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Gericht beschäftigt sich erneut mit Fall von 1981

Entführung von Ursula Herrmann Gericht beschäftigt sich erneut mit Fall von 1981

Der Tod der zehnjährigen Ursula Herrmann, die 1981 entführt, in einer Kiste vergraben wurde, ist wieder Thema vor Gericht. Diesmal will Ursulas Bruder Schmerzensgeld vom Entführer, der in Lübeck in Haft sitzt.

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Dieses Verlies im Wald wurde für Ursula Herrmann zum Grab: Mit nur zehn Jahren starb das Mädchen hier am frühen Morgen des 16. September 1981.

Quelle: dpa (Archiv)

Augsburg / Lübeck. Der Bruder eines Gewaltopfers verlangt 20 000 Euro Schmerzensgeld von dem Mann, der seine Schwester entführt hat und für ihren Tod verantwortlich ist. Und das 35 Jahre nach der Tat. Diesen ungewöhnlichen Fall verhandelt seit Donnerstag das Landgericht Augsburg. Noch ungewöhnlicher an dem Prozess ist, dass es um das Kidnapping von Ursula Herrmann im September 1981 am Ammersee geht - also um einen der größten Kriminalfälle im Nachkriegsdeutschland. Das Schicksal des zehnjährigen Mädchens, das in einer Kiste im Wald vergraben wurde und jämmerlich erstickte, bewegte die Menschen in der Bundesrepublik jahrzehntelang wie kaum ein anderes Verbrechen.

Das Augsburger Gericht beschäftigt sich nicht zu ersten Mal mit dem Fall Herrmann. Erst 2008 wurde der Täter in Kappeln an der Schlei in Schleswig-Holstein verhaftet, zwei Jahre später wurde er in Augsburg verurteilt nach einem aufwendigen Indizienprozess. Doch damals war es eine Strafkammer, jetzt liegt der Fall bei einer Zivilkammer.

In dem Strafverfahren wurden nie alle Zweifel ausgeräumt, dass der in Lübeck im Gefängnis sitzende heute 66 Jahre alte Mann der wahre Täter ist. Rätselhaft ist insbesondere die Verbindung des Falls zum Mord an einer Münchner Parkhaus-Millionärin im Mai 2006. An beiden Tatorten wurde die gleiche DNA-Spur sichergestellt, doch dieser Zusammenhang wurde nie aufgeklärt. Sicher ist nur, in beiden Fällen wurden die Angeklagten zu lebenslanger Haft verurteilt. Beide Schuldsprüche wurden vom Bundesgerichtshof bestätigt. Beide Verurteilten beteuern bis heute, dass sie es nicht waren.

"Zu einem inneren Frieden kommen"

Michael Herrmann klagt gegen den 66-Jährigen, der an dem Verfahren selbst nicht teilnahm, weil er 2010 wenige Monate nach dem Strafprozess einen Tinnitus bekommen habe, der ihn als Musiker und Musiklehrer sehr störe. Herrmann sieht die psychischen Belastungen des Prozesses gegen den Entführer als Ursache an.

Doch er betont seit Jahren auch, dass er nach dem Studium der Ermittlungsakten im Fall seiner Schwester Zweifel hat, dass der richtige Mann einsitzt. Insbesondere vermutet der 52-Jährige, dass es Komplizen gibt. Mit der Schmerzengeldklage wollte er auch diesbezüglich offene Fragen klären, hatte er im Vorfeld gesagt. Doch Zivilrichter wollen nicht gern Hilfsinstanz in ungeklärten Kriminalfällen spielen, entsprechend führten Herrmanns Äußerungen zu kritischen Nachfragen des Vorsitzenden Richters Harald Meyer.

„Die Kammer soll nicht missbraucht werden, um einen Strafprozess daraus zu machen“, betonte Herrmanns Anwalt Joachim Feller eilig. Und auch der Kläger selbst gab zu Protokoll: „Wir leben in einem Rechtsstaat und ich respektiere das Urteil aus dem Strafverfahren.“ Ziel des neuen Prozesses sei vielmehr, „zu innerem Frieden zu kommen“, sagte Herrmann. „Wenn er von diesem Gericht noch einmal bestätigt bekommt, das ist der Täter, dann ist endlich Ruhe“, ergänzte Feller.

Der Verteidiger des 66-Jährigen setzt dennoch große Hoffnungen darauf, dass das Zivilgericht weitere Zweifel an der Täterschaft aufwirft. „Das ist ein Geschenk des Himmels für uns“, sagt Anwalt Walter Rubach über die Klage gegen seinen Mandanten. Es sei ein Versuch, noch einmal in die Beweisaufnahme einzusteigen. Rubach möchte mit dem Verfahren auch Munition für einen strafrechtlichen Wiederaufnahmeantrag sammeln, den er derzeit vorbereitet.

Am Donnerstag war nach knapp einer Stunde in dem spektakulären Verfahren erst einmal wieder Schluss. Die Kammer vertagte sich auf den 14. Juli, um dann zu sagen, wie es weitergehen soll. Ein Urteil werde es noch nicht geben, machte Richter Meyer klar.

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