssen, in Büsum: Sie weist Vorwürfe, nach denen in den Heimen Jugendliche schikaniert worden sein sollen, als haltlos zurück.

Quelle: Carsten Rehder/ dpa

Dithmarschen. Am Montag hatten Beamte die Einrichtungen an der Westküste unangekündigt kontrolliert und überprüft, ob die vom Land erteilten Auflagen eingehalten werden. Das Ergebnis fiel negativ aus: Der Umgang mit den Jugendlichen entspreche nicht den vereinbarten pädagogischen Maßnahmen, hieß es. Zudem fehle für den fachgerechten Betrieb der Einrichtung „ausreichend qualifiziertes Personal“.

Das Landesjugendamt hat deshalb ein Widerrufsverfahren der Betriebserlaubnis eingeleitet. Nach einer letzten Anhörung des privaten Trägers am Mittwoch soll bereits in den nächsten Tagen der Bescheid zur Schließung ergehen. Betroffen sind die zwei zentralen Heimeinrichtungen „Campina“ und „Nanna“, in denen neu aufgenommene Bewohner die ersten Monate verbringen. Eine der Einrichtungen ist derzeit gar nicht belegt.

In den Dithmarscher Heimen leben nach Angaben der Betreiberin Barbara Janssen derzeit 35 Mädchen und junge Frauen mit schweren psychischen Problemen, Verhaltensauffälligkeiten oder kriminellem Hintergrund. Sie stammen aus Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Viele von ihnen besuchen Regelschulen in Dithmarschen. Wo die Mädchen nach der Schließung untergebracht werden, ist offen. Das Landesjugendamt steht nach eigenen Angaben in engem Kontakt zu den verantwortlichen Jugendämtern, um andere Betreuungsformen zu prüfen. „Die persönliche Situation der Jugendlichen muss angemessen berücksichtigt werden“, sagt ein Sprecher. Es werde angestrebt, die Mädchen weiter im Kreis Dithmarschen unterzubringen.

Ende 2014 hatten sich mehrere Bewohnerinnen und auch ehemalige Mitarbeiter über die Verhältnisse in der Jugendhilfeeinrichtung beschwert. Dabei ging es um Nacktkontrollen, Sprechverbote, verstellte Fluchtwege, Beschimpfungen und Drangsalierungen. Zudem wurde gegen den ehemaligen pädagogischen Leiter mehrfach Strafanzeige erstattet. Das Land veranlasste daraufhin eine erste Prüfung und erließ Auflagen, die später in eine Vereinbarung mit der Trägerin umgewandelt wurden. Darin wurde etwa festgelegt, dass Kleidung und Gegenstände der Bewohnerinnen durchsucht werden dürfen, aber dabei nur im Einzelfall ein vollständiges Entkleiden vor ausschließlich weiblichem Betreuungspersonal erlaubt ist. Auch die Einschränkung der Kontakte nach außen wird genauer geregelt. Von einem Mangel an qualifiziertem Personal war in der Vereinbarung dagegen nicht die Rede.

Der Fall war Ende vergangener Woche durch die Linksfraktion in der Hamburger Bürgerschaft an die Öffentlichkeit gebracht worden. Fraktionschefin Sabine Boeddinghaus erklärte, die Zustände in derEinrichtung erinnerten „an ein Straflager“. Janssen wies die Vorwürfe als Trägerin zurück. Sie bedauerte zugleich, dass durch falsche Behauptungen Vertrauen zwischen Eltern, Einrichtung und Jugendämtern zerstört worden sei: „Unser Konzept ist erfolgreich.“ Im vergangenen Jahr hätten acht Bewohnerinnen einen Schulabschluss gemacht.

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Ein Artikel von
Patrick Tiede
Redaktion Lokales Kiel/SH - Landeshaus-Korrespondent

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