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Die Hoffnung auf neue Antworten

Fall Jenny Böken Die Hoffnung auf neue Antworten

Offiziersanwärterin Jenny Böken verunglückte 2008 tödlich auf der "Gorch Fock". In Münster beginnt am Mittwoch um 10.15 Uhr die Anhörung in einem Berufungsverfahren, mit dem Jenny Bökens Eltern 20000 Euro Entschädigung von der Bundeswehr nach dem Soldatenversorgungsgesetz erstreiten wollen.

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Vom Bug der „Gorch Fock“ stürzte 2008 die Offiziersanwärterin Jenny Böken in die Nordsee. Die Eltern fordern seither einen Prozess zur Aufklärung.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Münster. Was geschah in der Nacht vom 3. auf den 4. September 2008 auf dem Vorschiff der „Gorch Fock“? Kurz vor Mitternacht stürzte die auf dem Segelschulschiff als Ausguck eingesetzte Offiziersanwärterin Jenny Böken nördlich von Norderney über Bord. Ihre Leiche wurde rund zwei Wochen später in der Nordsee geborgen. Die genauen Umstände sind bis heute ungeklärt, da die 18-Jährige allein auf dem Vorschiff war.

 Die Eltern und ihr Anwalt Rainer Dietz erheben schwere Vorwürfe gegen Teile der Besatzung, ihre Tochter sei krank und nicht dienstfähig gewesen. Die Eltern kämpfen seither mit allen juristischen Mitteln für die Aufklärung der Umstände und eine Anklage des Kommandanten und des Schiffsarztes – bislang ohne Aussicht auf Erfolg. Nun fühlen sie sich nach den Worten ihres Anwalts erstmals am Ziel. „Jetzt besteht die Chance zu einer Befragung“, sagt Anwalt Dietz.

 Im Saal 1 des Oberverwaltungsgerichts in Münster beginnt am Mittwoch um 10.15 Uhr die Anhörung in einem Berufungsverfahren, mit dem Jenny Bökens Eltern 20000 Euro Entschädigung von der Bundeswehr nach dem Soldatenversorgungsgesetz erstreiten wollen. „Es geht ihnen nicht ums Geld, sie wollen endlich Aufklärung. Deshalb haben wir die Hoffnung, dass die Zeugen der Marine sich auch wahrheitsgemäß erinnern und nicht nur schweigen“, sagt Dietz. Auch Juristen des Verteidigungsministeriums sind dabei. Kommandant und Schiffsarzt sind als Zeugen von dem Gericht geladen.

 Das öffentliche Interesse ist riesengroß. „Es haben sich allein neun Fernsehteams angemeldet“, sagt Richter Ulrich Lau, Sprecher des Oberverwaltungsgerichts. Ein Verfahren mit ähnlichem Medieninteresse liegt beim OVG Münster über zwölf Jahre zurück. 2004 gab es dort die Berufungsverhandlungen gegen die Abschiebung des als „Kalif von Köln“ bekannten Metin Kaplan in die Türkei.

 Im Berufungsverfahren im Fall Jenny Böken muss das Gericht klären, ob der Dienst auf dem Vorschiff der „Gorch Fock“ in jener Nacht besonders lebensgefährlich war. Nur dann hätten die Eltern Anspruch auf Entschädigung. Das Verwaltungsgericht Aachen hatte in erster Instanz diese Klage abgewiesen. Die Richter befanden damals nach einer Besichtigung des Schiffes, dass der Dienst auf dem Vorschiff nicht besonders lebensgefährlich sei. Damals hatten die Eltern noch 40000 Euro gefordert.

 „Es gibt aus unserer Sicht so viele Ungereimtheiten. Wir haben deshalb die Hoffnung, dass bei der Befragung der Zeugen so viele Widersprüche auftauchen, dass sich die Staatsanwaltschaft doch noch einmal für diesen Fall interessiert“, sagt Dietz. Eine Untersuchung der Leiche in der Kieler Rechtsmedizin hatte keine Hinweise auf ein Fremdverschulden ergeben. Aufgrund ihres Zustands sei am „ehesten von einem Ertrinkungstod auszugehen“, heißt es im Protokoll. Mit ihrem Versuch, ein Strafverfahren gegen den Kommandanten und den Schiffsarzt zu erzwingen, scheiterten die Eltern bei Staatsanwaltschaft Kiel, Generalstaatsanwalt, Oberlandesgericht Schleswig und auch beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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Acht Jahre nach dem Tod der Bundeswehr-Kadettin Jenny Böken auf dem Segelschulschiff „Gorch Fock“ hat in Münster die Berufungsverhandlung in dem Fall begonnen. Zum Auftakt des Verfahrens vor dem Oberverwaltungsgericht warnte der Vorsitzende Richter am Mittwoch aber vor zu hohen Erwartungen.

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