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„Wenn man kein Geld hat, kann man auch nicht bezahlen“

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Grexit - ja oder nein? Wochenlang pokerte die griechische Regierung von Alexis Tsipras mit den EU-Partnerländern um den Verbleib in der Eurozone und um einen Schuldenschnitt für das von der Pleite bedrohte Land.

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Litsa Bina schildert in unserer Serie die griechischen Alltagssorgen.

Nur mit äußerster Mühe konnte in letzter Sekunde eine Einigung erzielt werden. Die Geberländer sind zu Verhandlungen für ein neues milliardenschweres Hilfspaket bereit – aber nur, wenn Griechenland weitreichende Reformen durchbringt. Den Griechen stehen nun harte Einschnitte bevor. Ausgestanden ist die Krise damit noch lange nicht. Über deutsche und griechische Positionen, aber auch über die Alltagssorgen diskutiert unsere Zeitung in den kommenden Wochen mit Litsa Bina (43) und ihrer Tochter Vicky (22):

Donnerstag, 16. Juli, schreibt KN-Redakteur Jens Kiffmeier: „Es ist schon seltsam, dass in einem europäischen Land die Banken geschlossen und die Bürger gezwungen werden, nur 60 Euro pro Tag von ihrem Konto abheben zu dürfen. Die Frage ist nur: Wie konnte es soweit kommen? In Deutschland denken viele, dass sich Griechenland selber in diese Situation gebracht hat, weil nicht rechtzeitig die nötigen Reformen angestrengt worden sind – so wie etwa um die Jahrtausendwende hierzulande oder später auch in Osteuropa. Deshalb erachten es viele als unfair, dass die deutsche Regierung jetzt in Athen für ihre harte Linie gegeißelt wird – erst recht, weil Tsipras mit seinem Finanzminister Gianis Varoufakis in Brüssel viele andere Partnerländer auch verärgert hat. Mit einem anderen Auftreten wäre in den Verhandlungen vielleicht mehr drin gewesen, oder?

Samstag, 18. Juli, antwortet Vicky: „Hallo! Für die Situation in Griechenland sind nicht nur die anderen schuld, sondern natürlich auch wir selber. Die Griechen haben ohne einen wichtigen Grund Kredite aufgenommen, wie zum Beispiel für Reisen. Schlimmer ist aber auch, dass die Banken diese Kredite genehmigt haben. Noch ein Grund ist die Steuerhinterziehung, mit der viele Unternehmer immer versucht haben, ihre Gewinne zu vergrößern. Aber klar ist doch auch, dass in dieser Zeit auch deutsche Banken und Firmen auf unsere Kosten gute Geschäfte gemacht haben.

Was nun aber die Reformen angeht, so glaube ich, dass sie nötig sind. Dass andere Länder das ebenfalls gemacht haben, war sicherlich gut. Aber Griechenland ist ein Land, dass diese harten Reformen nicht aushalten kann. Das niedrigste Gehalt liegt hier im Durchschnitt bei 585 Euro, in anderen Ländern hingegen bei 1000 bis 2000 Euro. Was man vor diesem Hintergrund nicht vergessen darf, ist, dass sich in Griechenland in den vergangenen fünf Jahren die Selbstmordrate wegen der starken Armut stark erhöht hat. Meiner Meinung nach ist Herr Tsipras der einzige Ministerpräsident, der sich wirklich für Griechenland interessiert und das Beste für sein Land möchte. Deshalb hat er so lange verhandelt. Das müssen Frau Merkel und Herr Schäuble verstehen. Wenn man kein Geld hat, kann man auch nicht bezahlen. So einfach ist das.“

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Kiel/Thessaloniki
Foto: „Wir schaffen es schon.“ Litsa Bina (Mitte) wuchs in einer Gastarbeiterfamilie in Elmshorn auf. Heute lebt sie mit ihren Töchtern Vicky (links) und Alexandra in Thessaloniki.

An ihrem Arbeitsplatz gibt es für Litsa Bina an diesem Abend nichts mehr zu tun. Es ist kurz nach 20 Uhr, als die 43-Jährige ihr Büro in Thessaloniki verlässt.

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