17 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Die Marine hilft jetzt auch an Land

Flüchtlingseinsatz Die Marine hilft jetzt auch an Land

Auf See ist die deutsche Marine seit Mai im Flüchtlingseinsatz. Mehr als 7000 Menschen haben Einheiten aus dem Mittelmeer gerettet. Jetzt steigt die Marine auch an Land in die Hilfe ein: Seit Freitag um 14 Uhr sind die ersten 100 Soldaten der Einsatzflottille 1 aus Kiel auf schleswig-holsteinischem Boden im Einsatz.

Voriger Artikel
Lebenslange Haft gefordert
Nächster Artikel
Ein Leben für die Hunde

Oberst Ralf Güttler (links) leitet mit Kapitänleutnant Michael Gatz (Mitte) die Unterstützung der Bundeswehr für zivile Dienststellen in Schleswig-Holstein. Etwa 100 Marinesoldaten der Einsatzflottille 1 aus Kiel sind am Freitag ausgerückt.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Sie wurden im Rahmen der Operation „Helfende Hand“ für die Unterstützung von Hilfsorganisationen und Kommunen im Land angefordert. Koordiniert wird ihr Einsatz aus dem Landeskommando Schleswig-Holstein in Kiel.

Im Lagezimmer in der Feldstraße in Kiel laufen alle Fäden des Bundeswehr-Netzwerkes zusammen. „Wir üben Amtshilfe aus. Wir helfen dort, wo wir es können“, sagt Oberst Ralf Güttler, Kommandeur des Landeskommandos. Bevor Soldaten helfen dürfen, müssen Bürgermeister oder Landräte einen Antrag auf Amtshilfe stellen. Rund 30 derartige Anträge auf der Basis des Paragrafen 35 des Grundgesetzes sind seit Beginn der Flüchtlingskrise beim Landeskommando eingegangen. Entweder werden Räumlichkeiten gesucht, Transportgeräte oder helfende Hände beim Aufbau von Einrichtungen.

Erster Einsatz fand in Putlos statt

Größtes Projekt war die Einrichtung einer Erstaufnahme auf dem Truppenübungsgelände Putlos (Kreis Ostholstein). „Dabei handelte es sich um die Unterbringung der Menschen in einer aktiven Einheit“, erzählt Güttler. Zwischen Antrag und Genehmigung vergingen weniger als 36 Stunden. Das letzte Wort bei der Bewilligung hat immer das Kommando Territoriale Angelegenheiten im Verteidigungsministerium in Berlin, so Güttler. Das Landeskommando koordiniert die Zusammenarbeit ziviler und militärischer Dienststellen.

In der ersten Welle waren Soldaten des Bataillons für Elektronische Kampfführung 911 in Stadum (Kreis Nordfriesland) im Einsatz. Am Freitag um 14 Uhr nun kam die Marine mit den Soldaten der Einsatzflottille 1 aus Kiel hinzu. Bis zu 300 Soldaten stehen zur Verfügung. Die ersten 100 mussten nach Kellinghusen und Wendtorf bei Hamburg. „Dort geht es darum, neue Aufnahmeeinrichtungen vorzubereiten“, sagt Kapitänleutnant Michael Gatz. Im Lagezimmer leitet er die Operation. Auf seiner Landkarte sind Markierungen von Boostedt bis nach Heide zu sehen. Fast ein Dutzend Orte kennzeichnen Einrichtungen der Bundeswehr, die für Flüchtlinge genutzt werden.

Feldbetten aufgebraucht, jetzt muss geschraubt werden

Während in den noch genutzten Kasernen Betten und Schränke vorhanden sind, fehlt es in den Gebäuden von bereits stillgelegten Truppenteilen an jeglichem Mobiliar. „Diese Gebäude sind bereits an die Immobiliengesellschaft des Bundes übergeben worden. Deshalb dauert es dort natürlich ein wenig, bis sie bezugsfertig sind“, sagt Güttler. Die Folge ist aber auch ein Mangel an Ausrüstung. „Die letzten 800 Feldbetten hat Schleswig-Holstein vorige Woche bekommen. Die Depots sind jetzt leer“, sagt Oberst Güttler. Deshalb wird ein Großteil der Soldaten jetzt zum Aufbau der direkt aus dem Groß- und Möbelhandel gekauften Betten gebraucht. Mit Akkuschrauber und Imbusschlüssel statt Helm und Sturmgewehr rücken die Marinesoldaten aus. „Wenn wir den Leuten helfen können, dann tun wir das gern“, sagt Kaleu Gatz.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr zum Artikel
Migration

Die Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster ist mit mittlerweile 4700 Flüchtlingen restlos überbelegt - ausgelegt ist sie nach mehrfachen Erweiterungen für 2000 Schutzsuchende.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3