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Stefan Heße über die Erfahrung von Ostern

Erzbistum Hamburg Stefan Heße über die Erfahrung von Ostern

Hamburgs Erzbischof Stefan Heße feiert die Osterliturgie gerne am frühen Morgen. Der Ostermorgen ist für ihn so besonders, weil Atmosphäre und Botschaft der Liturgie hier Hand in Hand gehen.

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Stefan Heße, Hamburger Erzbischof und katholischer Flüchtlingsbeauftragter: „Mich macht es sehr traurig, wenn andere sich gar nicht erst die Mühe geben, sich in die Lage der Geflüchteten hineinzuversetzen.“

Quelle: Robert Bröcker

Hamburg/Kiel. Ich feiere gern die Osterliturgie am frühen Morgen. Nicht nur, weil ich überhaupt gerne Gottesdienst feiere – in meinem Beruf wäre es schlecht, wenn dies nicht der Fall wäre! Der Ostermorgen ist für mich so besonders, weil Atmosphäre und Botschaft der Liturgie hier Hand in Hand gehen. Wir feiern die Auferstehung Christi und damit das den Tod überwindende Leben. Das tun wir zu einem Zeitpunkt, da die Nacht Stück für Stück dem Tag weicht. Der allmähliche Übergang vom Dunkel zum Licht spiegelt äußerlich das wider, für was das Osterfest dem Inhalt nach steht: Ein neues Leben beginnt. Eine neue Zeit bricht an.

Nachterfahrungen und Lichterfahrungen sind sich an Ostern sehr nahe. Der Auferstandene trägt seine Wundmale noch an sich. Und den Leugner Petrus schmerzt seine Schwäche vom Karfreitag weiterhin. Ostern macht die Nacht nicht vergessen. Doch mit dem Auferstehungsfest im Rücken, können diese Erfahrungen im rechten Licht betrachtet werden. Die Erfahrung tiefer Nacht begegnet uns seit einigen Monaten sehr oft. Viele der zu uns geflüchteten Menschen bringen solche Erfahrungen mit sich: im Krieg getötete Familienangehörige; Frauen, denen Schlimmes angetan wurde; Kinder, die zu Waisen wurden. Flüchtlinge schleppen diese Erfahrung mit sich herum, mal in einem Smartphone gespeichert, mal ins Herz und in den Körper eingezeichnet. Sie können das Dunkel nicht abschütteln. Nicht alle Flüchtlinge, aber doch viel zu viele sind von einer solchen tiefen Nacht in ihrer Seele geprägt.

Mehr Pragmatik, weniger Parolen

Bei uns hoffen diese Menschen dann auf neue und bessere Erfahrungen. Und ich bin glücklich und dankbar, dass sie diese Erfahrungen auch oft machen können. Denn viele Bürgerinnen und Bürger in unserem Land gehen offen auf die geflüchteten Frauen, Männer und Kinder zu. Sie unterstützen sie beim Ankommen, unterrichten Deutsch, übernehmen Patenschaften, schließen Freundschaften. Mich macht es sehr traurig, wenn andere sich wiederum gar nicht erst die Mühe geben, sich in die Lage der Geflüchteten hineinzuversetzen. Ohne jemals mit einem geflüchteten Menschen gesprochen zu haben, malen sie Untergangsszenarien an die Wand. Ich spreche hier nicht über jene Menschen, die sich berechtigte Sorgen machen angesichts von Anzeichen großer Überforderung in unserem Land.

Ich habe in den vergangenen Monaten viel mit solchen Menschen gesprochen und ihre Briefe beantwortet. Ich spreche hier auch nicht über die notwendigen politischen Schritte, die zur sinnvollen Regulierung der Situation notwendig waren und sind. Hier wünsche ich mir sicherlich mehr Pragmatik und weniger laute Parolen.

Dankbares Staunen für die großen Taten

Ich spreche hier vor allem von den zutiefst menschlichen Gefühlen, die wir empfinden, wenn wir selbst irgendwo in der Fremde von anderen Menschen aufgenommen werden. Wenn durch Gastfreundschaft in die Nacht der eigenen Erfahrungen wieder Licht hereinbrechen darf. Wenn Menschen in unserer Mitte neu anfangen können, neu mit ihrem Leben beginnen können. Ich deute solche schönen menschlichen Erfahrungen auch als eine Frucht des Osterfestes. Die Auferstehung Jesu ist nämlich kein folgenloses Geschehen geblieben. So wie Christus aus der Nacht des Todes hinaus in das Licht des Tages tritt, so strahlt das Osterlicht aus auf die vielen menschlichen Schicksale unserer Tage. So wie Jesus Christus uns Hoffnung macht auf Befreiung aus sündhafter Verstrickung, so sollen wir Botschafter dieser Hoffnung auf Befreiung sein. So feiere ich die Osterliturgie: mit einem dankbaren Staunen für die großen Taten Gottes und mit einer inneren Bereitschaft, persönlich für mehr Licht in unserer Zeit zu sorgen.

Von Erzbischof Stefan Heße

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