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Flugvorführung statt Zirkus-Show

Falknerei in Wildpark Eekholt Flugvorführung statt Zirkus-Show

Eine Flugvorführung von Greifvögeln im Wildpark Eekholt ist keine Zirkus-Show mit Kunststücken. Die Vögel machen nur, was sie auch in der freien Natur machen: Jagdflüge.

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Harris-Hawk "Jamie" fliegt im Wildpark Eekholt bei Großenaspe während einer Flugvorführung über die Zuschauer.

Quelle: dpa

Eekholt. Für viele Menschen ist es ein wunderbares Erlebnis, bei einer Flug-Show im Wildpark Eekholt einen imposanten Adler mit rauschenden Schwingen in Augenhöhe nur wenige Meter entfernt fliegen zu sehen — oder das lautlose Gleiten einer großen Eule beobachten zu dürfen. Manche Tierschützer dagegen kritisieren solche Vorführungen, denn nach der Show müssen die Tiere zurück in ihre Käfige. Es sei eine „Gefangenschaft“, monieren sie — und daher nur schwer verständlich, wenn ein Vogel nach geglückter Flucht Monate später freiwillig zurückkehrt.

„Ich frag mich auch jedes Mal, warum die Vögel freiwillig wiederkommen“, sagt Falkner Axel Imdahl mit einem Augenzwinkern. Um dann die ernsthafte Antwort zu geben: „Sie haben gelernt, dass sie jedes Mal, wenn sie zu dem Lederhandschuh kommen beziehungsweise zu dem Falkner, der dahinter steht, „Beute“ machen.“

Die Falknerei im Wildpark Eekholt (Kreis Segeberg) hat eine lange Tradition. Derzeit sind es 17 Vögel, die Imdahl und seine Kollegin Kristin Höpner den Gästen präsentieren — unter anderem Seeadler, Mäusebussard, Turmfalke, Schleiereule, Bartkauz und Uhu. Am Sonntag wird 30-jähriges Jubiläum gefeiert.

Die Flugvorführung der Greifvögel ist keine Zirkus-Show mit Kunststücken. „Die Vögel machen nur, was sie auch in der freien Natur machen: Jagdflüge“, erklärt der 57-Jährige. Der Unterschied jedoch: „Hier ist so gut wie jeder Beuteflug erfolgreich.“ Das sei in der freien Natur nicht der Fall. „Bei den großen Falken zum Beispiel sind von 100 Jagdflügen nur fünf bis acht erfolgreich. Es lohnt sich, zu dem Lederhandschuh zu kommen.“ Dabei differenziere der Vogel nicht, dass er nur einen kleinen Belohnungsbrocken statt einer magenfüllenden Ration bekommt. „Es hat auch nichts mit Hunger zu tun.“

Und wo bleibt die „grenzenlose Freiheit“ des Fliegens? Vermisst der Vogel nicht dieses Gefühl? Imdahl schüttelt energisch den Kopf: „Fliegen ist für den Vogel keine Leidenschaft, sondern Überleben.“ Jeder Flug habe einen bestimmten Sinn und Zweck. Bei jungen Vögeln sei es zum Beispiel Training, um ein geschickter Flieger zu werden. Später gingen die Vögel in die Luft, um Beute zu machen und satt zu werden — oder etwa um Nahrung heranzuschaffen für den brütenden Partner oder den Nachwuchs. „Jeder Flug kostet Energie, und diese Energie muss der Natur entnommen werden“, sagt Imdahl.

„Sie sind Energiesparer, die sich nur bewegen, wenn es nötig ist“, ergänzt Falknerin Kristin Höpner. „Sie kommen nie auf die Idee, zum Spaß eine Stunde lang über einem See zu kreisen, denn sie wissen nicht, wann sie wieder zu fressen bekommen.“ Das sei vergleichbar mit einem Menschen, der in der Wüste auch nicht auf die Idee komme, aus Spaß einen Jogging-Marathon hinzulegen, ohne Wasser dabei zu haben, erklärt die 29-Jährige.

Und so beantwortet sich auch die Frage, warum ein Falke nach geglückter „Flucht“ zurückkehrte: Er hatte sich verflogen, fand den Weg nicht mehr zurück. „Er stieg wunderschön in die Höhe, bis er nur noch ein Punkt am Himmel war“, erinnert sich Falkner Axel Imdahl. „Als ich ihn wie geplant zum Handschuh zurückholen wollte, war er ganz verschwunden.“ Drei Monate später habe ihn ein Kollege aus dem südspanischen Málaga angerufen: „Der Falke war plötzlich in seiner Flug-Show aufgetaucht und machte dort mit.“

www.wildpark-eekholt.de

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