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„We want Sweden!“

Flüchtlinge in Dänemark „We want Sweden!“

Mindestens 300 Flüchtlinge, unter ihnen auch Kinder, alte Menschen und Schwangere, verließen am Mittwochvormittag gegen 10.30 Uhr ihre Unterbringung in einer Schule bei Fröslev und wanderten auf der Autobahn E45 in Richtung Norden.

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Ein klares Ziel: „Schweden! Schweden!“ riefen die mindestens 300 Flüchtlinge auf dem Weg über die Autobahn E 45.

Quelle: Benjamin Nolte/ dpa

Padborg. „Die Schule in Fröslev ist kein Gefängnis und es gibt auch keinen Zaun“, so Hans Roost von der Polizeistelle in Südjütland.

 Die vorwiegend syrischen Flüchtlinge wollten sich nicht in Dänemark registrieren lassen, sondern in Schweden, weil sie dort Verwandte haben. Nach dem Dubliner Abkommen müssen Flüchtlinge in dem Land bleiben, indem sie registriert werden. Die Polizei könne die Weiterreise nach Schweden nicht gestatten, sagte eine Sprecherin. Da die Flüchtlinge ohne Papiere reisten, gölten sie als illegale Einwanderer und dürften sich nicht frei bewegen. Sollten sie sich nicht in Dänemark registrieren lassen, würden sie nach Deutschland abgeschoben. Das sei den meisten lieber, als in Dänemark zu bleiben.

 Bereits in den vergangenen Tagen hatte Kopenhagen die Flüchtlinge aus Deutschland nicht weiter mit dem Zug nach Schweden reisen lassen und die Züge an der Grenze angehalten. Hunderte Flüchtlinge weigerten sich auszusteigen. Kinder mussten aufgrund von Dehydrierung gegen den Willen ihrer Eltern aus dem Zug geholt und versorgt werden. Angeblich aus diesem Grund stellte die dänische Staatsbahn auf Wunsch der Polizei den Zugverkehr aus Deutschland auf unbestimmte Zeit ein.

 Obwohl die Einsatzkräfte von Polizei und DRK den Menschen Getränke angeboten hatten, erlitten viele wegen des Wetters Kreislaufzusammenbrüche und Schwächeanfälle. Die Flüchtlinge haderten damit, Hilfe von dänischer Seite anzunehmen. Auch ein bereitgestellter Bus wurde aus Misstrauen und Angst, in Dänemark festgesetzt zu werden, kaum genutzt. Lediglich eine kleinere Gruppe älterer Flüchtlinge wurde erschöpft zurück nach Fröslev gebracht. Hintergrund des Misstrauens ist die dänische Flüchtlingspolitik. Das Klima im Land ist ausländerkritischer geworden, und die Regeln für Asylbewerber wurden deutlich verschärft. Nicht zuletzt deswegen wollen die Flüchtlinge in Schweden aufgenommen werden. „We want Sweden!“ skandierten sie immer wieder in Richtung der Beamten.

 Eine Einigung mit der schwedischen Regierung ist bisher nicht zustande gekommen. Sie empfiehlt Dänemark, sich selbst um die Flüchtlinge aus Deutschland zu kümmern. Dänemark sei „ein reiches Land“, das im Vergleich zu Schweden und Deutschland nur eine geringe Zahl von Asylsuchenden aufgenommen habe. Nichtsdestotrotz werden die Flüchtlinge, die es unregistriert über die Grenze nach Schweden schaffen, dort nicht abgewiesen.

Von Heike Stüben und Kerstin Tietgen

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