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Handyverbot für Kapitäne

Fährschiffe auf dem Nord-Ostsee-Kanal Handyverbot für Kapitäne

Für die Fährschiffe auf dem Nord-Ostsee-Kanal gilt eine neue Sicherheitsvorschrift: Fortan dürfen die Kapitäne während der Überfahrt keine Handys in der Hand halten.

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Volle Konzentration: Während der Fahrt darf Fährkapitän Christoph Literski aus Sicherheitsgründen kein Handy benutzen.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Diese Regelung legte das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Kiel-Holtenau explizit in einer Dienstanweisung fest, wie Sprecher Matthias Visser am Dienstag mitteilte. Auslöser für diese Klarstellung sei das Zugunglück im bayerischen Bad Aibling mit mehreren Toten gewesen. Mit der Dienstanweisung solle bei den Schiffsführern das Bewusstsein geschärft werden, welche Folgen eine vorübergehende Unachtsamkeit haben könnte.

 Bei dem Bad Aiblinger Zugunglück waren am 9. Februar dieses Jahres zwei Regionalzüge frontal aufeinander geprallt. Zwölf Menschen kamen ums Leben. Nach bisherigen Ermittlungen war ein 39-jähriger Fahrdienstleiter abgelenkt, weil er auf seinem Handy ein Online-Computerspiel gespielt und den Zügen falsche Signale gegeben hatte.

 Spekulationen, dass es in der Vergangenheit auch an Bord der Fähren im Nord-Ostsee-Kanal zu einer ausufernden Handynutzung gekommen sein könnte, wies das WSA entschieden zurück: „Es gab null Anlass in dieser Hinsicht“, stellte Visser klar. „Wir haben nichts unterbunden, was stattgefunden hat.“ Die neue Dienstanweisung sei als reine Vorsichtsmaßnahme zu verstehen. Mit ihr ist nun – analog zur Straßenverkehrsordnung – geregelt, dass die Kapitäne während der Fahrt weder ein dienstliches noch ein privates Handy in die Hand nehmen dürfen. Neben dem Ab- und Anlegen erfordere die zweiminütige Querfahrt über den Kanal eine aufmerksame Steuertätigkeit, was eine parallele Nutzung des Smartphones ausschließe. Während der Liegezeit sei das Telefonieren aber erlaubt, so der Sprecher.

 Die Anweisung betrifft die Kapitäne von 14 Fähren an zwölf Anlegestellen. Auf die übrige Schifffahrt ist sie nicht übertragbar. Zwar kann dafür vom Bund theoretisch die Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung geändert werden, doch dazu bestehe praktisch „keinerlei Notwendigkeit“, heißt es seitens des WSA. Im Unterschied zum Fährbetrieb seien die Brücken auf den Containerschiffen mit mehr als einer Person besetzt. Zudem würden in diesem Bereich Unwetterwarnungen oder nautische Systeme mit Hilfe von dienstlichen Smartphones oder Tablet-Computern abgerufen und gesteuert, was ein Handyverbot an Bord unsinnig mache.

 Der Einsatz der Technik sei außerhalb der Fährschifffahrt durchaus wichtig, sagte der Geschäftsführer der Lotsenbrüderschaft im NOK, Markus Böhm. Generell wolle man sich der Diskussion um den Sinn eines Handyverbots nicht verschließen. So sei ein spärlicher Einsatz bei Nebel sicherlich ratsam. „Aber letztendlich bleibt es im Verantwortungsbereich jedes Einzelnen, dafür zu sorgen, dass nichts passiert“, so der Kapitän. Zugleich wies er daraufhin, dass im Unterschied zum Bahnverkehr die Unglücksgefahr in der Schifffahrt wegen der geringeren Geschwindigkeiten auch viel niedriger sei.

 Die Fährkapitäne nehmen die Dienstanweisung unterdessen gelassen hin. Nach Auskunft von WSA-Sprecher Visser gab es bislang keine Beschwerden. Die Aussicht auf Erfolg wäre ohnehin gering. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi teilte auf Anfrage mit: „Grundsätzlich ist es so, dass während der Arbeitszeit das Telefonieren mit dem privaten Handy untersagt werden kann.“ Die Deutsche Bahn hatte dies übrigens in ihrem Regelwerk bereits schon vor dem Unglück von Bad Aibling getan.

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Ein Artikel von
Jens Kiffmeier
Wirtschaftsredaktion

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