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Dithmarschen feiert Kohltage

Habeck als Erntehelfer Dithmarschen feiert Kohltage

80 Millionen Kohlköpfe warten in Dithmarschen auf die Ernte. Jeder einzelne wird vorsichtig von kräftigen Männern per Hand geschnitten. Die Erntetrupps kriechen mit 0,4 Stundenkilometer über die Felder.

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Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) schneidet am in Friedrichskoog einen Kohlkopf. Der traditionelle Kohlanschnitt ist der Startschuss der Dithmarscher Kohltage.

Quelle: Wolfgang Runge

Friedrichskoog. Dithmarscher Kohl wird traditionell per Hand geerntet. „Er muss wie ein rohes Ei behandelt werden, damit nicht die empfindliche Wachsschicht auf den Blättern beschädigt wird“, erklärt Landwirt Hans-Jürgen Timm aus Friedrichskoog. Sie schütze das Gemüse vor Schimmel und anderen Pilzen, so dass der Kohl nach der Ernte in Kühlhallen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und einer Luftfeuchtigkeit von annähernd 100 Prozent eingelagert und bis in den nächsten Sommer vermarktet werden kann. „Eine Maschine kann vieles, aber den Kohl vorsichtig einpacken, können nur Menschen“, sagt Timm.

Für die Erntehelfer ist die Arbeit ein Knochenjob. Entsprechend startet die Saison im Schongang. Zur „Eingewöhnung“ arbeiten die Erntehelfer zunächst nur wenige Stunden, bevor sie an sechs Tagen die Woche täglich acht bis zehn Stunden schuften, wie der Kohlbauer erzählt.

Zuerst wird der Kohlstrunk mit einem scharfen Messer einen halben Zentimeter unter dem letzten Blatt durchschnitten, dann die zwei, drei abstehenden, losen Blätter abgezupft, bevor der Kopf behutsam in eine Holzkiste gelegt wird. Mit 0,4 Stundenkilometer kriecht der Erntetrupp über den Acker. Pro Tag schaffen vier Schneider und vier Packer einen halben bis dreiviertel Hektar mit gut 25 000 Kohlköpfen, wie Tim sagt.

Weil ein einziger Weißkohl bis zu 5,5 Kilogramm auf die Waage bringen kann, müssen die Männer in einer Tagesschicht ein Gewicht von mehr als 137 Tonnen stemmen. Und das bei Wind und Wetter. „Solange das Land befahrbar ist, ernten wir bei jedem Wetter“, sagt Timm: „Auch bei Dauerregen.“

Auf den Äckern zwischen Hamburg und Sylt wächst hauptsächlich Weißkohl. Der Großteil der Ernte wird industriell weiterverarbeitet - vor allem zu Sauerkraut. Früher sei das Sauerkraut-Machen „reine Männersache“ gewesen, erzählt Bernhard von Oberg, Sprecher der Wesselburener Krautwekstatt Kohlosseum. Denn auch das Krautschneiden sei ein Knochenjob“ gewesen. Im 17., 18. und 19. Jahrhundert zogen fahrenden Krautschneider im Herbst mit einem schweren Hobel aus Buchenholz auf dem Rücken durch ganz Europa. Mit dabei in ihrem „Ranzen“ hatten sie auch „weiße Strümpfe und große Holzschuhe, um das geschnittene Kraut in die Bottiche zu stampfen“, wie von Oberg sagt.

„Oft hobelten die Männer vom Morgengrauen bis spät in die Nacht.“ Und auch dann sei oft noch nicht Schluss gewesen. „Die Krauthobler hatten zusätzlich noch ein „Höbele“ dabei - einen kleinen Küchenhobel, mit dem sie nach Feierabend bei der einen oder anderen Hausfrau ein bisschen Salat, Rüben oder anderes Wurzelwerk hobelten, um einen Extra-Taler zu verdienen“, erzählt von Oberg.

Die Krautschneider wanderten damals nur bis Hamburg, denn die Kohlfelder zwischen Elbe und Eider gab es noch nicht. Erst 1889 begann der Gärtner Eduard Lass in Wesselburen mit dem Anbau und der Vermarktung von „Industriekohl“ für Salatfabriken. Seine Ware wurde von Fabrikarbeiterinnen an einer neun Meter langen Bandstraße geputzt und gehobelt. Heute beherbergt das Gebäude das Kohlosseum. Die Kohlputzstraße gibt es immer noch. Sie ist eine der letzten erhaltenen in Deutschland.

Von dpa

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