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Nur ihre Handtasche konnte sie retten

Feuer Nur ihre Handtasche konnte sie retten

Wilma Brocks steht vor den Trümmern ihrer Wohnung und kann den Blick nicht abwenden. Am Dienstag brannten eine Scheune und drei Wohnungen in Emkendorf aus. Die Rentner Wilma und Gerhard Brocks sind zwei der sechs Bewohner, die durch den Brand obdachlos wurden.

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Wilma Brocks (65) steht vor den Trümmern ihrer Wohnung, der Anbau wurde beim Scheunenbrand komplett zerstört.

Quelle: Beate König

Emkendorf. Tag eins nach dem Brand: Feuerwehrschläuche liegen immer noch zum Einsatz bereit entlang der Durchgangsstraße, immer noch stehen als Brandwache sechs Feuerwehrleute auf dem Grundstück, in der Nacht waren es neun. Ein Bagger zieht auf dem Grundstück in der Emkendorfer Straße Mauerschutt, Dachbleche und schwelende Strohballen auseinander.

Das Paar steht mit Nachbarn auf dem grünen Rasen im Vorgarten. Der Blick geht nach innen, durch rußschwarze Fensterhöhlen in die ehemalige Wohnung. Es riecht nach Rauch, ein Wasserschlauch ringelt sich im Gras. Das Dröhnen des Baggermotors begleitet das Gespräch.

Die erste Nacht ist überstanden. „Ich hab kein Auge zugetan“, sagt Wilma Brocks. Ihre Schwester im benachbarten Neumühlen nahm das Paar auf. Der Hausbesitzer Uwe Lütje und sein Sohn kamen bei den Eltern nebenan unter. „Sie können bei uns bleiben, wir haben Platz“, sagt seine Mutter. Die dritte Mietpartei, ein Paar, fand Schlafplätze bei Verwandten in Groß Vollstedt und in Nortorf.

„Ich war noch einmal drin“, sagt Wilma Brocks. „Ich weiß gar nicht mehr, durch welche Tür ich reingekommen bin.“ Sie rettete ihre Handtasche, ihre Schwester gab ihr eine Jogginghose und ein paar Schuhe. „Ich war in Putzklamotten.“ Gerhard Brocks (70) sagt: „Ich war noch drei Mal drin, dann habe ich mich nicht mehr getraut.“ Drei Aktenordner mit Versicherungspolicen und Rechnungen, einen Arm voll Jacken nahm er mit. Im Dorf hielten sie zusammen. Sofort wurde Kleidung gespendet. Bürgermeister Jochen Runge sammelte sie im Gemeindebüro. Das Auto blieb den Brocks, die Garage war weit genug entfernt vom Feuer. Mobil sind sie deshalb jedoch nicht. Beide Schlüssel liegen unter Trümmern begraben. Eine Werkstatt muss helfen.

Wie es weitergeht? Fürs Erste hat das Paar eine Ferienwohnung in Nortorf gemietet. „In Emkendorf will ich nicht bleiben. Wir wollen ins Teldec-Haus in Nortorf ziehen, da wurden doch Wohnungen eingebaut“, sagt Wilma Brocks. 20 Jahre lang hat sie im Schallplattenpresswerk gearbeitet, ihr Mann 40. „Das muss doch gehen.“

In Emkendorf war die Wohnung optimal: Parterre, seniorengerecht, drei Zimmer. „Ich kann nur noch schwer Treppen laufen“, sagt die 65-Jährige. Ihre Söhne haben schon im Internet nach Wohnungen gesucht, eine einzige bezahlbare haben sie gefunden. Ob sie passt, ist offen.

Wilma Brocks hatte am Dienstagmittag gegen 13 Uhr die Flammen in der Scheune entdeckt. „Ich kam vom Putzen bei den Nachbarn.“ Sie rannte erst durch die Wohnung, „da war schon alles schwarz vor Rauch“, dann durch die Scheune zur Straße. Dort hatten Autofahrer schon die Feuerwehr alarmiert.

Ihr Mann erinnert sich: Es gab schon vor drei Jahren ein Feuer im Kuhstall. „Da hat es am 4. Advent geknistert.“ Damals kamen alle mit dem Schrecken davon.

Wer bei der Wohnungssuche helfen will, kann sich melden unter 0176/53422282.

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