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Familie Safar und ihr kleiner Hauke

Flüchtlinge aus Afghanistan Familie Safar und ihr kleiner Hauke

Bei dem Namen Hauke denkt man an stramme Kerle aus Nordfriesland, die bei jedem Wind und Wetter ihr Gesicht auf dem Deich zeigen. In Lütjenburg haben jetzt Flüchtlinge aus Afghanistan ihrem Kind diesen Namen gegeben.

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Acht Monate war das afghanische Ehepaar Mir Afgan Ali und Amina Safar auf der Flucht. Ihr Sohn Hauke wurde im Januar 2015 schon in Deutschland geboren.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Lütjenburg. In Lütjenburg haben einige Menschen nun also ein ganz anderes Bild vor Augen: ein elfmonatiges Kleinkind mit ruhigem Temperament, das am liebsten bei Mama auf dem Schoß sitzt und Kekse isst. Eigentlich nichts Außergewöhnliches. Nur, dieser Hauke ist der jüngste Spross einer afghanischen Flüchtlingsfamilie. Mir Afgan Ali Safar und seine Ehefrau Amina kamen vor rund 18 Monaten in Deutschland an. Insgesamt acht Monate dauerte ihre Flucht aus Afghanistan über die Balkanroute.

Mehrfach beim Übersetzen nach Griechenland gescheitert

Die Safars scheiterten mehrmals bei dem Versuch, in einem Schleuserboot die Meerenge zwischen der Türkei und Griechenland zu überqueren. Ihnen und ihren Kindern Arezzo (4) und Mohammed (5) gelang es erst im vierten Anlauf, auf europäischen Boden zu kommen. Ein türkisches Fernsehteam dokumentierte zufällig die kleine Familie bei einem ihrer Fluchtversuche auf See. Mohammed schreit laut und aufgeregt, wenn sein Vater den Film am Laptop abspielt. „Da komme ich gleich. Da ist Mama“, platzt es aus ihm heraus. Mohammed erlitt damals eine Kopfverletzung. Nun ist alles überstanden und die Familie lebt sicher in einer kleinen Wohnung in der Plöner Straße.

Im Gespräch mit den Sprachpaten Monika und Heiner Bruse, die auch zu ihren Freunden geworden sind, kam das Ehepaar auf die Idee, ihrem nächsten Kind auch einen deutschen Namen zu geben. Weil es in Deutschland geboren wird, soll es darüber mit dem Land verbunden sein, so die Einstellung der jungen Afghanen. Bruses halfen bei der Auswahl. Ein großes Problem wären englisch-klingende Namen wie Kevin gewesen, falls die Familie einmal in den arabischen Raum reise, so Heiner Bruse. Die Wahl fiel dann auf Hauke. Deutsch, bodenständig, schnörkellos. „Er ist auch so schön kurz“, sagt Amina Safar.

Dank des Namens ist er ein kleiner Star

Der erste Name des Kindes lautet offiziell allerdings Mechdi. Noch ganz traditionell. So nennen ihn vor allen Dingen Mama, Papa und Geschwister, wenn sie unter sich sind. Doch im Café International, wo Flüchtlinge und Einheimische zusammenkommen, heißt Mechdi bei den deutschen Besuchern nur Hauke. Mit seinem Namen ist er ein kleiner Star, vor allen bei den älteren, einheimischen Damen, die sich im Gemeindehaus der Kirche um die Zuwanderer kümmern. Sein Vater hat mittlerweile stundenweise Arbeit in einem Hotel gefunden. Verdient eigenes Geld. Ein wichtiger Schritt zur endgültigen Integration. Mechdi Hauke ist das noch egal, solange es Mutters Schoß und Kekse gibt. Wenn er in zwei Jahren in den Kindergarten kommt, wird er so klar Deutsch sprechen, wie es seine Schwester und sein Bruder jetzt schon tun. Und wenn er erst in die Schule geht, kann jeder selbst entscheiden, wie er ihn nennt: Mechdi, Hauke oder beides zusammen.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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