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Opferschützer sehen Banken gefordert

Enkeltrick-Fälle Opferschützer sehen Banken gefordert

Enkeltrick-Betrugsfällen sorgen für Debatte um einen besseren Schutz: Angehörige von Betroffenen sowie der Landesverband der Opferschutzorganisation „Weißer Ring“ fordern von Banken eine Beratungspflicht, wenn ältere Kunden große Summen abheben wollen. Doch das lehnen Geldinstitute im Norden ab.

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Vize-Landesvorsitzender Uwe Rath - Weisser Ring

Quelle: Frank Peter

Kiel. „Banken und Sparkassen haben eine Verpflichtung, ihre Kunden vor erheblichen finanziellen Schäden durch solche Betrügereien zu bewahren“, erklärt der Vize-Landeschef des „Weißen Rings“ Uwe Rath. Ihm fehle „jedes Verständnis“ dafür, dass es bei einem Enkeltrick-Betrug Ende September in Rendsburg möglich gewesen sei, dass einer 91-jährigen Rentnerin mehr als 40000 Euro ausgezahlt wurden, ohne irgendeinen Verdacht zu erregen. Insgesamt zählte die Landespolizei seit Ende September sechs Fälle, auch in Bargteheide, Bad Oldesloe, Ahrensburg, Mildstedt und Großenwiehe versuchten es Betrüger mit der Masche. Doch die vielen warnenden Berichte auch in dieser Zeitung zeigten offenbar Wirkung. Die Täter kamen nicht zum Erfolg, meist weil die vermeintlichen Opfer rechtzeitig Verdacht schöpften.

 Für neue „Kieler Vorschriften“ bei Auszahlung hoher Summen an ältere Menschen plädiert dennoch auch Ralf Dietz, Eckernförder Pastor im Ruhestand, der selbst indirekt von solchen Betrugsfällen betroffen ist. Zweimal schon sei seine Schwiegermutter Opfer von Trickbetrügern geworden, ohne dass die Täter ermittelt werden konnten. Dietz: „Niemand spricht in diesem Zusammenhang von der Verantwortung der Banken oder Sparkassen. Niemand kann mir erklären, warum es bei Kreditvergaben selbst bei Häuslebauern umfangreiche Prüfverfahren gibt, während Banken leichtfertig Geld an Rentner herausgeben.“

 Die Geldinstitute im Norden verweisen zwar auf eine intensivierte Schulung ihrer Mitarbeiter mit entsprechenden Verhaltensanweisungen in Verdachtsfällen, lehnen aber eine Beratungspflicht ab. „Unseren Kunden raten wir, bei Verdachtsfällen den Bankberater anzusprechen“, heißt es aus der Pressestelle der Volks- und Raiffeisenbanken. In „begründeten Einzelfällen“ gebe es auch eine Kundenansprache durch Mitarbeiter. Auch die Commerzbank lehnt eine Beratungspflicht ebenso ab wie die Förde Sparkasse. „Wir sehen nicht, nach welchen Kriterien so eine Pflicht in Bezug auf Alter der Kunden und Höhe der Geldbeträge umgesetzt werden könnte“, betont Sparkassen-Sprecher André Santen. Mitarbeiter könnten bei einem begründeten Verdacht allenfalls „situativ“ auf einen möglichen Betrug aufmerksam machen.

 Solche Warnungen und Nachfragen sind auch aus Sicht der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein der derzeit einzig mögliche Weg der Vorbeugung. Verpflichtungen oder Richtlinien dazu seien „schwierig“, wenn Kunden nicht entmündigt werden sollen. Eine Verweigerung von Auszahlungen selbst hoher Beträge „ist rechtlich nicht möglich und würde zu weit gehen“.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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Es sind schwierige Fragen, mit denen sich Geldinstitute bei dieser Häufung von Enkeltrick-Gaunereien im Norden konfrontiert sehen: Dürfen Bankangestellte das Selbstbestimmungsrecht vor allem älterer Kunden über ihr Vermögen ignorieren, wenn diese ungewöhnlich hohe Summen abheben? Schafft eine Beratungspflicht in Verdachtsfällen wirklich mehr Sicherheit? Banken haben in der Tat eine gewisse Fürsorgepflicht.

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