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Erinnerungslücken im Geiselnahme-Prozess

Ex-JVA-Chefin Lübeck Erinnerungslücken im Geiselnahme-Prozess

Geiselnahme im Lübecker Gefängnis, doch die Polizei wird erst am nächsten Tag gerufen. Im Prozess um die Ereignisse in der Justizvollzugsanstalt Weihnachten 2014 sagt die damalige Leiterin aus, auch warum die Polizei erst später informiert wurde.

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Das Wappen des Bundeslandes Schleswig-Holstein und der Schriftzug "Gerichtshaus" am Landgericht in Lübeck: Hier wurde am selben Tag der Prozess um eine Geiselnahme in der JVA Lübeck fortgesetzt.

Quelle: Lukas Schulze/ dpa

Lübeck. Im Prozess um eine Geiselnahme in der Lübecker Justizvollzugsanstalt (JVA) an Heiligabend 2014 hat die frühere Leiterin ihre Entscheidung verteidigt, die Polizei erst am nächsten Tag gerufen zu haben. „Es war Weihnachten, die komplette Schicht hätte dableiben müssen“, sagte die 54-Jährige als Zeugin vor dem Lübecker Landgericht. Die Ruhe sei bereits nach kurzer Zeit wiederhergestellt gewesen und die vier angeklagten Häftlinge in besonders gesicherten Zellen untergebracht worden, meinte die Juristin am Mittwoch. Da habe die Strafverfolgung auch erst am nächsten Tag informiert werden können.

Nach Details befragt, berief sich die Zeugin in ihrer fast einstündigen Aussage immer wieder auf Erinnerungslücken. Die Verteidiger, die die Vernehmung der ehemaligen JVA-Leiterin durchgesetzt hatten, kritisierten deswegen deren „Vergesslichkeit“. Sie hatten sich auch zur Frage einer möglichen Alkoholisierung der Angeklagten Aufklärung erhofft. Wäre die Polizei sofort gerufen worden, hätte sie alle Beweise sichern können, sagte Verteidiger Oliver Dedow nach der Vernehmung. Eine Alkoholisierung der Angeklagten wäre dann nicht fraglich.

Männer bestreiten die Tat

Die vier aus Russland, Litauen und Georgien stammenden Angeklagten wollen zum Tatzeitpunkt volltrunken gewesen sein. Darüber gibt es jedoch unterschiedlich Angaben von Justizbeamten und Mithäftlingen. Laut Staatsanwaltschaft lockte einer der Häftlinge, darunter ein zu lebenslanger Haft verurteilter Mörder, einen Aufseher mit einem vorgetäuschten epileptischen Anfall in die Zelle. Dort soll der Justizbeamte mit einem Messer bedroht worden sein, um die Flucht zu erzwingen. Der Ausbruchsversuch konnte jedoch nach kurzer Zeit beendet werden.

Die Anklage lautet unter anderem auf gemeinschaftliche Geiselnahme. Die Männer bestreiten das. Zu den Angeklagten gehört auch ein Litauer, ein mutmaßliches Mitglied einer internationalen Räuberbande, die sich in Schleswig wegen bundesweiter Raubüberfälle auf Juweliere und Pfandleiher verantworten muss. Er saß deswegen an Weihnachten 2014 in Lübeck in Untersuchungshaft.

Weil sie die Polizei nicht sofort über den Fluchtversuch informierte, musste die JVA-Chefin ihren Posten räumen. Sie wurde ins Justizministerium nach Kiel abgeordnet. Ein Disziplinarverfahren gegen sie läuft noch. Die Staatsanwaltschaft hat dagegen ihre Ermittlungen wegen Strafvereitelung eingestellt. Die Polizei hätte etwa auch vom damaligen Schichtleiter und der diensthabenden Inspektorin gerufen werden können. Die hatte zwar angefragt, aber ein Nein als Antwort von ihrer Chefin erhalten. Nach deren Aussage genügte zu diesem Zeitpunkt die Benachrichtigung des Interventionsteams, wie sie vor Gericht sagte. Wegen des Vorgangs, der den Landtag beschäftigte, war auch Justizministerin Anke Spoorendonk (SSW) in die Kritik geraten.

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Deutsche Presse-Agentur dpa

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