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Den Staus ein Schnippchen schlagen

Elbfähre Den Staus ein Schnippchen schlagen

Der Flaggenschmuck ist abgehängt, die Bauarbeiten beendet. Zwei Monate nach der Eröffnung hat sich der Betrieb der neuen Elb-Fähre normalisiert. Fast 80000 Passagiere, 16000 Autos und fast 900 Lkw wurden schon befördert. Zum Ferienbeginn waren die Schiffe fast immer voll.

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Die neuen Elb-Fähren gelten als zeitsparende Alternative zum Elbtunnel. Sie sind 97 Meter lang und haben Platz für bis zu 150 Autos und 690 Passagiere.

Quelle: Frank Behling

Brunsbüttel. Die erste Abfahrt ist morgens um 4 Uhr. Die letzte Überfahrt am Wochenende um 21 Uhr. Die Fähren „Anne Marie“ und „Grete“ beginnen langsam sich zu füllen. Es ist besonders die Anbindung an die Autobahn bei Cuxhaven, die für die Autofahrer ein Grund zur Wahl der Fähre ist. An diesem Ferienwochenende waren beide Schiffe fast immer voll.

 Die erste Bilanz der Reederei kann sich sehen lassen. Fast 80000 Passagiere, 16000 Autos und fast 900 Lkw wurden seit Eröffnung am 20. August befördert. Damit endete eine 14 Jahre dauernde Pause, in der keine Fähre durch die Elbmündung pendelte. 2001 hatte die Elbe Ferry ihren Dienst eingestellt. Jetzt der Neustart durch Elb-Link. Zwei neue Doppelend-Fähren aus Estland nahmen den Betrieb auf. Unter den Charternamen „Grete“ und „Anne-Marie“ pendeln sie im Zwei-Stunden-Takt über die Elbe. „Wir sind mit der Nachfrage bisher sehr zufrieden“, sagte Betriebsleiter Bernd Bässmann jetzt bei der Präsentation der Bilanz zum Ende der Sommersaison. Bis zum 31. Januar gilt ein Winterfahrplan. Die Hoffnungen der Betreiber ruhen besonders auf den Lastwagen. Sie sollen die Grundauslastung sichern. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Angebot. Für unsere Lastwagen ist diese Verbindung eine große Erleichterung“, sagt Friedrich Kruse. Für das 1902 gegründete Familienunternehmen in Brunsbüttel fahren 65 Lkw. „Unsere Lastwagen nutzen etwa acht bis zehn Mal am Tag die Fähre. Sie ist eine gute sehr gute Alternative zur Fähre Glückstadt-Wischhafen und zum Elbtunnel. Dort gibt es ja immer noch lange Wartezeiten“, sagt Kruse.

 Die Wartezeiten am Anleger in Brunsbüttel sind überschaubar. „Hier kommt man immer mit“, sagt Sören Tverstedt. Der Däne fährt Produkte von der Raffinerie in Heide nach Bremen. Viele Tanklaster aus dem Raum Brunsbüttel sind unter den Kunden. Es finden sich aber auch Kieler: Thorsten Patzner hat an diesem Tag morgens um 9 Uhr die Überfahrt gebucht. Sein 40-Tonner der Spedition Stoltenberg soll Flugzeugteile von Kiel nach Bremerhaven bringen. Bislang nahm er für die Strecke die Autobahn. „Die Baustellen und die Staus, das nervt einfach. Heute ist es das erste Mal, dass ich die Fähre nehme“, sagt er. 70 Minuten später manövriert Patzner seinen Sattelschlepper in Cuxhaven an Land und braust davon. Keine zwei Stunden später ist er wieder da: „Das ging schneller, als ich dachte.“ Die Überfahrt zurück nach Brunsbüttel geht zudem als Ruhezeit in die Berechnung der Lenkzeiten ein. „Wenn ich die Fähre nehme, sind es von Kiel nach Bremerhaven 140 Kilometer. Über die Autobahn sind es 280 Kilometer – doppelt so viel“, rechnet Patzner vor. Seine Spedition muss oft nach Bremerhaven, fährt viel für Werften und Reedereien, da ist die Fähre eine gute Lösung.

 „Wir wollen hier nur mal eben rüber“, sagt Elisabeth Schöller. Zusammen mit einer Freundin macht sich die Dithmarscherin auf zum Fischkauf nach Cuxhaven. Unweit des Fähranlegers gibt es dort nicht nur einen Keks-Outlet der Firma Bahlsen, sondern auch fangfrischen Fisch. Gastronomisch lässt die Reederei Elb-Link aber auch aufrüsten. Die großen Salons der beiden Fähren sollen im Winter für Ausflüge und Feiern genutzt werden. Gegenwärtig sind Erbsensuppe und Schwarzwälder-Kirschkuchen noch der Hit. Im Januar und Februar soll es an Bord jeden Sonnabend Grünkohl geben.

 Trucker sowie Senioren ab 60 bekommen an Bord 20 Prozent Rabatt auf alle Angebote der Küche – das zieht. Es sind bei den Überfahrten viele ältere Passagiere dabei. Neun Euro kostet das Ticket für die Hin- und Rückfahrt. „Ich kenne noch die Butterfahrten, das war toll“, schwärmt die Dithmarscherin Schöller. „Vielleicht kommen wir mit unseren Kegeldamen hier mal her. Zeit haben wir ja genug, es fehlt nur an Angeboten in der Gegend.“

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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