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Landespolizei verstärkt den Schutz

Erstaufnahmeeinrichtungen Landespolizei verstärkt den Schutz

Die Landespolizei setzt ab sofort deutlich mehr Einsatzkräfte in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Neumünster ein. 15 anstatt bislang fünf Polizisten sind künftig im Einsatz. Grund sind Auseinandersetzungen von Asylbewerbern am vergangenen Wochenende.

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Ein zerrissener Koran soll die Ausschreitungen in einem Flüchtlingsheim im thüringischen Suhl ausgelöst haben.

Quelle: Michael Reichel/ dpa

Kiel/Neumünster. Zugleich kündigt das Landespolizeiamt Einschränkungen in anderen Aufgabengebieten an. „Die Sicherheit von Flüchtlingen und der Bevölkerung hat oberste Priorität“, sagt Joachim Gutt, stellvertretender Landespolizeidirektor. Um „schnell und zentral“ auf mögliche Brennpunkte reagieren zu können, habe sich die Polizeiführung entschlossen, personell in der Erstaufnahmeeinrichtung aufzurüsten. Die Landespolizei selbst will keine Zahlen nennen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hingegen schon: Zehn zusätzliche Kräfte sollen in jeder der drei Schichten pro Tag eingesetzt werden.

 Bislang sind in allen Unterkünften in Neumünster, Boostedt, Seeth, Albersdorf und Rendsburg mindestens fünf Beamte rund um die Uhr im Dienst. In denselben Dimensionen wird beim Innenministerium auch für die geplante Erstaufnahmeunterkünfte in Kiel und Eggebek kalkuliert.

 Die deutliche Aufstockung von Einsatzkräften in Neumünster – der landesweit größten Unterkunft mit etwa 1500 Flüchtlingen – kommt nicht von ungefähr: Auseinandersetzungen unter Asylsuchenden stellte die Behörden dort am vergangenen Wochenende vor gewaltige Herausforderungen. Geplant war es, neu eingetroffene Flüchtlinge, die noch keinen Schlafplatz hatten, weiter nach Rendsburg in das gerade erst eingerichtete Containerdorf zu bringen. Dadurch hätten sich andere Bewohner der Einrichtung, die bereits länger in Neumünster untergebracht sind, übergangen gefühlt. „Es kam zu verbalen Streitigkeiten, die aufgrund offenbar fehlender Sprachvermittler nicht frühzeitig aufgelöst werden konnten“, sagt Karl-Hermann Rehr, Landesgeschäftsführer der GdP. Die Folge: Um eine Eskalation zu verhindern, musste die Landespolizei 25 Streifenwagen aus ganz Schleswig-Holstein zusammenziehen. Kurzfristig wurde die Anzahl der Flüchtlinge, die nach Rendsburg gebracht wurden, von 150 auf 236 erhöht.

 Silke Tobies vom Landespolizeiamt in Kiel bestätigt auf Nachfrage, dass die Probleme vom vergangenen Wochenende in die Pläne „natürlich mit eingeflossen sind.“ Grundsätzlich wollen die Behörden aber besser personell auf mögliche Eventualitäten vorbereitet sein. In einem überfüllten Flüchtlingsheim im thüringischen Suhl mündete am Mittwoch ein religiös motivierter Streit in Handgreiflichkeiten. 120 Polizisten sowie Sanitäter und Feuerwehrleute waren im Einsatz, um den Gewaltausbruch, bei dem Eisenstangen, Steine, Betonklötze und Möbel flogen, unter Kontrolle zu bringen. 17 Personen wurden dabei verletzt.

 Neumünster ist als zentraler Standort in Schleswig-Holstein gut gewählt: In kurzer Zeit sind die Erstaufnahmeeinrichtungen in Boostedt (500 Flüchtlinge) und Rendsburg (mittelfristig bis zu 800 Asylsuchende) erreichbar. Für die Landespolizei bleibt der Mehrbedarf an Personal nicht ohne Konsequenzen: „Die Flüchtlingsthematik führt zu einer neuen Schwerpunktsetzung“, sagt Tobies. Das bedeutet: In einigen Bereichen des Polizeialltags müssen Abstriche gemacht werden. „Das, was wir leisten können, das leisten wir. Soweit unabdingbar erforderlich kann es in Einzelfällen zu Einschränkungen bei der Begleitung von Großraum- und Schwertransporten kommen“, kündigt die Behördensprecherin an. Möglich ist auch, dass Schleswig-Holstein fortan keine Einsatzkräfte mehr zur Unterstützung von Großeinsätzen in anderen Bundesländern entsenden wird. „Hinzu kommt, dass in unserer Fortbildungseinrichtung in Eutin 90 Flüchtlinge untergebracht sind, wodurch es erforderlich ist, das Fortbildungsangebot für die Landespolizei zu reduzieren“, sagt Tobies.

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Die Landespolizei stockt auf und verdreifacht die Anzahl von Einsatzkräften in der Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster. 15 anstatt fünf Polizisten pro Schicht – das klingt zunächst nicht gravierend, bekommt aber eine ganz andere Dimension, wenn man bedenkt, dass die Polizei pro Tag drei Schichten stellen muss.

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