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Schon wieder Einsatz am Flughafen

Hamburg Schon wieder Einsatz am Flughafen

Erneuter Großeinsatz am Hamburger Flughafen: Nach dem Reizgas-Alarm am Sonntag mit mehreren Verletzten mussten die Einsatzkräfte am Montag erneut ausrücken, nachdem Mitarbeiter über Atemwegsreizungen und Übelkeit geklagt und sich krankgemeldet hatten.

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Am Montag gab es erneut einen Einsatz am Hamburger Flughafen.

Quelle: Daniel Reinhardt/dpa

Hamburg. Einen Tag nach dem Gasalarm am Hamburger Flughafen sind erneut Probleme aufgetreten. Betroffen waren nach Angaben von Jan Ole Unger von der Berufsfeuerwehr Hamburg 14 Personen, von denen eine in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Die Ursache für den erneuten Zwischenfall ist unklar: Experten der Feuerwehr überprüften die Lage und die Messwerte an der Sicherheitskontrolle für die Fluggäste. Es wurden jedoch keine Schadstoffe festgestellt, so Unger. Vorübergehend kam es vor der Sicherheitsschleuse zu Beeinträchtigungen und Wartezeiten.

Der Vorfall am Flughafen bleibt weiter mysteriös: Am Sonntag war der Airport für anderthalb Stunden geräumt worden, weil viele Menschen über Atemwegsreizungen, Augenbrennen und Übelkeit geklagt hatten. Insgesamt 68 Personen mussten von den Notärzten und Rettungsdienstmitarbeitern versorgt werden. Offenbar hatte sich ein Reizgas über die Klimaanlage des Flughafens verbreitet.

Ermittlungen laufen weiter

Die Ermittlungen der Polizei zu dem Zwischenfall laufen. Die Beamten würden nun Videos auswerten und Zeugen befragen, teilte die Hamburger Polizei mit. Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen wurde einem Passagier eine Spraydose mit Pfefferspray abgenommen und in eine Kiste geworfen. Ob die Dose defekt oder undicht war und wie das Gas entweichen konnte, ist Teil der Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen gefährlichen Körperverletzung. Möglich ist, dass der unter Druck stehende Behälter beim Wurf in den Abfallbehälter beschädigt wurde und der Reizstoff entweichen konnte.

Die Polizei registriert bundesweit eine Zunahme von Zwischenfällen mit Pfefferspray. Im bayrischen Amorbach hatte es am Wochenende ebenfalls einen Großeinsatz von Feuerwehr und Rettungsdiensten gegeben: 23 Menschen wurden auf einem Faschingsball verletzt, nachdem ein Unbekannter Reizgas in der Festhalle versprüht hatte. In Schleswig-Holstein war im Februar 2016 Großalarm für 90 Helfer ausgelöst worden: Über 100 Fünft- bis Neuntklässer der Isarnwohld-Schule in Gettorf waren nach einer Reizgasattacke ärztlich behandelt worden. Fünf von ihnen hatten so starke Beschwerden, dass sie sogar in eine Kieler Klinik eingeliefert werden mussten. Eine Schülerin hatte damals mit Pfefferspray hantiert.

Polizei: Kein Interesse an Bürger-Bewaffnung

Mit Sorge beobachten die Behörden, dass immer mehr Menschen sich mit Pfefferspray ausrüsten: „Wir haben als Polizei absolut kein Interesse daran, wenn viele Waffen im Umlauf sind“, sagt Uwe Keller vom Landeskriminalamt in Kiel. Dazu zähle auch Pfefferspray, das von Privatleuten rechtlich nur gegen Tiere eingesetzt werden dürfe. Liege nicht eindeutig eine Notwehrsituation vor, stelle der Einsatz gegen Menschen selbst eine Straftat dar, betont der LKA-Sprecher. Zudem würden die Verteidigungsmittel, die mittlerweile sogar in Drogerie- und Supermärkten, an Kiosken und sogar in Tankstellen als sogenannte Tierabwehrsprays verkauft werden, ein trügerisches Bild von Sicherheit vermitteln. „Es ist zweifelhaft, ob sich eine ungeübte Person bei einem Angriff wirklich erfolgreich verteidigen kann“, warnt Keller.

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