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Projekt-Gegner kämpfen im Netz

Fehmarnbelttunnel Projekt-Gegner kämpfen im Netz

Flugblätter waren gestern. Eine 18-jährige Schülerin kämpft im Internet und bei Facebook gegen das Milliardenprojekt. Sie ist zum Gesicht der Tunnelgegner geworden. Die Befürworter setzen auf Informationen statt Emotionen.

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Malin Binding, Mitglied der Bürgerinitiative Beltretter, posiert in Puttgarden auf Fehmarn (Schleswig-Holstein) mit den blauen Kreuz der Beltquerungsgegner an dem Strandabschnitt, an dem sich nach jetziger Planung die Einfahrt des Tunnels nach Dänemark befinden wird.

Quelle: Markus Scholz/dpa

Fehmarn. Um den geplante Fehmarnbelttunnel wird heftig gestritten. Dabei nutzen sowohl die Gegner als auch die Befürworter des Milliardenprojektes das Internet und die Sozialen Medien, um für ihre jeweiligen Positionen zu werben. Dabei setzen vor allem die Gegner des Tunnels auf Emotionen. Die 18-Jährige Malin Binding ist das Gesicht der Kampagne gegen das Vorhaben. Die Befürworter ihrerseits setzen auf nüchterne Information. „Wir wollen nichts verhindern, sondern die Region gestalten“, sagt David Depenau von der Pro-Tunnel-Initiative „Beltoffen“.

Die Tunnelgegner der „Beltretter“ dagegen setzen auf die Macht der Bilder und auf Gefühle. Der Erfolg scheint ihnen recht zu geben. Seit Wochen sind Bilder und Videos von Binding auf der Internetseite der „Beltretter“, bei Facebook, Twitter, YouTube und Instagram präsent. Mit einer Onlinepetition hat die Schülerin aus Marienleuchte im Norden Fehmarns Bürger aus ganz Deutschland mobilisiert. Mehr als 86 000 Menschen haben die Petition bislang unterzeichnet. „Das ist für Deutschland sehr viel“, sagte eine Sprecherin der Kampagnenplattform „Change.org“.

„Es ist nicht ihr Gesicht, das die Menschen berührt, sondern die Geschichte, die sie erzählt. Eine junge Frau, die für ihre Heimat kämpft - das spricht die Menschen an“, sagt Kommunikationsprofi Mirko Kaminski. Er stammt selbst von der Insel und engagiert sich privat ebenfalls gegen den Tunnel. Die Internet-Kampagne sei aber nicht von Werbefachleuten initiiert worden, sondern gehe auf eine Idee der „Beltretter“ zurück, versichert er.

Binding selbst ist vom Erfolg der Kampagne überrascht. „Mit einer solchen Resonanz habe ich nicht gerechnet“, sagt die junge Aktivistin, die im nächsten Jahr Abitur macht und danach „irgendetwas mit Schreiben“ zum Beruf machen will. „Es geht mir bei der Aktion nicht um Selbstdarstellung. Ich will meine Heimatinsel bewahren“, sagt sie.

Der 19 Kilometer lange Straßen- und Eisenbahntunnel soll die deutsche Ostseeinsel Fehmarn mit der dänischen Insel Lolland verbinden. Die Eröffnung ist frühestens 2026 geplant. Die Zufahrt zum Tunnel würde ganz in der Nähe von Malins Elternhaus entstehen. „Ich will einfach nicht, dass unsere Natur, die schönen Strände und der Tourismus durch dieses Mammutprojekt zerstört werden“, sagt sie - und bekommt dafür viel Zuspruch bei Facebook und Co.

Die erst Anfang 2016 gegründete Initiative „Beltoffen“ setzt dagegen auf ihrer Internet- und ihrer Facebookseite ganz auf nüchterne Information. „Die Gegner des Projektes arbeiten sehr stark mit Emotionen. Darauf verzichten wir ganz bewusst“, sagt David Depenau, der Sprecher von „Beltoffen“. Die Gruppe, der aktuell 75 Einzelmitglieder und fünf Firmen angehören, verstehe sich nicht als Gegner der Gegner, sagt Depenau. „Unser Ziel ist nicht, irgendwas zu verhindern oder durchzudrücken, sondern die Region wirtschaftlich und touristisch voran zu bringen.“

dpa

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