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Die Angst reist mit

Flüchtlingsfamilie Die Angst reist mit

Eigentlich müsste Alaa al Saudi fix und fertig sein. Zusammen mit elf Familienmitgliedern ist die junge Syrerin seit dem 21. August auf der Flucht. 24 Tage voller Angst, Entbehrungen, Schmutz und Hilflosigkeit liegen hinter ihr. Doch heute könnte sie die ganze Welt umarmen.

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Der syrischen Armee wird alles zugetraut: Aus Angst, dass ihre Eltern in der alten Heimat verhaftet werden könnten, war nur ein Foto ohne Gesichter möglich. Nur Maison (6), Ayman (2), Alma (4, von links sitzend) und Nazir (3, oben) durften in die Kamera schauen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel.  Die 24-Jährige ist am Morgen am Kieler Schwedenkai angekommen. Die Tickets für alle sind im wasserfesten Brustbeutel. Schon am nächsten Tag wird sie bei ihrer Schwester in Göteborg sein. Dann ist sie endgültig in Sicherheit.

 Die junge Frau strahlt und erzählt in gebrochenem Englisch, dass sie nun ganz schnell vergessen will. „Das neue, bessere Leben wartet.“ Sie will nicht mehr an die Angst in Damaskus denken, wo Bomben fielen, Stadtteile abgeriegelt wurden und sie ihre Wohnung verlassen musste. Und wo der Sohn ihres Onkels für zwei Jahre eingesperrt wurde, nur weil er laut „freedom“ (Freiheit) gerufen hatte. Vergessen will sie auch die entwürdigenden Tage der Flucht. Mit dem Flieger ging es von Damaskus nach Antalya in die Türkei, dann mit dem Bus nach Griechenland und mit einem Schlauchboot auf eine Militärinsel. 40 Personen dicht gedrängt, schreiende Kinder und riesige Wellen. „Wir hatten Angst um unser Leben“, erzählt sie. „Die Hälfte unseres Gepäcks mussten wir über Bord schmeißen, damit wir nicht untergehen.“ Über Athen ging es zu Fuß und mit der Bahn weiter nach Mazedonien. Immer neue Grenzen galt es zu überwinden. Über Stacheldrähte, bei Nacht und Nebel. Auf dem Weg von Serbien nach Ungarn wurde sie von der Polizei geschnappt. „Zum Glück waren da Journalisten, und als ich weglief, traute die Polizei sich wohl nicht hinterher“, erzählt sie. „In Budapest sind wir mit dem Zug in die Nähe der Grenze gekommen und durch den Wald geflüchtet. 200 Euro zahlten wir einem Führer pro Person. Es gab kein Licht, überall Stolperfallen. Aber so schafften wir es nach Österreich.“

 Nun sitzt die Gruppe verschwitzt und ungewaschen, aber glücklich im Terminal der Stena Line. Bis auf ein bisschen Kleidung besitzen sie nichts mehr. Der gesamte Familienschmuck ging für die Reise drauf. Alaa al Saudi: „Aber wir haben unser Leben gerettet und sind jetzt frei. Das ist mehr wert als alles Geld der Welt.“

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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