21 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Die brummende Gefahr

Drohnen Die brummende Gefahr

Drohnen sind die Verkaufsschlager bei den Fachhändlern und Elektromärkten. Doch der Aufstieg bereitet auch Sorge. Die Polizei in Schleswig-Holstein stellt sich inzwischen bei unterschiedlichsten Einsatzlagen konzeptionell darauf ein, dass auch Störer und Straftäter die unbemannten Luftfahrsysteme nutzen könnten.

Voriger Artikel
Unfälle auf schneeglatten Straßen
Nächster Artikel
Staatsanwaltschaft ermittelt nach Angriffen

ARCHIV - Zwei Männer lassen am 02.03.2011 auf der Rheinwiese in Düsseldorf einen Oktokopter steigen. Als Drohnen werden unbemannte Fluggeräte bezeichnet. Zunehmend sind sie im zivilen Einsatz - ob als Spielzeug oder als Hilfsmittel. In den USA etwa begutachten Bauern damit die Ernte auf ihren Feldern. Nachrichtensender machen TV-Bilder. Immobilienmakler nutzen Drohnen, um Luftaufnahmen von ihren Grundstücken zu machen, Gutachter, um Schäden auf hohen Gebäuden zu inspizieren. Auch Sicherheitsbehö

Quelle: picture alliance / dpa

Kiel. Eine Möglichkeit, Terror-Drohnen schon in der Luft unschädlich zu machen, hat die Landespolizei bisher nicht. Das Bundeskriminalamt (BKA) forscht mit internationaler Unterstützung über die Abwehr. Bereits beim G7-Gipfel in Elmau wurden Systeme getestet, die Drohnen aufspüren und aufhalten können.

 Das Vorbild potenzieller Attentäter könnte ein 2011 vom FBI in den USA vereitelter Anschlag in Washington sein. Damals wollte ein Islamist Modellflugzeuge mit Sprengstoff beladen und in das Pentagon und Kapitol steuern. Nach einer Analyse des BKA müssten ähnliche Szenarien auch in Deutschland als mögliche Tatoptionen in Betracht gezogen werden, teilte ein Sprecher in Wiesbaden mit. Denkbar sei, dass eine Sprengstoff-Drohne in ein Verkehrsflugzeug oder einen Flughafen gesteuert werde. Angriffe auf Menschenansammlungen wie etwa bei Fußballspielen oder Volksfesten würden im islamistischen Spektrum bereits thematisiert, heißt es.

 Der technische Fortschritt in diesem Sektor ist rasant. Kleine Drohnen sind günstig und leistungsstark, professionelle Fluggeräte mit Propellern kosten tausende Euro und lassen sich mit hoher Geschwindigkeit über weite Entfernungen steuern. Rechtlich unterscheidet man zwischen Flugmodellen und unbemannten Luftfahrsystemen. Die Fluggeräte sind leicht zu bedienen. Aber sobald sie nicht zu Sport-oder Freizeitzwecken genutzt werden, müssen sie angemeldet werden – Flugobjekte über fünf Kilo mit einer Einzelerlaubnis. Das Landesverkehrsministerium verzeichnet einen rasanten Anstieg an Anmeldungen. Allein 2014 wurden 230 Erlaubnisse erteilt. 2015 dürfte sich die Zahl mehr als verdoppelt haben. Zurzeit besitzen 930 Personen eine Aufstiegserlaubnis, teilte Ministeriumssprecher Harald Haase mit. Der angegebene Einsatzzweck ist vielfältig: TV-Anstalten nutzen Drohnen für Video- und Filmaufnahmen. Flugobjekte werden auch von Immobilienunternehmen, Dachdeckern und Unternehmen für Photovoltaikanlagen genutzt. Aber auch Sachverständige für die Überwachung von Windenergieanlagen an Land und auf der Nordsee haben Drohnen angemeldet. Ob die Landespolizei Drohnen besitzt, wollte das Ministerium nicht sagen. „Darüber machen wir keine Aussage, so wie wir auch über andere Erlaubnisinhaber keine Auskunft geben“, so Haase.

 Zwischenfälle mit Drohnen gab es in Deutschland bisher nur in der Nähe von Flughäfen – ohne terroristischen Hintergrund. „Es gab aber keine gefährlichen Situationen“, sagte Axel Raab, Sprecher der Flugsicherung in Frankfurt. Geortet werden können diese unbemannten Luftfahrtsysteme von der Flugsicherung noch nicht. Deshalb forderte die Behörde eine Verschärfung der Gesetze. „Wir wollen eine Transponderpflicht, um die Drohnen auf dem Radar erkennen zu können“, so der Sprecher: Auch ein Kennzeichen sei sinnvoll, damit der Eigentümer ermittelt werden könne, falls ein Flugkörper vom Himmel geholt oder gefunden wurde.

 Um gegen Drohnenangriffe gerüstet zu sein, lässt sich das BKA von Rüstungskonzernen beraten. Vorgestellt wurde bereits ein „Hochenergielaser“, der aber „aufgrund der ungeklärten Risiken nicht im polizeilichen Einsatzfokus steht“, erklärte das Bundesinnenministerium. In den USA wird eine Software-Lösung diskutiert, die den Geräten das Einfliegen in gewisse Bereiche unmöglich machen soll. In Schleswig-Holstein ist die Polizei noch nicht so weit: „Als Präventionsmaßnahmen stehen der Polizei derzeit weitgehend die Anwendung klassischer Taktiken wie Sichtaufklärung, Raum- und Objektschutz oder etwa die Durchsuchung von Personen und Sachen, im Einzelfall ergänzt durch technische Schutzmaßnahmen, zur Verfügung“, sagte Patrick Tiede, Sprecher des Innenministeriums.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Günter Schellhase
Digitale Angebote

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

THW-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele vom THW Kiel in unserem Liveticker.

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3