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Zum Tod von Hans Heinrich Driftmann Starke Stimme für die Wirtschaft

Hans Heinrich Driftmann ist tot: Der schleswig-holsteinische Unternehmer und Ex-DIHK-Präsident ist im Alter von 68 Jahren nach einer schweren Krankheit gestorben.

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Der ehemalige DIHK Präsident Hans Heinrich Driftmann ist tot.

Quelle: Michael Kappeler/dpa

Kiel. Immer wieder knöpfte er sich die Politik vor, kritisierte mit markigen Worten alles, was ihn stört: Konzeptlosigkeit, fehlende Visionen, Kirchturmdenken, bürokratisches Klein-Klein. Doch der Nordstaat, den er immer wieder forderte, den gibt es bis heute nicht. Hans Heinrich Driftmann, langjähriger Chef der Kölln-Werke in Elmshorn und einflussreicher Wirtschaftsfunktionär in Land und Bund, nahm nie ein Blatt vor den Mund. Am Dienstag ist er im Alter von 68 Jahren an den Folgen einer schweren Krankheit gestorben. Parteiübergreifend reagierten Politiker mit Trauer und Betroffenheit.

Vor allem wirkte er im Norden, doch als Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) von 2009 bis 2013 und als Präsidiumsmitglied der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) war Driftmann über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus bekannt.

Gebürtiger Niedersachse kam nach Schleswig-Holstein

Vor fast 30 Jahren war der gebürtige Niedersachse als Nachfolger seines Schwiegervaters Ernsthermann Kölln an die Spitze des Unternehmens berufen worden. Dessen Tochter Gesche hatte Driftmann 1970 geheiratet. Aufgrund seiner Erkrankung hatte der Vater von vier Töchtern im vergangenen Jahr die Geschäftsführung der Kölln-Werke an den früheren CDU-Politiker Christian von Boetticher abgegeben. Im Norden hatte sich Driftmann einen Ruf als kantiger Familienunternehmer erworben. Er galt als sozialer Unternehmenspatriarch mit einem offenen Ohr für seine Mitarbeiter. Mehr als die Hälfte der Deutschen kennen Kölln-Produkte, vor allem Haferflocken und Müsli. Das Unternehmen, vor über 200 Jahren als Lieferant von Hafergrütze und Schiffszwieback für Walfänger gegründet, erreichte nach dem Zukauf von Mazola rund 125 Millionen Euro Umsatz.

Die Firma führte Driftmann vormittags, am Nachmittag widmete er sich seinen Ehrenämtern. Und davon gab es reichlich. Zeitweise leitete er die IHK Kiel und die Unternehmensverbände Nord (UVNord), saß im Aufsichtsrat der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein und war Honorarkonsul der Republik Venezuela. Er engagierte sich in Wirtschaftsgremien, Beiräten und Aufsichtsräten ebenso wie bei der Johanniter-Unfallhilfe und dem Deutschen Feuerwehrverband.

Er konnte austeilen, aber galt als fair

Driftmann hatte sich nie gescheut, seine Kritik an politischen Manövern in klaren Worten zu formulieren. So nannte er Entscheidungen zur Erbschaftssteuer „völlig lebensfremd“ und warf Kanzlerin Angela Merkel „fehlenden Mut“ vor. Doch er konnte nicht nur hart austeilen, sondern galt stets als ausgesprochen fair: „Ich habe ihn immer als verlässlichen Partner geschätzt“, sagte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD).

Driftmann begann seine Karriere mit einem Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und promovierte in Psychologie. Später ging er zur Luftwaffe, war danach Referent im Verteidigungsministerium und Dozent an der Hamburger Bundeswehr-Führungsakademie. Driftmann forderte von Managern und Unternehmenslenkern Haltung und Moral und erinnerte gern daran, dass Führungsleistung auch von Glaubwürdigkeit abhängt. Die hatte er nie verloren.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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