18 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Dänischer Minister stellt Belt-Tunnel in Frage

Fehmarn Dänischer Minister stellt Belt-Tunnel in Frage

Neue Verunsicherung um das größte Verkehrsprojekt in Nordeuropa: Der im Juni angetretene neue dänische Finanzminister Claus Hjort Frederiksen (Venstre/Liberale Partei) hat nach einem Kassensturz nicht nur den Zeitplan für den geplanten Fehmarnbelt-Tunnel in Frage gestellt – sondern gleich das gesamte Projekt.

Voriger Artikel
Flüchtlingsbaby bei Rettungsaktion geboren
Nächster Artikel
Vattenfall will Reaktor Krümmel abreißen

„Wir werden harte und schwierige Entscheidungen treffen und einige Projekte stoppen - auch solche, die bereits in Gang gesetzt wurden“, sagte Claus Hjort Frederiksen der dänischen Zeitung Børsen.

Quelle: heb@Wikimedia Commons

Kopenhagen/Kiel. „Wir werden harte und schwierige Entscheidungen treffen und einige Projekte stoppen - auch solche, die bereits in Gang gesetzt wurden“, sagte er der dänischen Zeitung Børsen. „Und wir werden natürlich keine neuen Bauprojekte beginnen.“ Den Belt-Tunnel, dessen Gesamtkosten zuletzt auf rund zehn Milliarden Euro geklettert waren, schloss er davon explizit nicht aus. Schon jetzt lägen die Ausgaben für öffentliche Bauinvestitionen weit höher als bisher angenommen.

Erst vor anderthalb Wochen hatte der dänische Verkehrsminister Hans Christian Schmidt über die Presse eine Abkehr vom ambitionierten Zeitplan angekündigt. Kopenhagen begründete dies mit der fehlenden Planungssicherheit auf deutscher Seite. Bei einem Treffen mit seinem schleswig-holsteinischen Amtskollegen Reinhard Meyer (SPD) am vergangenen Donnerstag wurde klar, dass ein Planfeststellungsbeschluss hierzulande frühestens Mitte 2017 vorliegen wird. Nach zu erwartenden Klagen von Projektgegnern gilt ein Baubeginn nicht vor 2019 als realistisch. Fertig würde der Tunnel demnach zwischen 2025 und 2027. Ursprünglich war dies für 2021 geplant.

Meyer zweifelt trotz der neuerlichen Querschüsse aus Kopenhagen nicht daran, dass Dänemark den Tunnel weiterhin will: „Entscheidend ist nicht, ob das Vorhaben später kommt als geplant, sondern dass das Projekt von beiden Seiten politisch gewollt ist und weiterhin vorangetrieben wird“, erklärte er am Dienstag. Schmidt hätte ihm in der vergangenen Woche genau das nochmals zugesichert.

Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Andreas Tietze, hingegen glaubt, dass die dänische Zustimmung zum Mammutprojekt aufgrund steigender Kosten langsam wegbricht. „Es ergibt keinen Sinn, jetzt Geld in die Hand zu nehmen und Planungskapazitäten für das Projekt zu blockieren“, mahnte er, „wenn nicht klar ist, dass die Dänen den Tunnel wirklich bauen wollen.“

Der dänische Industrieverband Dansk Industri (DI) machte unterdessen klar, dass er „mit einer geringfügigen Verzögerung“ leben könne, nicht aber mit vollständigen Verzicht. Bisher scheinen auch die anderen Parteien im Königreich weiterhin zum Belt-Projekt zu stehen: So wertete etwa der verkehrspolitische Sprecher der Sozialdemokraten im Folketing, Rasmus Prehn, den Vorstoß des Finanzministers als Versuch, von den Baufirmen niedrigere Preise angeboten zu bekommen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Das THW-Magazin

Erfahren Sie mehr!
Einblicke hinter die
Kulissen des THW-Kiel

KN-KSV-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele von Holstein Kiel im KN-KSV-Liveticker.

Anzeige
ANZEIGE
Mehr zum Artikel
Ministerbekenntnis
Foto: Nachdem die Fertigstellung des Tunnels zwischen Fehmarn und der dänischen Insel Lolland lange für 2021 vorgesehen war, wurde zuletzt 2024 angepeilt.

Der dänische Finanzminister Claus Hjort Frederiksen (Venstre/Liberale Partei) rudert zurück: Nach seinen kritischen Anmerkungen zur Finanzierbarkeit des geplanten Fehmarnbelt-Tunnels in der Zeitung Børsen hat er jetzt über die Nachrichtenagentur Ritzau ein grundsätzliches Bekenntnis zum Bauvorhaben hinterher geschoben.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3