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Gast aus der Mammut-Steppe

Fehmarn Gast aus der Mammut-Steppe

Schleswig-Holstein ist um einen naturhistorischen Schatz beträchtlichen Alters reicher: Das zwischen 30000 und 50000 Jahre alte Skelett eine Wollhaarmammuts wird in ein paar Wochen im Museum Galileo Wissenswelt auf der Insel Fehmarn zu bestaunen sein.

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Dieser Eiszeitriese, der bisher in den Niederlanden stand, wird der neue Star im Fehmarner Museum Galileo Wissenswelt: ein nahezu vollständiges Wollhaarmammut-Skelett.

Quelle: Galileum

Fehmarn. „Laut meiner Recherchen gibt es landesweit keine andere Sammlung mit einem solchen so gut wie vollständigen Mammutskelett“, erklärte der wissenschaftliche Leiter des Fehmarner Privatmuseums, Christian Nyhuis.

 Der Geologe und Paläontologe staunte am vergangenen Wochenende nicht schlecht über eine Entdeckung. Ein niederländisches Auktionshaus bot in einer Online-Versteigerung ein Objekt von einer im wörtlichen Sinn herausragenden Bedeutung an: ein 3,20 Meter hohes und 5,50 Meter langes Mammutskelett. Am Sonntag war es dann so weit, Nyhuis erhielt bei der Auktion den Zuschlag. Wie viel Geld die Trägergesellschaft des Fehmarner Privatmuseums dem Verkäufer aus Holland (ebenfalls ein naturkundliches Museum) zahlen muss, will Nyhuis nicht sagen: „Es war jedenfalls nicht gerade wenig, weitere Ankäufe sind uns damit erst einmal nicht möglich.“

 Nach Nyhuis’ Einschätzung handelt es bei dem aus 270 Knochen bestehenden und mit Hilfe einer Stahlkonstruktion zusammengehaltenen Mammutskelett um ein „außergewöhnliches, wunderschönes, großes und vollständiges Exemplar.“ Nur weniger als zehn Prozent des Skeletts hätten durch Kunststoff-Nachbildungen ersetzt werden müssen.

 Allerdings stammen die knöchernen Einzelteile nicht nur von einem, sondern von schätzungsweise zehn Wollhaarmammuts. Die stark behaarten Rüsseltiere lebten ab etwa 600000 vor Christus (die letzten starben erst vor rund 4000 Jahren in Nordsibirien) zeitweise auch im Gebiet der heutigen Nordsee. In der letzten Eiszeit war das heutige Meer zwischen den Niederlanden und England aufgrund des damals etwa 150 Meter tiefer liegenden Meeresspiegels eine Art „Mammut-Steppe“, in der auch Hirsche, Nashörner, Rentiere, Pferde und sogar Löwen lebten. „Deshalb wird die Nordsee auch als größter Mammut-Friedhof der Welt bezeichnet“, erklärt Nyhuis. Bis heute verfangen sich daher in Schleppnetzen der Fischer Fossilien vom Meeresgrund. Dabei aber ein komplettes Mammutskelett zu finden, sei fast unmöglich. Trotzdem bilde die korrekte Zusammensetzung der aufwändig konservierten Knochen von verschiedenen Tieren eine echte Mammutaufgabe.

 Etwa zehn Jahre habe es gedauert, bis alle Knochenteile geborgen, sortiert, entsalzt, mit Schutzschichten versehen und anatomisch korrekt zu einem „neuen“ Skelett zusammengesetzt worden waren. Die Kollegen aus den Niederlanden haben bei der Rekonstruktion offenbar gute Vorarbeit geleistet: Das Mammut ist nach Einschätzung des Fehmarner Paläontologen nicht nur korrekt zusammengesetzt, sondern mit Hilfe der Stahlkonstruktion auch in einer gehenden Position dargestellt. Dadurch wirke es für den Betrachter dynamischer.

 Bis die ersten Besucher den spektakulären Neuzugang im Fehmarner Museum bestaunen können, werden aber noch einige Wochen vergehen. Denn der in Kisten verpackte Knochenschatz muss nach seiner Ankunft auf der Insel von Spezialisten aus den Niederlanden erst in mühevoller Kleinarbeit wieder zusammengesetzt werden.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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