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Das Engagement ist vielfältig

Ehrenamt-Messen 2016 Das Engagement ist vielfältig

Wer den Namen Guildo Horn hört, denkt als erstes an einen schrägen Schlagersänger, der mit „Piep, piep, piep – Guildo hat euch lieb“ Furore machte. Doch Guildo Horn hat auch eine andere Seite. Als Musiklehrer engagiert er sich seit mehr als 30 Jahren für Menschen mit Behinderung.

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Schirmherrin Kristin Alheit und Guildo Horn eröffneten im Landeshaus die Ehrenamt-Messen. Der Entertainer erzählte mit der richtigen Mischung aus Humor und Ernst von seinen Erfahrungen aus der Arbeit mit Behinderten.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Seine Erfahrung mit dem Thema Inklusion machte ihn zum perfekten Ehrengast bei der feierlichen Auftaktveranstaltung für die Ehrenamt-Messen in Schleswig-Holstein. Landesweit sind bis April zwölf Veranstaltungen geplant, in denen es um ehrenamtliches Engagement in den jeweiligen Regionen geht. Die Messen, die das Ehrenamt-Netzwerk Schleswig-Holstein seit zehn Jahren im Wechsel mit dem Ehrenamt-Forum ausrichtet, stehen unter dem Motto „Miteinander. Vielfalt. Leben“.

Zum Auftakt im Landeshaus waren mehr als 200 Gäste gekommen, um sich über das Thema Inklusion im Ehrenamt zu informieren. Anja Lüsebrink, Leiterin des Ehrenamt-Netzwerkes, begrüßte neben Guildo Horn auch Sozialministerin und Schirmherrin Kristin Alheit sowie Landtagspräsident Klaus Schlie.

Mit behinderten Menschen musizieren

Guildo Horn zeigte sich beeindruckt von der hohen Ehrenamts-Quote im Land. „Respekt! Oberwahnsinn, dass sich 40 Prozent von euch ehrenamtlich engagieren!“, sagte der 52-jährige Musiker, Entertainer und Diplompädagoge, der mit bürgerlichem Namen Horst Köhler heißt und schon als Kind mit geistig Behinderten in Kontakt kam. Seine Mutter arbeitete für die Lebenshilfe-Werke in Trier, wo er nach dem Abitur ein Soziales Jahr machte und einen Schlüsselmoment erlebte. „Bis dahin hatte ich die Vorstellung von sauberer Musik, habe viel geübt und wollte, dass alles geordnet abläuft“, erzählte er. Dann habe er angefangen, mit Behinderten zu musizieren. „Das war so ehrlich, so direkt, dass ich mich geschämt habe. Diese Art, Musik zu machen, geht ans Herz. Das hat mir viel besser gefallen, ich wollte sein wie sie.“

Ein Erlebnis, das ihn zur Kunstfigur Guildo Horn inspirierte. „Ohne diese Begegnung wäre ich ein braver Musiker geblieben.“ Als „Schlagersänger eines atomaren Erstschlages“, wie er sich bezeichnet, trat er 1998 beim Eurovision Song Contest an und kam auf den siebten Platz. Neben der Karriere als Entertainer engagierte er sich weiterhin. Inzwischen testet er gemeinsam mit Menschen mit Behinderung Wahllokale und Fußballstadien auf Barrierefreiheit. „Ich bin kein Gutmensch, man macht Dinge für sich selbst“, betonte er. „Diese Arbeit gibt mir etwas. Jeder Mensch bringt seine eigene Qualität mit. Das muss nicht immer eine handwerkliche oder intellektuelle Begabung sein.“ Auch die Gabe, gute Laune zu verbreiten sei „fürs Teambuilding eine super Sache“. Gleichzeitig mahnte er: „Inklusion ist falsch verstanden, wenn man damit meint, dass Nicht-Behinderte Behinderten helfen. Es heißt auch, den Behinderten im Rahmen ihrer Möglichkeiten etwas abzuverlangen, sie ernstzunehmen.“

Das Ehrenamt ist vielfältig

Klaus Schlie verwies auf eine wachsende Zahl Jugendlicher, die sich auch außerhalb von Vereinsstrukturen ehrenamtlich betätigten. „Das Ehrenamt ist vielfältiger als je zuvor“, sagte er. „Ehrenamtler suchen gezielter als früher Tätigkeiten aus, die sie ansprechen und interessieren.“ Hier setzen die Ehrenamt-Messen an, die von regionalen Projektteams organisiert werden. „Die Messen sind bunte Märkte des Ehrenamtes. Das spiegelt unser diesjähriges Motto wider“, sagte Anja Lüsebrink. Die erste findet am 13. Februar im Kreishaus Schleswig statt. In Kiel findet die Messe am Sonnabend und Sonntag, 20. und 21. Februar, in der Christian-Albrechts-Universität statt.

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