7 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Schule drückt auf die Familienkasse

Finanzielle Belastung Schule drückt auf die Familienkasse

Monatskarte für den Bus, Klassenfahrtbeiträge, immer mehr Übungshefte, neue Sportschuhe oder Geld fürs Mittagessen: Die Liste an regelmäßig fälligen Ausgaben der Familien für den Schulbesuch ihrer Kinder ließe sich noch beliebig fortsetzen. Doch obwohl das Thema offenbar vielen Eltern unter den Nägeln brennt, mögen nur wenige öffentlich darüber sprechen.

Voriger Artikel
Königlicher Glanz im Internat Louisenlund
Nächster Artikel
ADAC fordert Baustellenkoordinator

Bei den drei Kindern von Familie Ahmed – von links: Nalin (10), Lorin (14) und Diyar (11) – kommt einiges an Schulbedarf zusammen. Den größten zu stemmenden Posten bilden dabei die Ausgaben für die täglichen Busfahrten zur Schule.

Quelle: Frank Peter

Kiel. „Es ist nach wie vor ein Tabu“, bestätigt die Elternbeiratsvorsitzende eines Kieler Gymnasiums, die ihren Namen nicht online lesen will. Denn Eltern befänden sich in einem kaum auflösbaren Dilemma: „Einerseits will man den Kindern natürlich alles ermöglichen, damit sie möglichst optimale Lernbedingungen haben. Wer trotzdem steigende finanzielle Belastungen kritisiert, riskiert vorwurfsvolle Blicke nach dem Motto: Diese Investitionen in die Bildung deines Kindes müssten es dir doch wert sein.“

 Genau in einem solchen Dilemma sieht sich zum Beispiel Awas Ahmed, Mutter von vier Kindern, eines davon in der Grundschule, zwei in einer Gemeinschaftsschule. „Natürlich klagen wir gegenüber Lehrern nicht über die finanziellen Belastungen, trotzdem geht es in manchen Monaten nicht ohne kräftige Überziehung unseres Kontos ab.“

 Am meisten zu Buche schlagen dabei die Bus-Fahrtkosten zur Schule mit rund 110 Euro im Monat. Alle andere Ausgaben seien vorher nur schwer kalkulierbar, weil sie meist ohne Vorankündigung auf die Familie zukämen: mal eine neuer Atlas für 30 Euro, mal 50 Euro für die Klassenkasse, neue Sportschuhe oder Beiträge für Schulausflüge.

 Zwar bekommt die Familie einen Kindergeldzuschlag und etwas Wohngeld. Trotzdem reichten die Einnahmen ihres Ehemanns als Mitarbeiter einer Reinigungsfirma bei weitem nicht aus. „Wir beklagen uns nicht, wenn wir zugunsten unserer Kinder auf Anschaffungen verzichten“ betont die 34-Jährige, „aber in manchen Monaten wissen wir einfach nicht, wie wir über die Runden kommen sollen.“

 Genauso geht es einer Mutter von zwei Grundschulkindern, die ihren Namen nicht nennen mag. In diesem Schuljahr wurde das Familienbudget besonders belastet. Denn die sechsjährige Tochter brauchte zur Einschulung eine komplette Erstausstattung, die ältere Tochter 180 Euro für die Abschlussfahrt zum Ende ihrer Grundschulzeit.

 Obwohl die Eltern berufstätig sind, bleiben regelmäßige finanzielle Engpässe mit Rückgriffen auf einen Dispokredit nicht aus. Die Altenpflegerin hat zwar nicht genau nachgerechnet, schätzt die monatlichen Ausgaben rund um das Thema Schule auf 50 bis 100 Euro pro Kind und Monat. Folge: Es bleibe kein Geld übrig, um die Kinder in die Betreute Grundschule inklusive Mittagessen zu schicken.

 Entweder die Geschwister kämen dann zum Mittagessen nach Hause, wenn der Familienvater nach einer Nachtschicht zu Hause sein kann. Oder die Kinder müssten sich mit ein paar Euro in der Tasche in der Schulcafeteria an der Klaus-Groth-Schule mit Backwaren selber verpflegen: „Natürlich habe ich da als Mutter ein schlechtes Gewissen. Aber eine andere Möglichkeit sehe ich nicht, weil das Geld einfach nicht reicht.“

 Aus Sicht der Elternbeiratsvorsitzenden des Kieler Gymnasiums steigt der finanzielle Druck unter anderem auch deshalb, weil an den Schulen immer weniger Bücher verwendet würden, für die Eltern aufgrund der Lernmittelfreiheit nichts bezahlen müssten.

 Stattdessen forderten Lehrer in immer mehr Fächern die Anschaffung von Übungsheften. Kosten dafür: je nach Größe zwischen zehn und 20 Euro. „Deren Anschaffung fällt aber nicht unter diese Lernmittelfreiheit, weil die Schüler ja dort hineinschreiben“, ärgert sich die Elternvertreterin: „Stattdessen gelten die Übungshefte als Verbrauchsmaterial, das allein von den Eltern zu finanzieren ist.“ Unter ihnen mache sich darüber zwar immer mehr Ärger breit. Dagegen protestiere aber trotzdem so gut wie niemand. „Diese Blöße will sich niemand geben. Dafür ist die Furcht vor möglichen Nachteilen der Kinder zu groß.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3