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Flensburg wird zum letzten Tor

Transit-Flüchtlinge Flensburg wird zum letzten Tor

Einen Tag nach der Einführung neuer Grenzkontrollen in Schweden versuchen viele Transit-Flüchtlinge ohne gültige Papiere, über Flensburg und Dänemark ihr Ziel zu erreichen. Ein Rückstau blieb bisher aus. Die Fähren nehmen nur noch Flüchtlinge mit Papieren mit.

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Wie hier in Flensburg versuchen auch in Hamburg Flüchtlinge mit Zügen nach Schweden oder Dänemark zu kommen.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Kiel/Flensburg/Lübeck/Rostock. Der befürchtete Rückstau von Transit-Flüchtlingen in Schleswig-Holstein ist bisher ausgeblieben. Die am Donnerstag eingeführten schwedischen Grenzkontrollen hätten weder in Flensburg noch in den Fährhäfen Kiel und Lübeck bisher zu größeren Problemen geführt, teilten Sprecher der Städte und das Innenministerium in Kiel mit. Allerdings berichteten das Ministerium, die Bundespolizei und ein Sprecher von „Refugees Welcome — Flensburg“, dass Flüchtlinge verstärkt über die Grenzstadt Flensburg und dann Dänemark Schweden erreichen wollen.

Nach Angaben von Nicolas Jähring von „Refugees Welcome — Flensburg“ verließen am Donnerstag 800 Flüchtlinge mit Bussen oder Zügen Flensburg Richtung Dänemark. Bis Freitagmittag seien weitere mindestens 400 Menschen mit Bussen gestartet. Fast alle hätten Schweden als Ziel. Die dänische Polizei habe bisher die Busse wie üblich passieren lassen, die Menschen seien in der Stadt Fridericia angekommen und von dort mit Zügen weitergereist. Ein Helfer-Netzwerk in Malmö berichtete nach Darstellung von Jähring, dass Flüchtlinge ohne Papiere — auf dem Landweg einreisend — in Schweden immer noch Asyl stellen könnten und nicht zurückgeschickt würden. Eine Bestätigung schwedischer Behörden hierfür lag zunächst nicht vor.

„Flensburg ist in Deutschland momentan das letzte Tor nach Schweden für Flüchtlinge ohne gültige Reisepapiere“, sagte Jähring. Solange Dänemark die Flüchtlinge Richtung Schweden passieren lasse, dürfte es in Flensburg nicht zu einem erheblichen Rückstau kommen. Sprecher der Bundespolizei und des Innenministeriums bestätigten der Deutschen Presse-Agentur, dass der Zustrom an Flüchtlingen in Flensburg deutlich gestiegen sei. Insgesamt sei die Lage aber ruhig. An den Fährhäfen habe der Andrang nachgelassen.

Schleswig-Holstein hob seinen erst am Donnerstag beschlossenen vorübergehenden Aufnahmestopp für aus Bayern überstellte Flüchtlinge wieder auf. Dies sei bei der täglichen Lagebeurteilung entschieden worden, teilte das Innenministerium in Kiel mit. Die Lage werde aber weiter beobachtet und jeden Tag neu bewertet.

Ein Sprecher der Reederei Stena Line in Kiel sagte, die schwedischen Behörden hätten bei der Ankunft von Fähren aus Lübeck oder Kiel noch keine Flüchtlinge abgewiesen. Dies liege aber daran, dass jetzt nur noch Flüchtlinge mit gültigen Papieren an Bord dürften. Ihre Zahl ist auf maximal 50 pro Fähre begrenzt. Flüchtlinge ohne Papiere waren nach Angaben der Bundespolizei von vorneherein vom Ticketkauf in den deutschen Fährhäfen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ausgeschlossen.

Das Lübecker Flüchtlingsforum rief zu einer Protestkundgebung am Freitagnachmittag vor dem schwedischen Honorarkonsulat auf. „Menschen auf der Flucht haben in den meisten Fällen entweder gar keine Personaldokumente oder nur solche, die von den schwedischen Behörden nicht anerkannt werden. Dies betrifft nach unserer Schätzung bis zu 80 Prozent der Geflüchteten im Transit“, sagte Jana Schneider vom Solidaritätszentrum für Geflüchtete in Lübeck. Faktisch handle es sich daher um die weitgehende Schließung der schwedischen Grenze für Geflüchtete.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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