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Flüchtlingsberatung - Nur keine Zeit verlieren

Regionaldirektion Nord Flüchtlingsberatung - Nur keine Zeit verlieren

Die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit will die Integration von Flüchtlingen auf dem schleswig-holsteinischen Arbeitsmarkt voranbringen und ist deshalb mit Beratern im Land unterwegs.

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Sie hat viel zu tun: Siham Hans von der Arbeitsagentur Flensburg ist auf die Beratung von Migranten spezialisiert.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Schweigend erwarten sie, was da auf sie zukommt. Es ist 8.45 Uhr. Erst um neun beginnen Infoveranstaltung und Beratungsgespräche. Doch sie sind jetzt schon hier in der Arbeitsagentur Flensburg, gespannt und hoffnungsvoll, manche aber auch voller Angst: rund 30 junge Menschen aus Syrien, aus dem Irak, dem Iran und aus Eritrea. Mit der Beratung von Flüchtlingen ohne Aufenthaltsstatus, aber guter Bleibeperspektive will die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit die Integration von Flüchtlingen auf dem schleswig-holsteinischen Arbeitsmarkt voranbringen. Dazu ist seit fünf Wochen ein fünfköpfiges Vermittlerteam landesweit im Einsatz.

 Dazu gehört auch Karsan Ali (29), der vor 19 Jahren mit seinen Eltern aus dem Irak nach Deutschland floh. Ali weiß, wie man sich in der Fremde fühlt. Er weiß aber auch, dass nur ein überschaubarer Teil der Flüchtlinge, die heute gekommen sind, eine berufliche Erfolgsgeschichte schreiben können so wie er, der Arabisch, Deutsch, Englisch, Persisch und Französisch spricht, Abitur machte und nach Master- und Bachelor-Studium – Islamwissenschaften und Neuere Geschichte – bei der Regionaldirektion als Vermittler und Berufsberater anfing.

 Rund 300 Gespräche hat Ali bislang geführt, vor allem mit jungen Männern – vom Busfahrer bis zum Profisportler: „Die Motivation ist hoch“, sagt der Berater. Manchmal sogar zu hoch: „Viele wollen am liebsten sofort mit der Arbeit beginnen.“ Doch kaum einer spricht Deutsch, nur wenige Englisch. Sie wissen nicht, was ein Jobcenter ist, welche Berufe in Deutschland gefragt sind, wie das Ausbildungssystem funktioniert. Das Wichtigste sollen sie hier erfahren und angeben, was sie gelernt haben und natürlich, als was sie in Deutschland arbeiten wollen. „Wir wollen so früh wie möglich mit den Menschen in Kontakt treten“, sagt Ali. „Nur keine Zeit verlieren“, lautet das Motto.

 Niemand weiß, wie viele Flüchtlinge noch nach Schleswig-Holstein kommen. Klar ist aber: Die Zahl wird steigen. „Nur im Schulterschluss mit den Unternehmen können wir den Menschen ausreichend Angebote machen“, sagt Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord. Zwei Drittel der Menschen mit Bleibeperspektive sind unter 30, rund die Hälfte ist unter 25. „Das sind die Fachkräfte von übermorgen“, sagt Haupt-Koopmann.

 Abdulaziz Ismail ist einer von denen, die Ali an diesem Tag berät. Im August war der Syrer auf der Flucht vor der Terrormiliz IS und dem Assad-Regime in Deutschland angekommen. Sein Informatik- und Ingenieurstudium hatte er wegen des Krieges abbrechen müssen. „Mein großes Ziel ist es, hier mein Studium abzuschließen“, sagt er auf Arabisch. Seit zwei Tagen besucht der 35-Jährige einen Deutschkurs. Viel mehr als „tschüs“ geht da noch nicht.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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