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In Zukunft schon ab 16 allein im Auto?

Dorf-Führerschein In Zukunft schon ab 16 allein im Auto?

Die Junge Union in Schleswig-Holstein will, dass Jugendliche auf dem Land bereits ab 16 Jahren ohne Begleitung von Erwachsenen Auto fahren dürfen, um zur Schule oder Ausbildungsstelle zu gelangen.

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Wer sich nicht mit Eltern oder älteren Freunden arrangieren, ist auf dem Land schnell abgehängt. In vielen Dörfern fährt nur morgens und nachmittags ein Bus.

Quelle: imago

Kiel. Auf Bundesebene hat der CDU-Ausschuss „Landwirtschaft und ländlicher Raum“ die Forderung auf Drängen von JU-Bundeschef Paul Ziemiak in das Strategiepapier „Zukunftsfähige Regionen“ aufgenommen. „Wir diskutieren diese Regelung bereits seit Längerem und unterstützen sie in vollem Umfang“, sagt Tobias Loose, Landesvorsitzender der Jungen Union Schleswig-Holstein. Es müssten schleunigst „unbürokratische Regelungen“ für junge Menschen geschaffen werden, die in Regionen leben, „in denen der Öffentliche Personennahverkehr nicht ausreichende Kapazitäten bietet, um ohne erhöhten Aufwand an beruflichen Bildungsmaßnahmen teilnehmen zu können“.

Weitere Absenkung EU-rechtlich nicht möglich

Vielerorts fahre lediglich morgens und nachmittags ein Schulbus. Dieses Angebot reiche für Berufsschüler und Auszubildende nicht aus. „Um diese Personen nicht gegenüber Gleichaltrigen in städtischen Bereichen zu benachteiligen, sollten Regelungen geschaffen werden, damit 16-Jährige auf dem Land bereits einen Auto-Führerschein machen und elternunabhängig fahren dürfen“, verlangt der JU-Landeschef. Diese Ausnahmen sollen aber ausschließlich für den Weg zur Arbeit beziehungsweise zur Schule und zurück gelten. Loose verweist auf einige US-Bundesstaaten, in denen dieses Modell erfolgreich praktiziert werde. Von einem generellen Absenken des Mindestalters hält Loose nichts: „Wir wollen nicht, dass jeder 16-Jährige in Kiel allein Auto fahren darf, zumal es dort ein engmaschiges ÖPNV-Netz gibt.“ Jedoch hätte man sehr gute Erfahrungen mit dem begleiteten Autofahren ab 17 gemacht, „von daher sollte man darüber nachdenken, das Mindestalter ebenfalls auf 16 abzusenken“, sagt Loose.

Ganz neu ist die Forderung nicht: Zuletzt hatten sich unter anderem die Fahrlehrerverbände für die Herabsetzung des Mindestalters für die Fahrerlaubnisklasse B stark gemacht. Die Verkehrsministerkonferenz hatte den Appell zuletzt 2013 auf der Agenda. Allerdings: „Wir hatten über den Bund bereits bei der zuständigen EU-Kommission angefragt, eine weitere Absenkung des Mindestalters ist EU-rechtlich aber nicht möglich“, sagt ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Kiel.

Führerschein-Erlaubnis nach Wohnorten

Torsten Jäger, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, lehnt das JU-Konzept ab, da es das bisherige Modell unterlaufen würde. Ulf Evert vom ADAC-Landesverband hält ebenfalls wenig von dem Vorstoß: „In Deutschland gilt das Gleichbehandlungsgebot, entsprechend wäre es juristisch niemals durchsetzbar, die Führerschein-Erlaubnis nach Wohnorten zu erteilen.“

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

Bastian Modrow zum Führerschein ab 16

Der Vorstoß der Jungen Union, Jugendliche in Ausnahmefällen bereits mit 16 Jahren allein Auto fahren zu lassen, klingt zunächst nach purem Populismus im Wahlkampf.

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