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Wie man das Netz mit Vorsicht genießt

Elternmedienlotsen Wie man das Netz mit Vorsicht genießt

Felix Möller ist Elternmedienlotse. Einer von 35 in Schleswig-Holstein, die Eltern kostenlos über Medienerziehung, neue Trends und Forschungsergebnisse informieren. Auch an diesem Abend im Gymnasium Kronshagen steht schnell fest, dass es dabei nicht mehr wie vor ein paar Jahren um die Verhinderung von Facebook-Aktivitäten geht.

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Seinen Kindern den sicheren Umgang mit dem Internet beizubringen, ist für Eltern nicht immer eine einfache Aufgabe.

Quelle: Maurizio Gambarini/ dpa (Archiv)

Kronshagen. In diesem Netzwerk sind viele Eltern selbst aktiv – ihre Kinder aber längst in ganz anderen sozialen Netzwerken unterwegs. Kinder und Jugendliche sind Internetoptimisten, sagt Möller. Das ist einerseits gut, weil sie digitalen Medien gegenüber offen und lernbegierig sind. Hat aber den Nachteil, dass der Nachwuchs oft die Tragweite seiner Handlungen unterschätzt. Zum Beispiel bei Knuddels, ein kostenloser Chat. „Er sollte ursprünglich Kindern erste Erfahrungen im Chatraum bieten“, sagt Möller, „wird aber leider gerne von Männern genutzt, um Kontakt zu Mädchen zu bekommen“.

Oder YouNow, eine Plattform zum Live-Streaming. Bedeutet: Kinder können sich filmen und das in Echtzeit und kostenlos im Internet zeigen. Was ursprünglich Musikern und Youtubern eine Bühne bieten sollte, wird ebenfalls vor allem von Mädchen genutzt: Sie filmen sich in allen möglichen Posen und stellen das in Netz. YouNow nutzt das Bedürfnis von Teenagern aus, sich miteinander zu vergleichen und über positive Rückmeldungen das Selbstwertgefühl zu steigern. Dass Darstellungen auf Plattformen wie YouNow genau das Gegenteil bewirken können, merken sie erst, wenn es zu spät ist. „Eltern bekommen solche Selbstinszenierungen im Internet meist gar nicht mit, weil ihre Kinder dafür nur ihr Smartphone benötigen und das haben schon über 70 Prozent der Grundschüler“, sagt Möller. Es sei also sinnvoll und notwendig, PC und Tablet zu sichern, aber in diesem Fall reiche es eben nicht.

Welche Lösungen gibt es?

Eine Mutter berichtet, dass sie ihre Tochter nur am Wochenende die Smartphone-Nutzung erlaubt. Eine Lösung? Möller ist skeptisch. Handyfreie Zeiten etwa bei den Mahlzeiten, Gesprächen oder gemeinsamen Unternehmungen findet er sinnvoll. Vorausgesetzt: Auch die Eltern halten sich daran. Wer dem Nachwuchs das Smartphone aber über Tage wegnehme, verhänge einen digitalen Hausarrest und schneide eine Hauptkommunikationsschiene ab. „Früher haben Teenager stundenlang telefoniert, heute läuft das über Whatsapp. Früher wurde Bravo gelesen, heute sieht man sich Bibis Beauty Palace an. Und Youtube ersetzt mehr und mehr das Fernsehen.“

Möller wirbt dafür, Kinder in die Lage zu versetzen, sich frei und sicher im Netz zu bewegen. Dabei würden die Eltern eine wichtige Rolle spielen. Aber wer sieht sich schon gemeinsam die AGBs von Facebook und Whatsapp an und redet über die Risiken? Möller rät, sich zumindest von den Kindern die Nutzung von Smartphone und Co erklären zu lassen: „Sie sehen wie fit Ihr Kind ist. Sie lernen selbst dazu. Wenn Sie sich offen zeigen, kommt Ihr Kind eher zu Ihnen, wenn es wirklich Probleme gibt.“ Möller sieht Eltern, aber auch Schulen noch in einem anderen Punkt gefragt: Dringend notwendig sei politische Bildung. Demokratische Grundprinzipien zu lernen, sei unerlässlich, weil Rechtsextreme zunehmend in sozialen Netzwerken unterwegs seien. Kinder und Jugendliche müssten fit gemacht werden, um solche Werbeversuche erkennen und abwehren zu können.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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