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Flüchtlinge verlassen Kiel mit der Stena-Line

Tagesprotokoll Flüchtlinge verlassen Kiel mit der Stena-Line

Da der Zugverkehr zwischen Deutschland und Dänemark nur eingeschränkt läuft, versuchten Hunderte Flüchtlinge über Fähren nach Schweden zu gelangen. Die ersten sind am Donnerstag mit der Stena Line von Kiel nach Göteborg gefahren. Die Polizei übernahm ihre Kosten.

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 Die Flüchtlinge wollen von Kiel aus weiter nach Schweden. Um 14 Uhr durften sie ins Fährterminal der Stena Line.

Quelle: Sven Janssen

+++ 19.23 Uhr: Liveticker beendet +++

Während die "Stena Scandinavica" auf ihrem Weg in die Außenförde ist, beenden wir unseren KN-Liveticker. Lesen Sie die Geschehnisse des Tages gerne im Protokoll nach.

+++ 18.44 Uhr: Stena-Line legt ab +++

Die Stena Line hat mit rund 200 Flüchtlingen an Bord in Kiel abgelegt. Für 50 von ihnen übernahm die Polizei nach eigenen Angaben die Kosten für das Ticket. Am Nachmittag war noch von 150 Tickets die Rede gewesen.

Foto: Niklas Wieczorek

Quelle:

+++ 18.27 Uhr: Dänen heißen Flüchtlinge willkommen +++

Am Kopenhagener Hauptbahnhof kommen am Donnerstag nur wenige Flüchtlinge an, um zu bleiben. Die meisten sind auf der Durchreise ins schwedische Malmö. Trotzdem haben sich hier über 100 Dänen aufgestellt, um die Ankömmlinge willkommen zu heißen. Isabel Mikala Dalhoff (30) dirigiert die Freiwilligen: Pappschilder malen, Tüten mit Lebensmitteln packen, SIM-Karten für Handys verteilen, Familien in die richtigen Züge helfen.

Aus der Hafenstadt Rødby nehmen Dutzende Dänen am Donnerstag Flüchtlinge Richtung Schweden mit, manche fahren sie über die Öresund-Brücke oder segeln mit ihnen ans andere Ufer.

Auch eine Aktion von Integrationsministerin Inger Støjberg, die Flüchtlinge abschrecken sollte, kontern ihre Landsleute. Støjberg hatte in libanesischen Zeitungen Anzeigen drucken lassen, die die Menschen über die harte Asylpolitik der Regierung informieren.

Jetzt sammelt eine Facebook-Gruppe Geld für eine Gegen-Anzeige mit dem Text: „Die Feindseligkeit, die hier gegenüber Flüchtlingen ausgedrückt wird, tut uns leid. Als ganz normale Dänen wollen wir denjenigen, die vor Krieg und Verzweiflung fliehen, unsere Sympathie und unser Mitgefühl ausdrücken.“

+++ 17.47 Uhr: Dänischer Verfassungsschutz warnt vor Extremisten +++

Während die dänische Regierung ihre rigorose Flüchtlingspolitik bestärkt und Tausende Asylsuchende nach Schweden weiterreisen lässt, warnt jetzt der dänische Politiets Efterretningstjeneste (entspricht dem deutschen Verfassungsschutz): Unter den durchreisenden Flüchtlingen können sich auch Extremisten mit Nähe zur islamistischen Szene befinden, berichtet die dänische Zeitung Berlingske auf ihrer Internetseite.

+++ 17.10 Uhr: Padborg und Rødby schließen Aufnahmelager +++

Der letzte Flüchtling sei am Vormittag abgereist, so Bjarne Larsen von der Feuerwehr Lolland-Falster zur dänischen Nachrichtenagentur Ritzau. "Dieser Teil des Einsatzes ist damit im Prinzip vorbei." Nachdem die Flüchtlinge durch Dänemark weiter gen Schweden reisen , werden die Aufnahmelager im Hafenort Rødby auf der Insel Lolland und im Grenzort Padborg, unmittelbar nördlich von Flensburg, geschlossen. Laut der Tageszeitung "Politiken" beginnt nun das große Aufräumen vor Ort.

+++ 17.08 Uhr: Günther: Kein Anspruch auf Aufnahme in Land der Wahl +++

Angesichts der Flüchtlingskrise hat sich Schleswig-Holsteins Oppositionsführer Daniel Günther (CDU) kritisch zu Einzelfallentscheidungen geäußert. „Bei allem Verständnis für Flüchtlinge gibt es keinen Anspruch auf die Aufnahme in einem Wahlland“, sagte Günther am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Er nahm damit Bezug auf eine Entscheidung der schleswig-holsteinischen Polizei vom Dienstag, Flüchtlinge in Lübeck trotz fehlender Papiere mit der Bahn weiter in Richtung Dänemark reisen zu lassen.

„Ich habe Verständnis für das Verhalten der Polizei in Lübeck, die in einer ersten Reaktion so gehandelt hat, um eine Eskalation zu verhindern“, sagte Günther. Dies dürfe allerdings kein Dauerzustand sein. „Deutschland und Europa werden die Flüchtlingskrise dauerhaft nur bewältigen können, wenn sich alle an die gemeinsamen Regeln halten.“ Auch in solchen Ausnahmesituationen dürfe der Rechtsstaat nicht ausgehebelt werden.

+++ 16.23 Uhr: Polizei zahlt Flüchtlingen Fahrt nach Schweden +++

Die schleswig-holsteinische Polizei hat 150 Flüchtlingen bereits am Mittwoch die Weiterfahrt nach Schweden zugesichert und finanziert die Fährkosten. Das gab sie in einer Pressemitteilung bekannt. Demnach wurde das Versprechen den Flüchtlingen im Flensburger Bahnhof als "Einzelfallentscheidung zur Entspannung der Lage" gegeben. Die Nacht hatten die Flüchtlinge in Boostedt verbracht.

In Kiel wollen Hunderte Flüchtlinge auf die Stena Line. Hier sehen Sie Bilder.

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+++ 16.11 Uhr: Volkspartei wütet weiter +++

Marie Krarup, verteidigungspolitische Sprecherin der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei, setzt die Kritik an der Flüchtlingspolitik fort. Die 3000 in den vergangenen Tagen nach Dänemark gekommenen Menschen, seien "gar keine Flüchtlinge". Die Politikerin erklärte dem dänischen Fernsehsender TV2: "Man ist kein Flüchtling, wenn man durch fünf friedliche Länder reist. Man ist Flüchtling, wenn man vor Bomben davonläuft und es auf die andere Seite der Grenze schafft. Hat man das nicht getan, so ist man illegaler Einwanderer", so ihre Definition. Da die Polizei Flüchtlinge zurzeit weiterreisen lasse, plädiert sie für Bürgerwehren an den Grenzen weiter zu schützen. "Es liegt in unser Macht, die Grenzen zu verteidigen", so Krarup", "wir tun es nur nicht."

+++ 15.59 Uhr: Spoorendonk: Nationale Alleingänge helfen nicht in Flüchtlingskrise +++

In der Flüchtlingskrise hat Schleswig-Holsteins Europaministerin Anke Spoorendonk (SSW) eine abgestimmte einheitliche Linie der Europäischen Union angemahnt. „Notwendig ist ein europaweit koordiniertes Vorgehen in einer humanen Flüchtlingspolitik“, sagte die Politikerin der dänischen Minderheitspartei im Norden am Donnerstag in Kiel. „Nationale Alleingänge helfen da nicht.“ Die derzeitige Situation sei „eine große Herausforderung für uns alle in ganz Europa“. Notwendig seien außerordentliche Anstrengungen, um den Menschen zu helfen. „Daran müssen wir gemeinsam arbeiten“, sagte die Ministerin.

+++ 15.56 Uhr: Torsten Albig froh über Entspannung +++

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) ist über die Entspannung der Flüchtlingslage an der deutsch-dänischen Grenze erleichtert. „Ich bin froh, dass sich die Situation an der dänischen Grenze wieder entspannt hat und der Zug- und Fährverkehr wieder aufgenommen wurde“, sagte Albig am Donnerstag.

Zugleich übte er Kritik an der EU. „Wir brauchen endlich ein europäisch einheitlich abgestimmtes Verhalten. Wir müssen in Brüssel darauf hinwirken, dass ganz klar deutlich wird: Es ist kein deutsches Problem ist, sondern es ist eine europäische Herausforderung.“

Deutschland könne diese Aufgabe nicht alleine auffangen, sagte Albig. „Es kann auch nicht sein, dass europäische Länder Flüchtlinge schnell weiterschieben und nur Deutschland und Schweden Flüchtlinge annimmt.“ Flüchtlingshilfe müsse in ganz Europa stattfinden.

+++ 15.47 Uhr: Löfven fordert Dänemark auf, Flüchtlinge zu registriern +++

Der schwedische Ministerpräsident, Stefan Löfven (Sozialdemokraten) ist mit der Entscheidung Dänemarks, die Flüchtlinge Richtung Schweden ziehen zu lassen, gar nicht einverstanden. "Eine der wichtigsten Aufgaben in der EU ist, sicherzustellen, dass alle die Regeln befolgen",  kritisierte der Staatschef auf einer Pressekonferenz am Donnerstag den nordischen Nachbarn. Im schwedischen Malmö, das auf der gegenüberliegenden Öresund-Seite der dänischen Hauptstadt Kopenhagen liegt, haben laut Tageszeitung "Dagens Nyheter" in der vergangenen Woche 738 Menschen Asyl beantragt.

+++ 15.40 Uhr: Dänische Politiker kritisieren Deutschland +++

Politiker aus Schleswig-Holstein kritisieren das Verhalten ihres Nachbarn Dänemark — umgekehrt kommt von dort auch Kritik an Deutschland. Der Chef der dänischen Rechtspopulisten, Kristian Thulesen Dahl, erklärt: „Das war Deutschlands Entscheidung, seine Grenzen für Tausende von Flüchtlingen und Migranten zu öffnen. Deshalb muss Deutschland sie auch entgegennehmen, wenn Dänemark sie zurückschickt.“

+++ 14.52 Uhr: Stena Line erhöht Kapazität +++

Die Stena-Line hat die Kapazität für die Fahrt am Donnerstagabend erhöht. Somit sollen mehr Flüchtlinge nach Schweden transportiert werden können als bislang angenommen. Die Flüchtlinge, die aktuell auf dem Hafenvorfeld stehen, waren am Mittwoch am Bahnhof in Flensburg gestrandet. Dort sagte Ihnen die Polizei zu, dass sie ausreisen dürften. Die Nacht verbrachten die über 150 Flüchtlinge in Boostedt. Busse brachten sie am Mittag nach Kiel.


Sollten nicht alle Flüchtlinge auf die Stena-Line kommen, werden die verbleibenden wieder zurück nach Boostedt gebracht. Ein erneuter Anlauf wird dann am Freitag gestartet.

+++ 14.32 Uhr: SSW: Dänemark nur ein Glied in der europäischen Flüchtlingskette +++

Der SSW-Vorsitzende im schleswig-holsteinischen Landtag, Lars Harms, sieht Dänemark vor allem als Opfer europäischen Versagens in der Flüchtlingskrise. „Man kann den Umgang der dänischen Regierung mit der Flüchtlingskrise sicherlich rügen“, sagte Harms am Donnerstag. „Man sollte aber nicht vergessen, dass auch Dänemark nur ein Glied in der Kausalkette einer europäischen Flüchtlingspolitik ist, die versagt hat.“ Es könne keine nationale Lösung für ein internationales Problem geben. „Insofern sitzt das Problem nicht in Kopenhagen, sondern in Brüssel“, sagte Harms. Hier sei vor allem die Staatengemeinschaft gefragt.

„Wir brauchen endlich eine geeinte europäische Asylpolitik, die der Wirklichkeit standhält. In der die Humanität gegenüber den Menschen immer im Vordergrund steht und Spielräume unbürokratisch genutzt werden.“ Dänemark müsse genau wie Deutschland, Ungarn oder Griechenland täglich auf's Neue abwägen zwischen dem, was humanistisch geboten sei, und jenem, wozu man sich international verpflichtet habe. „Wenn Deutschland einseitig die Dublin- III-Verordnung aussetzt, um zu verhindern, dass Kriegsflüchtlinge aus Syrien an Europa Außengrenzen verhungern, dann ist das menschlich geboten und richtig, hat aber auch gravierende Konsequenzen für weitere Nachbarstaaten“, sagte Harms.

Der SSW ist die Partei der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein. Sie bildet mit SPD und Grünen die Regierungskoalition im Norden.

+++ 14.15 Uhr: Fährbetriebe reagieren gelassen auf Flüchtlinge +++

Die großen Fährbetriebe TT- und Stena Line sehen Flüchtlingen als Passagiere auf den Routen von Deutschland nach Schweden gelassen entgegen. „Wir haben bisher kein größeres Aufkommen an Passagieren“, sagte eine TT-Line-Sprecherin am Donnerstag in Lübeck-Travemünde. Und sollte sich das ändern, dürfe jeder mitfahren, der im Besitz eines Tickets sei und seinen Namen nenne. Einzige Grenze sei allein das Fassungsvermögen der Schiffe. Ähnlich äußerte sich eine Sprecherin von Stena Line.

Den Fährbetrieben sei es egal, ob es sich bei den Menschen um Flüchtlinge, Pendler oder Urlauber handele, hieß es. „Für uns sind es Passagiere.“ Die Stena Line-Sprecherin sagte, im Kieler Terminal hätten sich inzwischen einige wenige Flüchtlinge eingefunden. Man gehe davon aus, am Abend bis zu rund 100 Flüchtlinge mitnehmen zu können und sei auch bereits mit den schwedischen Grenzbehörden in Kontakt.

TT-Line bietet im Schnitt täglich drei Verbindungen von Rostock und vier Verbindungen von Lübeck-Travemünde nach Trelleborg an. Stena Line wiederum fährt einmal täglich von Kiel nach Göteborg sowie von Sassnitz auf der Insel Rügen nach Trelleborg. Weitere drei Fahrten gingen täglich von Rostock nach Trelleborg. Der dritte große Anbieter, Finnlines, legt bis zu dreimal täglich von Travemünde nach Malmö ab.

+++ 13.45 Uhr: 154 Flüchtlinge kommen in Kiel an +++

Mit drei Bussen sind 154 Flüchtlinge am Fährterminal in Kiel angekommen. Sie wollen mit der Stena Line nach Schweden. Auf der Fähre nach Göteborg ist jedoch nur Platz für 100 Flüchtlinge. Da im Terminal bereits 40 weitere Flüchtlinge warten, müssen für 100 Personen Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen werden. Unklar ist, woher die Flüchtlinge kommen. Vermutet wird Neumünster und Boostedt.

Die Bundespolizei hat das Fährterminal abgerigelt. Die Flüchtlinge warten deshalb bis auf weiteres auf dem Hafenvorfeld.

Schweden bereitet sich auf den verstärkten Ansturm von Flüchtlingen aus Deutschland vor: Die schwedische Regierung hat am Donnerstagmittag alle Kommunen verpflichtet, mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Im Gegenzug gibt es ab Januar mehr Geld. „Wenn Menschen vor Krieg, Unterdrückung und Terror fliehen, gibt es eine menschliche Verpflichtung zu helfen“, sagte der sozialdemokratische Ministerpräsident Stefan Löfven.

+++ 13.29 Uhr: Menschenschmuggler angehalten +++

Die dänische Polizei hat etliche Bürger, die Flüchtlinge in ihren Autos nach Schweden bringen wollten, angehalten. Die Flüchtlinge mussten die Autos verlassen, die Fahrer 3000 Kronen (etwa 400 Euro) Strafe bezahlen. Auch die schwedische Polizei hat bestätigt, dass sie in der Nacht zu Donnerstag sechs Menschen wegen Menschenschmuggel vorläufig festgenommen hat, als sie Flüchtlinge aus Dänemark in privaten Autos über die Öresundbrücke bringen wollten. Einer der Verdächtigen sei ein bekannter Salafist, ein Däne mit bosnischen Wurzeln, berichtete das schwedische Ekstrabladet. Er sei aber wie alle anderen am Donnerstag wieder freigelassen worden.

+++ 12.42 Uhr: Wohnungsunternehmen wollen schnelles Bauen für Flüchtlinge ermöglichen +++

Angesichts der vielen Flüchtlinge fordert die norddeutsche Wohnungswirtschaft bessere Rahmenbedingungen für schnelles und günstiges Bauen. „Wir wollen bauen, bauen, bauen“, sagte der Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen, Andreas Breitner, am Donnerstag in Kiel. Es müssten aber hemmende Vorschriften einer „Luxus-Bürokratie“ abgebaut werden: Beim Natur- und Denkmalschutz, dem Vergaberecht, bei Stellplatzvorgaben und auch beim überhöhten Brandschutz für Gemeinschaftsunterkünfte. Mangels Eigenkapitals bräuchten die Wohnungsunternehmen direkte Zuschüsse für neue Projekte. Hier sei der Bund gefordert. In Schleswig-Holstein werden laut Verband bis zu 6000 neue bezahlbare Wohnungen pro Jahr errichtet. Für Flüchtlinge seien jährlich etwa 2000 bis 3000 weitere Wohnungen notwendig.

+++ 12.36 Uhr: Helfer bringen Flüchtlinge nach Schweden +++

Inzwischen sind etliche Flüchtlingen von Dänen und Schweden in privaten Autos und Motor- und Segelbooten von Dänemark nach Schweden gebracht worden. Andere Helfer wurden in Dänemark von der Polizei aufgebracht und gestoppt. Die Helfer riskieren damit Gefängnisstrafen wegen Menschenschmuggels. Doch das schreckt viele nicht ab. Ein schwedischer Helfer sagte dem Aftronbladet: „Viele Dinge, die aus historischer Sicht richtig waren, waren ungesetzlich und vieles, dass gesetzlich war, war nicht in Ordnung. Wir haben keine Angst vor dem Gefängnis. Wir sind überzeugt, etwas Richtiges zu tun.“

+++ 12.27 Uhr: Mini-Wörterbuch online verfügbar +++

Zur besseren Kommunikation mit den Flüchtlingen kursieren im Internet Mini-Wörterbücher Deutsch-Arabisch. Ein Beispiel für ein sogenanntes Refugee Phrasebook finden Sie hier.

+++ 12.22 Uhr: Hunderte Flüchtlinge erreichen Schweden +++

Am frühen Donnerstagmorgen sind 50 Flüchtlinge, vor allem Familien mit kleinen Kindern, mit einem Schiff aus Rostock nach Trelleborg in Schweden angelandet. Parallel dazu kamen die ersten Flüchtlinge mit dem Zug aus der dänischen Hauptstadt Kopenhagen im schwedischen Malmö an. Ständig werden es mehr, sagte ein Sprecher der Migrationsbehörde in Malmö. Man rechne heute mit 600 Flüchtlingen.  Viele Kirchengemeinden haben sich auf den Ansturm vorbereitet und provisorische Schlafmöglichkeiten eingerichtet. Es werden Lebensmittel und Getränke gespendet und bereitgehalten, um die erschöpften Flüchtlinge zu versorgen. Inzwischen haben sich viele Angehörige der Flüchtlinge in der schwedischen Hafenstadt versammelt, um ihre Verwandten in Empfang zu nehmen.

+++ 12.13 Uhr: Erste Flüchtlinge im Stena-Terminal +++

Im Kieler Stena-Terminal sind zehn Flüchtlinge eingetroffen, die mit der Fähre nach Schweden weiterreisen wollen. Noch ist unklar, ob sie die notwendigen Dokumente dabei haben und ob ihnen die Weiterreise ermöglicht wird. Es werden noch mehr Flüchtlingen in Kiel erwartete, weil an den Bahnhöfen Zettel verteilt werden, auf denen den Flüchtlingen, die nach Schweden wollen, zu den direkten Fährlinien geraten wird – unter anderem von Kiel nach Göteborg.  In Göteborg bereitet man sich auch darauf vor, morgen um neun Uhr Flüchtlinge von der Stena-Fähre in Empfang zu nehmen. 

Foto: Günter Schellhase

Quelle:

+++ 12.12 Uhr: Wolfgang Kubicki fordert einheitliches europäisches Asylrecht +++

Der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki hält ein einheitliches europäisches Asylrecht für unabdingbar. Es brauche dringend eine neue europäische Regelung, nach der „Flüchtlinge (zunächst) in demjenigen Land ihren Asylantrag stellen dürfen, in dem sie sich aufhalten wollen“, sagte Kubicki am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Er begrüße, dass sich die dänischen Behörden — ähnlich wie die deutschen — entschieden hätten, keine Gewalt auszuüben. Es sei aber inakzeptabel, „dass durch das Verhalten Dänemarks der Eindruck entsteht, als würden die Grenzen zu Dänemark geschlossen“, betonte Kubicki. Dänemark hatte am Mittwoch den Zugverkehr mit Deutschland gestoppt. Seit Donnerstagmorgen fahren wieder Züge von Flensburg nach Dänemark.

+++ 11.36 Uhr: Flensburger Bahnhof leert sich - Flüchtlinge wollen nach Kiel +++

Die meisten Flüchtlinge haben den Flensburger Bahnhof inzwischen verlassen. Während rund 100 Menschen in Zügen nach Dänemark weiterreisten, brach ein Teil der Flüchtlinge in Richtung Kiel auf. Sie wollen vermutlich per Schiff nach Schweden. Zahlreiche Flüchtlinge hatten die Nacht in der Bahnhofshalle in Flensburg verbracht, nachdem Dänemark am Mittwoch den Zugverkehr mit Deutschland gestoppt hatte.

Mehrere Dutzend Freiwillige sammelten am Donnerstagvormittag am Flensburger Bahnhof große Mengen an Kleidungs- und Lebensmittelspenden für die Flüchtlinge ein. „Was beispielsweise an Decken noch genutzt werden kann, lagern wir ein“, sagte die SPD-Landtagsabgeordnete Simone Lange der Deutschen Presse-Agentur. Sie ist auch Sprecherin des Bündnisses für ein buntes Flensburg. „Wir sind dankbar für die Hilfsbereitschaft.“

Zahlreiche Menschen hatten am Mittwoch so viele Spenden gebracht, dass in der Nacht zum Donnerstag bereits Kleidung in zwei Bussen aufbewahrt werden musste. Hunderte Wasserflaschen, Windelpakete und etliche Nahrungsmittel blieben am Donnerstag nach der Weiterreise der Flüchtlinge in Flensburg übrig. „Ich bitte alle, weiter so hilfsbereit zu bleiben“, sagte Lange. Am frühen Donnerstagnachmittag wird ein weiterer Fernzug aus dem Süden mit Flüchtlingen in Flensburg erwartet.

Am Flensburger Bahnhof kursierten unterdessen Handzettel mit Reisetipps für Flüchtlinge, die weiter nach Skandinavien wollen. Darin wird den Menschen empfohlen, nicht Dänemark zu passieren, sondern per Schiff direkt nach Schweden zu reisen. So sollten die Flüchtlinge Fähren von Kiel nach Göteborg, von Rostock nach Trelleborg und von Sassnitz auf Rügen nach Trelleborg nutzen, heißt es in den Handzetteln.

Foto: Expressen.se

Quelle:

+++ 10.46 Uhr: Bislang kein Ansturm auf Fährlinie Rostock-Trelleborg +++

Die zwischenzeitliche Unterbrechung des Zugverkehrs zwischen Deutschland und Dänemark hat bislang nicht zum Ausweichen von Flüchtlingen auf die Fährlinie zwischen Rostock und dem schwedischen Trelleborg geführt. Wie ein Polizeisprecher am Donnerstag in Rostock sagte, nutzte am späten Mittwochabend eine Gruppe von etwa 40 Flüchtlingen diese Route. Bei der Morgenfähre am Donnerstag seien dagegen keine Flüchtlinge gesehen worden. Die Fährgesellschaft Stena Line hat auf der Verbindung zwei Schiffe im Einsatz. Täglich gibt es drei Anläufe. Die dänische Bahn hatte am Mittwochnachmittag aufgrund der Flüchtlingssituation den gesamten Zugverkehr zwischen Deutschland und Dänemark zunächst gestoppt.

+++ 10.37 Uhr: Handzettel mit Reisetipps kursieren in Flensburg +++

Am Flensburger Bahnhof kursieren Handzettel mit Reisetipps für Flüchtlinge, die weiter nach Skandinavien wollen. Darin wird den Menschen empfohlen, nicht Dänemark zu passieren, sondern per Schiff direkt nach Schweden zu reisen. Die dänische Polizei registriere die Flüchtlinge, heißt es auf dem Flyer — und dann könnte nur noch in Dänemark Asyl beantragt werden. Stattdessen sollten die Flüchtlinge Fähren von Kiel nach Göteborg, von Rostock nach Trelleborg und von Sassnitz auf Rügen nach Trelleborg nutzen, heißt es in den Handzetteln. Wer den Flyer veröffentlicht hat, blieb unklar.

+++ 10.06 Uhr: Weiter keine Züge zwischen Puttgarden und Dänemark +++

Auf der Vogelfluglinie nach Dänemark über Puttgarden sind weiter keine Züge unterwegs. Die Bahnen könnten nicht auf die Fähren von Puttgarden nach Rødby fahren, weil die dänische Bahngesellschaft DSB der Deutschen Bahn die Züge nicht abnehme, sagte eine Bahnsprecherin am Donnerstag. Wann der Zugverkehr auf der Vogelfluglinie wieder aufgenommen wird, stehe noch nicht fest. Die dänische Polizei hatte in den vergangenen Tagen mehrere aus Deutschland kommende Züge mit Flüchtlingen gestoppt. Der Zugverkehr zwischen Flensburg und Dänemark läuft dagegen seit Donnerstagmorgen wieder.

+++ 9.28 Uhr: Rechtspopulisten kritisieren Weiterreise +++

Die rechtspopulistische Dänische Volkspartei hat die Regierung des Landes wegen der Weiterreise von Hunderten Flüchtlingen aus Dänemark nach Schweden kritisiert. „Das klingt, als habe die Regierung aufgegeben, die Situation zu steuern“, sagte der integrationspolitische Sprecher der Dansk Folkeparti, Martin Henriksen, im dänischen Fernsehen. „Man hat sich damit abgefunden, dass man keine Kontrolle hat. Das ist sehr unbefriedigend.“ Dänemarks Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen bestellte die Vorsitzenden der anderen Parteien am Vormittag zu einem Krisentreffen ein.

Zuvor hatte die Polizei an der deutsch-dänischen Grenze Hunderte Flüchtlinge, die kein Asyl in Dänemark suchen wollten, weiter Richtung Schweden reisen lassen. Viele der mit Zügen angekommenen Flüchtlinge hatten sich geweigert, auszusteigen und sich registrieren zu lassen. Sie hoffen in Schweden auf bessere Bedingungen für Asylbewerber.

+++ 9.06 Uhr: Zweiter Zug mit Flüchtlingen verlässt Flensburg +++

Ein zweiter Zug mit Flüchtlingen hat am Donnerstagmorgen Flensburg in Richtung Dänemark verlassen. An Bord der Bahn mit Ziel Kopenhagen waren mehr als 50 Flüchtlinge, wie ein dpa-Reporter beobachtete. Die meisten von ihnen hatten zuvor die Nacht auf dem Flensburger Bahnhof verbracht. Die Bahnhofshalle leerte sich am Donnerstagmorgen allmählich. Dort lagen noch Matratzen, Decken und Schuhe, die die Flüchtlinge zurückgelassen hatten. Die Züge zwischen Flensburg und Dänemark fahren in der Regel alle zwei Stunden.

+++ 9.05 Uhr: Flüchtlinge reisen weiter Richtung Schweden +++

Die dänische Polizei hat in der Nacht zum Donnerstag rnud 240 Flüchtlinge aus der Stadt Rødby auf der Insel Lolland weiterreisen lassen. „Sie konnten den Zug hier aus Rødby nehmen“, sagte ein Polizeisprecher. In Rødby waren am Mittwoch Hunderte Menschen in Zügen auf Fähren von der Insel Fehmarn angekommen. Viele von ihnen hatten sich geweigert, die Züge zu verlassen, um nicht in Dänemark als Asylbewerber registriert zu werden. Die meisten wollen weiter nach Schweden reisen, weil sie dort auf bessere Bedingungen für Flüchtlinge hoffen.

Rund 300 Menschen befänden sich noch in einer Unterkunft in Rødby, sagte der Polizeisprecher am Donnerstagmorgen. „Manche werden von hier aus im Laufe des Vormittags aufbrechen.“ Wann die Fähren über den Fehmarnbelt wieder Züge transportieren würden, konnte er nicht sagen. Fernsehberichten zufolge nahmen in Rødby viele Autofahrer Flüchtlinge mit Richtung Norden.

+++ 8.22 Uhr: Erster Zug nach Dänemark +++

Nach der Einstellung des Zugverkehrs zwischen Dänemark und Deutschland hat die dänische Polizei am Donnerstagmorgen wieder einen Zug mit Flüchtlingen ins Land gelassen. Am Grenzbahnhof in Padborg kontrollierten Dutzende Beamte die aus Flensburg kommenden Menschen, wie eine Reporterin beobachtete. Die rund 50 Flüchtlinge seien zu ihren Reisezielen befragt worden, anschließend durfte der Zug in Richtung Kopenhagen weiterfahren, sagte ein Polizeisprecher in Padborg. Der Zug war mit leichter Verspätung um kurz nach 7.00 Uhr in Flensburg gestartet.

Eine kurze Bedienungshilfe in arabischer Sprache hängt an einem Fahrkartenautomat im Bahnhof von Flensburg. Foto: Christian Charisius/dpa

Quelle:

In Flensburg verbrachten rund 120 Flüchtlinge die Nacht in der Bahnhofshalle. Sie waren im Laufe des Abends angekommen und konnten nicht weiter, weil die dänische Bahn zuvor auf Anweisung der Polizei angesichts Hunderter ankommender Flüchtlinge den Zugverkehr zwischen Deutschland und Dänemark gestoppt hatte - Stunden, nachdem EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker die Europäer aufrief, in der Flüchtlingspolitik zusammenzustehen. Flensburger hatten den Flüchtlingen Decken, Essen und Kleidung vorbeigebracht.

+++ 7.00 Uhr: Zugverkehr rollt wieder +++

„Seit den Morgenstunden verkehrt der Bahnverkehr von Flensburg nach Dänemark wieder regulär“, teilte das Landespolizeiamt in Kiel am Donnerstagmorgen mit. „Die Menschen reisen seither mit den Zügen in verschiedene Richtungen ab.“

Bereits in der Nacht zum Donnerstag hatte die dänische Bahn mitgeteilt, sie rechne damit, dass im Tagesverlauf wieder Züge über die Grenze bei Flensburg und Padborg rollen. Auch die Intercity-Züge sollten wieder die gesamte Strecke zwischen Flensburg und Kopenhagen befahren.

Ein zweiter Zug mit Flüchtlingen hat am Donnerstagmorgen Flensburg in Richtung Dänemark verlassen. Hier sehen Sie aktuelle Bilder.

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Zugverkehr war eingestellt

Nach der Einstellung des Zugverkehrs mit Dänemark steckten zahlreiche Flüchtlinge auf ihrem Weg gen Norden in Schleswig-Holstein fest. Vom Bahnhof in Flensburg wurden viele in Erstaufnahmeeinrichtungen in dem Bundesland gebracht. Die meisten der etwa 100 bis 150 Menschen wurden mit Bussen nach Boostedt (Kreis Segeberg) gefahren, wie ein Behördensprecher in Kiel erklärte. „Damit der lange Weg ein Ende hat und alle sicher unterkommen.“

Dem dänischen Reichspolizeichef Jens Henrik Højbjerg zufolge wurde der Bahnverkehr „aus Sicherheitsgründen“ eingestellt. Auch die Autobahn E45 in Südjütland wurde vorübergehend gesperrt, weil Flüchtlinge zu Fuß versuchten, über die Straße nach Schweden zu gelangen.

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Foto: 170 Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und dem Irak, von denen die meisten über Lübeck nach Schweden wollten, sind von der dänischen Polizei im Fährhafen von Rødby festgesetzt worden

Chaos an der deutsch-dänischen Grenze: 170 Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und dem Irak, von denen die meisten über Lübeck nach Schweden wollten, sind von der dänischen Polizei im Fährhafen von Rødby festgesetzt worden. Mittlerweile wurde einigen Flüchtlingen die Weiterreise mit einem Zug angeboten.

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