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Festnahme wie im Lehrbuch

Polizeianwärter Festnahme wie im Lehrbuch

Die Zahl der schleswig-holsteinischen Polizeibeamten soll in den kommenden beiden Jahren deutlich erhöht werden. „Im August 2016 und 2017 wollen wir 400 Anwärter einstellen“, erklärte Innenminister Stefan Studt (SPD) am Montag im Rahmen eines Besuchs der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung in Eutin Hubertushöhe.

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Zugriff: Polizeihauptkommissar Lars Lange und Innenminister Stefan Studt beobachten, wie die Polizeischüler Nina Muuß und Stefan Wätcke in einer Übung einen von Thorsten Ammen gespielten Einbrecher nach bewaffnetem Widerstand festnehmen.

Quelle: Dirk Schneider

Eutin. Nach der zweieinhalbjährigen Ausbildungszeit könnten dann jeweils mehr als 130 zusätzliche Beamte ihren Dienst aufnehmen. Aktuell durchlaufen pro Jahr etwa 260 bis 270 Polizeischüler die Einrichtung, um die jährlichen Abgänge durch Pensionierungen, Berufswechsel und Wegzüge auszugleichen.

Dieses ehrgeizige Ziel sei für die Fachinspektion Ausbildung eine große Herausforderung, erklärte Studt, der sich vor Ort ein eigenes Bild von dem Unterricht machte. Insbesondere die betreuungsintensive Ausbildung im zweiten Lehrjahr, in dem der Polizei-Nachwuchs an die tägliche Praxis herangeführt wird, erfordere etwa 20 bis 25 zusätzliche Fachlehrer, betonte Polizeidirektor Arne Dunka, Leiter der Fachinspektion Aus- und Fortbildung.

Was das bedeutet, zeigte eine typische Ausbildungsübung, die von den Polizeilehrern inszeniert wurde. Die Lage: Zwei Streifenwagen, die mit jeweils zwei Anwärtern besetzt sind, werden per Funk von der Leitstelle über einen mutmaßlichen Einbruch informiert. Um die Diebe möglichst auf frischer Tat zu ertappen, entschließen sich die beiden Einsatzteams ohne Blaulicht und Martinshorn anzufahren, die Streifenwagen außer Sichtweite zu parken und sich dem Tatort von verschiedenen Seiten vorsichtig zu nähern. Mitten im Geschehen: Minister Studt, der zusammen mit Oberkommissar Peter Masannek das Team Eins mit „Einsatzleiterin“ Nina Muuß und Stefan Wätcke auf Schritt und Tritt verfolgt. Ein ertappter Einbrecher widersetzt sich der Festnahme, greift die Anwärter mit einem Kuhfuß an. Deutliche Ansagen und Warnungen, Pfefferspray, Bodenkontakt, Handschellen, Belehrung, Durchsuchung, Abtransport zur Wache.

Der gesamte Ablauf wird von den Fachlehrern genau protokolliert. „Im Sommer könnte dieses Szenario eine bewertete Aufgabe für die Zwischenprüfung sein“, betont Masannek bei der abschließenden Manöverkritik. Gute Taktik und Kommunikation, sicheres Auftreten, klare Ansagen und ein verhältnismäßiger Einsatz von körperlicher Gewalt sind die positiven Aspekte. Ein übersehenes Taschenmesser in einer Innentasche trübt die ansonsten sehr gute Leistung ein wenig. „Angesichts des Ministers und der vielen Kameraleute, die nicht nur im Hintergrund wirkten, war das aber auch eine ganz besondere Situation“, bilanziert Masannek.

Studt selbst zeigte sich nach dem Einsatz beeindruckt. Der Innenminister machte auch kein Hehl daraus, dass er es persönlich begrüßen würde, wenn die Zahl von 400 Neueinstellungen pro Jahr zumindest bis 2020 festgeschrieben werden könnte, zumal ab 2018 überdurchschnittlich viele ältere Beamte in den Ruhestand gehen werden.

Allein ist er damit nicht. Mehr Polizeibeamte wünscht sich auch die Opposition im Landtag. Wie berichtet hat der CDU-Innenpolitiker Axel Bernstein gefordert, in einem Zeitraum von 15 Jahren bis zu 1200 neue Stellen bei der Polizei zu schaffen. Bei derzeit rund 6600 Beamten wäre das ein Zuwachs von mehr als 18 Prozent. Das wäre nur zu schaffen, wenn das Land dauerhaft jedes Jahr 100 Polizeianwärter mehr einstellen würde.

Innenminister Studt gab allerdings zu bedenken, dass man die Zahl der Einstellungen nicht beliebig nach oben schrauben, könne, „wenn man eine gute, qualifizierte Ausbildung garantieren will“. Umso mehr freue er sich, das im Sommer der Grundstein für die neue Einsatzübungshalle gelegt werden könne. Und noch eine gute Nachricht hatte der Minister mitgebracht: Um die Entscheidung für den Polizeidienst auch finanziell attraktiver zu machen, werde die Einstiegsstufe für die Besoldung von A7 (2036 Euro) auf A8 (2159 Euro) erhöht, kündigte Studt an.

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