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Die Gymnasien sind am Limit

Doppelter Abitur-Jahrgang: Die Gymnasien sind am Limit

Der doppelte Abiturjahrgang setzt vor allem die Gymnasiallehrer im Norden derzeit mächtig unter Druck. Nachdem Ende April die letzten Abi-Klausuren an den Gymnasien geschrieben wurden, brüten jetzt mehr Lehrer als sonst über den Korrekturen.

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Nicht nur für die Jugendlichen bedeutet die Abitur-Zeit derzeit puren Stress.

Quelle: Frank Rumpenhorst

Kiel. Folge: Schulleiter stellen davon betroffene Kollegen zeitweise vom Unterricht frei, um sie zu entlasten. An einigen Gymnasien führt das sogar zu Unterrichtsausfall. „Natürlich versuchen wir, solchen Ausfall auf ein Mindestmaß zu begrenzen, aber ganz verhindern lässt er sich nicht“, erklärt der Schulleiter des Ernst-Barlach-Gymnasium Christian Stegmann. Etwa vier Stunden seien im Schnitt für die Korrektur einer Klausur inklusive Gutachten nötig. Wie viele Klausuren zu bearbeiten sind, hänge von der Zahl der Abiturklassen ab, die ein Lehrer zu betreuen hat.

Nach Angaben des Schulministeriums werden 2016 über alle Schularten hinweg rund 20700 Jugendliche in Schleswig-Holstein ihr Abitur machen – das sind 8000 oder 60 Prozent mehr als in den Vorjahren. Zu einer echten Verdopplung der Zahlen durch den gemeinsamen Abitur-Zieleinlauf von G8- und G9-Jahrgängen komme es dabei jedoch nicht.

Etwa fünf Wochen Zeit

Aus Sicht des Ministeriums liege dies daran, dass der Doppeljahrgang nur die Gymnasien, nicht aber Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe, die Beruflichen Gymnasien oder die privaten Schulen betreffe. Laut Recherchen dieser Zeitung gibt es aber noch einen anderen Grund dafür, dass sich die Abiturientenzahl nicht verdoppelte: die geringe Erfolgsquote beim Turbo-Abi. Von den mehr als 11200 Schülern, die im Sommer 2008 an die damals neuen G8-Gymnasien wechselten, schafften es nur rund 57 Prozent bis zum Abitur. Zum Vergleich: Bei G9 mussten 30 Prozent der Schüler ihren Weg zum Abi abbrechen oder eine Klasse wiederholen. Das Ministerium erklärte den starken Aderlass mit „Startproblemen“ von G8, inzwischen näherten sich die Ausfallquoten von G8 und G9 aber an.

Etwa fünf Wochen bleiben den Gymnasiallehrern noch, um die Abi-Klausuren durchzuarbeiten und zu korrigieren. Dann beginnen neben ihrer „normalen“ Unterrichtsverpflichtung die Vorbereitungen von Aufgaben für die mündlichen Abi-Prüfungen in der letzten Juniwoche. Zu den außerordentlichen Stressfaktoren zählen nicht nur mehr Abiturprüflinge aufgrund des Doppel-Jahrgangs, sondern auch das engere Zeitfenster. So fehlen in diesem Jahr den Gymnasiallehrern die Osterferien zur Klausurkorrektur aufgrund des einheitlich festgelegten Zentralabitur-Zeitraums für schriftliche Prüfungen in den Kernfächern.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

Jürgen Küppers zum doppelten Abiturjahrgang

Der doppelte Abiturjahrgang bringt die meisten Gymnasien im Land derzeit an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit. Das ist nicht schön, aber es hätte noch viel schlimmer kommen können.

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