18 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Rein in den Arbeitsmarkt

Flüchtlinge Rein in den Arbeitsmarkt

14 Prozent der Arbeitslosen in Schleswig-Holstein sind Ausländer, ein Großteil Flüchtlinge. Im September waren allein 1360 Syrer arbeitslos gemeldet. Für 2016 wird durch die Flüchtlinge ein Anstieg der Arbeitslosigkeit um 2,5 Prozent erwartet. Deshalb sollen Flüchtlinge nun schneller in Ausbildung und Arbeit kommen.

Voriger Artikel
Das Kreuz mit dem Jakobskreuzkraut
Nächster Artikel
Böller-Explosion löst Polizeieinsatz aus

Arjan Mahmoud hat einen festen Job als Schweißer und Schlosser bei der Henning Dierk GmbH in Wattenbek. Jeden Monat schickt er Geld nach Syrien zu seinen Eltern: „Es gibt keine Arbeit dort, die Lebensmittel sind um das Zehnfache teurer geworden.“

Quelle: Uwe Paesler

Wattenbek/Kiel. Ab sofort berät ein Mobiles Einsatz-Team neu ankommende Flüchtlinge: Möglichst schnell sollen sie in Praktika ihre Fähigkeiten beweisen. Wie das funktioniert, zeigt ein Unternehmen in Wattenbek.

 Geschäftsführer Jens Norden von dem Wattenbeker Metallbau-Unternehmen Henning Dierk gehört zu den Vorreitern, was die Beschäftigung von Flüchtlingen angeht. Persönliches Engagement und wirtschaftliche Überlegungen kamen zusammen: Durch seine Schwiegereltern, die Flüchtlingen ehrenamtlich Deutsch beibringen, und seine Frau, die als Familienrichterin mit dem Schicksal minderjähriger Flüchtlinge konfrontiert ist, wurde er schon vor Jahren sensibilisiert. Gleichzeitig war da der wirtschaftliche Druck. „Wir haben eine sehr gute Auftragslage und suchen händeringend Personal“, sagt Norden. Jahrelang hatte er vergeblich einen Lackierer gesucht. Dann gab Norden einem jungen Afghanen die Chance.

 Janshid Zandi kam vor fünf Jahren ohne Ausbildung nach Deutschland. Nach eineinhalb Jahren konnte er über die Arbeitsagentur ein Praktikum bei Jens Norden machen. Schnell war klar, dass Zandi gerne und schnell lernt und die notwendige Fingerfertigkeit mitbringt. Weil es keine deutschen Bewerber gab, durfte Norden den jungen Afghanen als Industrielackierer beschäftigen. „Seit drei Jahren ist er wichtig für den Betrieb, beherrscht sogar das sehr komplexe Lackieren in Struktur.“ Norden hat mit Unterstützung der Arbeitsagentur zwei weitere Flüchtlingen aus Syrien in den Betrieb geholt hat: Arjan Mahmoud hat gerade seine Probezeit als Schweißer und Schlosser bestanden. In der Heimat hat der 29-Jährige Lackierer gelernt, jetzt möchte er eine Schlosserausbildung machen. Die Chancen sind gut. Und dann ist da noch Basel Alazez. Der 33-Jährige aus Syrien macht gerade in Praktikum. „Man sieht sofort, dass er geschickt ist. Wir bemühen uns deshalb, auch ihn dauerhaft einzustellen“, sagt Norden und sucht bereits vier weitere Mitarbeiter.

 Eine Auskunft, die das neue Mobile Einsatzteam der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit freut. Denn so können sie Flüchtlinge, die höchstwahrscheinlich hier bleiben dürfen, gezielt beraten. Der Vorteil: Die fünf Vermittlungsfachkräfte können selbst Englisch, Arabisch, Persisch, Kurdisch oder Französisch. Für die Chefin der Regionaldirektion, Margit Haupt-Koopmann, ist aber auch klar: „Die Flüchtlinge sind ein riesiges Potenzial, aber sind nicht die Fachkräfte von morgen, sondern von übermorgen.“ Für Arbeitsstaatssekretär Frank Nägele ist wichtig, dass die Flüchtlinge sind nicht zu Dumpinglöhnen zu haben sind: „Wir wollen gute Arbeit. Bezahlung, Arbeits- und Unterbringungsbedingungen müssen für alle gelten.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

Das THW-Magazin

Erfahren Sie mehr!
Einblicke hinter die
Kulissen des THW-Kiel

THW-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele vom THW Kiel in unserem Liveticker.

Anzeige
ANZEIGE
Mehr zum Artikel
Kommentar

Nein, nicht alle Flüchtlinge, die zu uns kommen, sind Ärzte oder anderweitig hochqualifizierte Leute. Es sind auch viele darunter, die ohne Ausbildung oder sogar ohne Schulbildung kommen, weil sie dazu keine Chance bekommen haben. Das macht die Integration in den Arbeitsmarkt erheblich schwieriger und teurer. Unmöglich ist sie nicht, wenn man aus den Fehlern der Vergangenheit lernt.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3