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Baby zu verkaufen

Fall in Rendsburg Baby zu verkaufen

Der Fall lässt jeden erschrecken: Eine 24-Jährige soll für 30.000 Euro ihr ungeborenes Kind angeboten haben. Ein TV-Team deckt die Geschichte auf und wirft ein Schlaglicht auf den illegalen Baby-Markt. Der kennt kaum Grenzen.

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Szene aus der Sat.1-Sendung „Akte 2016“: In Rendsburg trafen sich die Schwangere und die Reporter zum Gespräch. Ein Ultraschallbild zeigt das Ungeborene.

Quelle: Sat1

Kiel/Berlin. Der Fall der 24-Jährigen, die offenbar ihr ungeborenes Kind verkaufen wollte, rückt auch das Adoptionsrecht in den Fokus. Es ist extrem komplex: Sowohl die Freigabe zur Adoption als auch die Annahme eines Kindes sind langwierige und hürdenreiche Prozesse. Das dient dem Schutz der Kinder. Es motiviert aber offenbar auch immer mehr Bürger, dem Beispiel Prominenter zu folgen und sich privat Kinder aus dem Ausland vermitteln zu lassen.

 In Deutschland müssen beide leiblichen Eltern in eine Adoption einwilligen – frühestens, wenn das Baby acht Wochen alt ist. In Ausnahmefällen kann das Vormundschaftsgericht die Einwilligung ersetzen, etwa, wenn der Aufenthaltsort des Vaters unbekannt ist. Und: Auch das Kind muss einwilligen. Für Kinder unter 14 Jahren übernimmt das der gesetzliche Vertreter. Vor jeder Adoption gibt es eine angemessene Pflegezeit.

 Wer ein Kind adoptieren möchte, gleichgültig ob im In- oder Ausland, muss unbeschränkt geschäftsfähig und mindestens 25 Jahre alt sein. Das deutsche Recht kennt zwar kein Höchstalter, in der Regel soll der Altersunterschied zwischen den Adoptiveltern und dem Kind aber nicht mehr als 40 Jahre betragen.

 Weil die Bewerber aber häufig älter sind oder sich auf ein Baby fokussiert haben, gehen immer mehr im Ausland auf die Suche. Dabei wird unterschieden: Kinder aus Staaten, die wie Deutschland das Haager Adoptionsübereinkommen unterzeichnet haben, dürfen nur über die staatlich anerkannten Adoptionsstellen adoptiert werden. So soll Missbrauch wie Erpressung, Kinderhandel und Korruption verhindert werden.

Warnung vor "Fachleuten"

 Bei allen anderen Staaten ist die Einschaltung einer deutschen Vermittlungsstelle nicht vorgeschrieben. Wer aber auf den offiziellen Segen verzichtet, geht laut Bundeszentralstelle für Auslandsadoption erhebliche Risiken ein – von Problemen bei der Einreise, mit hiesigen Behörden bis hin zu Gefängnisstrafen im Ausland. Vor allem wird gewarnt, wenn sogenannte Fachleute schnelle Hilfe gegen erhebliche Geldzahlungen und unter Umgehung der offiziellen Adoptionsvermittlung versprechen.

 Nicht erst seit das Schauspielerpaar Angelina Jolie und Brad Pitt Kinder adoptiert hat, gibt es massive Kritik an Auslandsadoptionen. Für Terre des Hommes erhöhen vor allem Privatadoptionen das Risiko für Kinderhandel. Wissenschaftler der Universität Liverpool haben den Madonna-Effekt nachgewiesen: Nach der Annahme eines ausländischen Kindes durch Madonna brachten Eltern in armen Ländern ihre Kinder vermehrt in Waisenhäuser – in der Hoffnung, ihnen durch eine Adoption ein besseres Leben zu ermöglichen. In den Waisenhäusern von 25 Staaten lebten danach 96 Prozent Kinder, die gar keine Waisen waren. Laut Terre des Hommes ist die Verlockung in armen Ländern groß, Kinder mit gefälschten Papieren adoptionsfähig zu machen: Mit der Kindervermittlung lässt sich viel Geld verdienen.

 Allerdings fallen auch bei Adoptionen durch offizielle Stellen Kosten an, etwa für Beglaubigungen, Führungszeugnisse und Notare. Bei Auslandsadoptionen kommen eine Gebühr von 800 Euro hinzu, zudem Kosten für Übersetzungen, Reisen. 20000 Euro sind nicht ungewöhnlich.

 Wie viele Eltern privat adoptieren, ist unbekannt. Klar ist: Die Zahl der offiziellen Adoptionen aus dem Ausland ist in Deutschland von über 700 auf 300 zurückgegangen. Terre des Hommes fordert ein Verbot von Privatadoptionen. Beim Bundesverband für Adoptiv- und Pflegefamilien hält die Sprecherin es für einen Irrglauben, Kinder retten zu können, indem man sie aus ihrer Kultur reißt: „Der kulturelle Wechsel ist sehr anstrengend, oft traumatisierend. Wir befürworten daher eher, Kindern in ihrer Heimat zu helfen. Das heißt nicht, dass wir Auslandsadoptionen verdammen, aber wir geben das zu bedenken."

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Schwere Anschuldigungen gegen eine Zeitsoldatin der Bundeswehr: Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt gegen eine 24-Jährige wegen versuchten Kinderhandels. Die Frau soll in einem Internetforum ihr ungeborenes Kind für 30000 Euro zum Kauf angeboten haben.

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