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Eine Gruppe, ein Raum und eine Stunde Zeit

Exit Games Eine Gruppe, ein Raum und eine Stunde Zeit

Krimis, wohin das Auge reicht: im TV, auf den Bestseller-Listen und jetzt auch zum Selberspielen. Beim neuesten Trend, den „Exit Games“ werden Menschen eingesperrt, um ein Rätsel zu lösen — und die Uhr tickt. Das Spiel wird immer beliebter. Warum eigentlich?

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Bei "Live Escape Games" müssen sich Spieler unter Zeitdruck aus einer Abenteuerwelt befreien.

Quelle: Jörg Carstensen/dpa

Hamburg. Das Urteil: Knast, lebenslänglich. Flucht? Eine Option. 60 Minuten Zeit, um dem Leben hinter Gittern zu entkommen. Mirko Oberhof (29) und Yannic Zotzmann (24) wollen es probieren. Klar ist: Das wird kein Spaziergang — Kopfarbeit, nicht Muskelkraft ist gefragt. Oberhof und Zotzmann sind gefangen im „Big Break Hamburg“.

Das „Big Break“ gehört zu einem Trend, der seit einem guten Jahr ganz Deutschland erfasst hat. Jede Großstadt hat mittlerweile sogenannte „Escape Games“, auch „Exit Games“ oder „Room Escapes“ genannt. Das Prinzip ist einfach: eine Gruppe, ein Raum, ein Rätsel und eine Stunde Zeit.

Mal müssen Hinweise auf den Verbleib einer Entführten gefunden, mal eine Bombe entschärft und mal — wie im „Big Break“, das Anfang Juni eröffnet hat — muss ein Gefängnisausbruch durchgezogen werden. Ein Spielleiter überwacht den Raum per Kamera und hilft gegebenenfalls mit Tipps. In Köln gibt es laut Homepage des Anbieters „Quexit“ sechs, in München acht und in Berlin sogar schon zwölf „Room Escapes“. In Hamburg sind es sieben, deutschlandweit sollen es 74 sein — auch in kleineren Städten wie Flensburg, Würzburg oder Freiburg kann gerätselt werden.

Aber warum sind diese „Exit Games“ so beliebt? Sind die Menschen beim Blick aufs TV-Programm und die Bestseller-Listen nicht längst krimi-gesättigt? Selbst bei Stadtführungen fehlt der Bezug aufs Kriminalistische nicht mehr. „Die Ungewissheit reizt enorm“, glaubt Philip Kirchhof (27), der das „Big Break“ mit seiner Freundin Caroline Murawski (28) führt. Adrenalin und Zeitdruck kämen hinzu. Und das Erlebnis in der Gruppe. Viele Unternehmen nutzen die „Escape Rooms“ als teambildende Maßnahme. Wer das Rätsel lösen will, muss kommunizieren. Hinweise finden, zusammentragen und kombinieren. Jedes Detail kann entscheidend sein — und viele Details in Kombination ergeben die Lösung.

Auch wichtig: Der Abstand vom digitalen Alltag, darauf legen alle Anbieter Wert. „Wir hängen ständig an Rechner und Smartphone. In dieser Stunde wird alles Digitale zur Seite gelegt“, sagt Christopher Mensah-Bonsu (31) vom Hamburger „Team Escape“. Das Unternehmen läuft bereits im Franchise-Betrieb und hat sechs deutsche Standorte — nebst einem in Oslo. Eine Art digitaler Alltagsflucht, also, das Rätselraten.

Dabei kommen die „Exit Games“ ironischerweise selbst aus der Pixelwelt, Vorbild sind Computer-Actionspiele wie „Monkey Island“ oder „Day of the Tentacel“ aus den 90ern. „Das erste „Live Escape Game“ wurde 2006 von Programmierern im Silicon Valley gebaut. Einer der Programmierer war ein Ungar, der das ganze dann nach Budapest gebracht hat“, sagt Alexander Kretzschmar von „Quexit“. Heute gilt Budapest als Hotspot der Szene mit mehreren Dutzend „Room Escapes“.

„Die ganze Welt ist voll von Krimis“, sagt Nils Zurawski. Der 47-jährige Soziologe und Wissenschaftliche Mitarbeiter des Instituts für kriminologische Sozialforschung an der Uni Hamburg nennt weitere Gründe für die Popularität der Krimi-Spiele — und des Krimis im Allgemeinen. Es geht darum, Ordnung in eine chaotische Welt zu bringen. „Krimis haben immer eine Lösung, jede Verschwörung wird aufgelöst — alles andere macht den Zuschauer wuschig.“

Der Verzicht aufs Digitale und die Aufmachung der „Escape Rooms“ kämen hinzu, sagt Zurawski. Viele Räume sähen nach einer Zeit zwischen Sherlock Holmes und Edgar Wallace aus — eine andere, vielleicht übersichtlichere Zeit? Zurawski: „Das passt zur Idee der Entschleunigung, die ohnehin beliebt ist.“ Das gemeinsame Erlebnis erzeuge zudem ein Gruppengefühl, das vielen Menschen in einer Zeit ohne tradierte Feste — Maibaum oder Erntedank zum Beispiel — fehle. „Gleichzeitig sind die „Escape Rooms“ auch ein Teil der Konsumkultur, eine Art Lifestyle“, sagt Zurawski.

Oberhof und Zotzmann, die das „Big Break“ für ihre Online-Portal „Cool Places“ testen, gelingt die Flucht — aber knapp wird es doch. Schweiß steht auf ihrer Stirn. „Das ist wie im Kino — nur dass man selbst mitspielt“, sagt Oberhof. „Egal, wie cool man ist: Das zieht dich in einen Tunnel und du wirst total gepackt.“

Hier finden Sie eine Übersicht von Exit-Rooms in ganz Deutschland:

http://www.live-escape-games.de/category/live-exit-the-room-games-in-deutschland

https://www.escape-game.org/

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