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Flüchtlingsambulanz schließt

Neumünster Flüchtlingsambulanz schließt

Die bundesweit einmalige Flüchtlingsambulanz am Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) in Neumünster wird aufgelöst. Ab November soll die Einheit für Integrierende Versorgung, kurz EIV genannt und auf ein Jahr angelegt, peu à peu abgewickelt werden.

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Der syrische Arzt Mahmoud Abbas und Patient Mohammad Ali (30) in der integrativen Flüchtlingsambulanz, die ab November nach und nach aufgelöst wird.

Quelle: Sabine Nitschke

Neumünster. Allerdings hat das Land eine Verlängerung der Fördermittel bis zum 28. Februar 2017 in Aussicht gestellt. „An dem Antrag basteln wir jetzt gerade“, erklärte Geschäftsführer Alfred von Dollen, der die Lage nüchtern sieht. „Natürlich werden wir weiterhin Flüchtlinge ambulant behandeln. Aber angesichts der stark rückläufigen Zahlen ist diese spezielle Einrichtung ein Auslaufmodell.“ Die hatte vor einem Jahr bundesweites Interesse auf sich gezogen. Aufgrund der Flüchtlingsströme und der dem Krankenhaus quasi benachbarten Erstaufnahme in Neumünsters ehemaliger Scholtz-Kaserne explodierten plötzlich die Patientenzahlen in der Ambulanz.

Dr. Ivo Heer, ärztlicher Direktor im FEK, tüftelte umgehend das Konzept für die EIV aus. Maßgeblicher Unterschied zu anderen Flüchtlingsambulanzen: Hier sollte überwiegend Personal arbeiten, das selbst aus Kriegs- und Krisengebieten stammte, um Sprach- und mentale Barrieren zu senken. „Unser Auftrag war, eine Akutversorgung hinzubekommen und das haben wir super gemeistert“, resümiert Heer. „Ich bin immer noch extrem dankbar. So groß und schnell wie in Schleswig-Holstein war die politische Unterstützung nirgendwo sonst.“

Vier syrische Ärzte können bleiben

Mittlerweile hat die Klientel der EIV eine extrem rückläufige Tendenz. Während im Oktober 2016 rund 300 Flüchtlinge ambulant und 100 stationär versorgt werden mussten, sind es mittlerweile nur noch 100 Kontakte pro Monat, also gut drei pro Tag. Die Arzthelferinnen der EIV werden laut von Dollen auf eigenen Wunsch auf andere Arbeitsplätze im Haus wechseln.

Schwieriger gestaltet sich die Situation für die vier syrischen Ärzte, die Arbeitslosigkeit befürchten: Ihre beruflichen Qualifikationen sind in Deutschland noch nicht offiziell anerkannt; auch in der EIV wurden die medizinischen Entscheidungen von deutschen Kollegen getroffen.

„Wir wollen sie unbedingt behalten, bis sie ihre Anerkennung für die deutsche Approbation haben“, steht für Heer fest. Für Dilovan Alnouri (Viszeral- und Gefäßchirurg) und Munzer Shekko (Internist und Kardiologe), die beide in Aleppo studiert haben, läuft gerade eine gutachterliche Prüfung ihrer Papiere. „Für Mahmoud Abbas und Somia Alyousef geht es um die sogenannte Gleichwertigkeitsprüfung, die dem 3. Staatsexamen entspricht und Grundlage für die fachärztliche Ausbildung ist“, erklärt Heer.

Sprachbarrieren verlängern die Behandlungen

Da trifft es sich günstig, dass das FEK die seinerzeitige Förderung des Landes in Höhe von 1,7 Millionen Euro „bei weitem nicht aufgebraucht hat und zum großen Teil zurückgeben kann“, wie von Dollen versichert, so dass weitere Fördermittel bis Ende Februar fließen. „Über die kurzfristige Verlängerung sind wir ausgesprochen froh.“Jetzt sollen mit dem Sozialministerium Gespräche geführt werden über die Bezahlung der vier Ärzte nach dem 1. März 2017. Denn noch immer gilt, was Pflegedirektor Christian de la Chaux vor einem Jahr festgestellt hatte: Wegen Sprachbarrieren dauert die Behandlung von Flüchtlingen drei bis fünfmal länger. „Das Thema Integration wird generell noch einen langen Atem erfordern“, ist Heer überzeugt.

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