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Ewane Makia möchte ein gutes Vorbild sein

Landespolizei Ewane Makia möchte ein gutes Vorbild sein

Als am Sonntag 445 Nachwuchspolizisten in Eutin vereidigt wurden, stach Ewane Makia heraus. Zum einen wegen seiner Hautfarbe: Der 28-Jährige ist der erste Auszubildende in der Landespolizei mit afrikanischen Wurzeln. Zum anderen wegen seiner Leistung: Bei seiner Aufnahmeprüfung in Eutin gehörte er zu den Besten.

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„Wenn man fleißig ist, ist in Deutschland alles möglich“: Polizeianwärter Ewane Makia ist voller Optimismus.

Quelle: Thomas Gründemann/GdP

Eutin. Im August hat Ewane Makia in der Polizeischule die Ausbildung für den mittleren Polizeivollzugsdienst aufgenommen und ist damit einer von 15 Vereidigten mit einem Migrationshintergrund – und einer bemerkenswerten Lebensgeschichte.

 Makia wird 1988 in Kamerun geboren. Seine Mutter stirbt bei der Geburt; er kommt in die Obhut einer Tante. Sein späterer Pflegevater, ein in Lüneburg lebender deutscher Tropenarzt, der in Kamerun arbeitet, adoptiert Ewane Makia 1989 und ermöglicht dem Jungen und seiner Tante ein Leben in Deutschland.

 Der 2010 verstorbene Adoptivvater eröffnet seinem Pflegesohn den Zugang zu Bildung und Kultur, und die Musik wird zur großen Leidenschaft von Ewane Makia. Er spielt klassisches Klavier, besucht mit acht Jahren eine Musikschule mit Gesangsausbildung und belegt Kurse an der Tanz- und Schauspielschule „On Stage“ in Hamburg. Mit zwölf Jahren beginnt er, englische und deutsche Songtexte zu schreiben, schließt sich einer Band an und wird zum Hip-Hop- und Rap-Musiker. „Durch die Musik kann ich meine Erfahrungen emotional verarbeiten“, erklärt der angehende Schutzpolizist.

 Und auch beruflich geht er nach dem erweiterten Realschulabschluss außergewöhnliche Wege: Als selbstständiger Musiker veranstaltet er ab 2010 im Rahmen der Gewaltprävention in Schulen und Jugendeinrichtungen Projekte gegen Mobbing und Perspektivlosigkeit. In einem Obdachlosenheim in Lüneburg arbeitet er zunächst im Nachtdienst, später als Sozialarbeiter im Bereich der Gefahrenabwehr und der ordnungsrechtlichen Unterbringung in Not geratener Menschen.

 Während dieser Zeit in der Obdachlosenunterkunft arbeitet er intensiv mit den örtlichen Ordnungshütern zusammen. „Die vielen Berührungspunkte und das außergewöhnlich gute Miteinander haben in mir den Wunsch reifen lassen, selbst Polizist zu werden“, berichtet der Vater einer dreijährigen Tochter.

 In mehreren Bundesländern bewirbt sich der inzwischen in Lüneburg lebende Makia gleichzeitig für den Polizeidienst – in Eutin wird er angenommen und beginnt seine erste offizielle Berufsausbildung. Trotz der negativen Berichterstattung über Vorfälle von Rassismus und Sexismus an der Polizeischule Eutin seien bei ihm nie Zweifel an seiner Entscheidung aufgekommen. „Ich habe mich mit diesen Schlagzeilen nicht zu sehr beschäftigt, da ich stets meine eigenen Erfahrungen im Leben machen möchte“, berichtet der selbstbewusste Polizeiobermeisteranwärter.

 Seine Erwartungen seien nach den ersten sechs Wochen seiner Ausbildung mehr als erfüllt. „Es gefällt mir sehr gut hier.“ Der junge Polizist will die Ausbildung erfolgreich absolvieren und ein gutes Vorbild sein. „Aber ich möchte den Menschen in unserem Land und in der Welt auch zeigen, dass in Deutschland alles möglich ist, wenn man fleißig ist und positive Ambitionen hat, unabhängig von Hautfarbe oder Bildung“, sagt Ewane Makia.

Von Thomas Gründemann

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