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Erstaufnahmen nicht halb belegt

Interaktive Karte Erstaufnahmen nicht halb belegt

Seit die Balkanroute für Flüchtlinge dicht ist, kommen auch in Schleswig-Holstein immer weniger Asylsuchende an. In der vergangenen Woche meldeten sich nur 177 Personen in den Erstaufnahmen – der niedrigste Stand seit mehr als einem halben Jahr.

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Mujghan Khahlid aus Afghanistan wartet mit ihren Kindern Ali, Nigina und Helal im Kieler Ex-Wehrbereichskommando darauf, zu ihrem Mann ziehen zu dürfen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Damit könnte der März der erste Monat werden, in dem weniger Flüchtlinge kommen als im Vorjahr: Damals waren im März 1058 Ankömmlinge gezählt worden. Die Landesunterkunft im Kieler Stadtteil Wik ist erst seit wenigen Wochen in Betrieb. Wo früher das Wehrbereichskommando untergebracht war, könnten nun eigentlich 500 Flüchtlinge leben. Doch derzeit sind es nur 82. Wer in dem weitläufigen Gebäude durch die Flure läuft, trifft nur vereinzelt auf Menschen, die meist in die große Eingangshalle wollen. Nicht wegen des Blicks auf die Kieler Förde, sondern weil dort der Handy-Empfang am besten ist. Nur Mujghan Khahlid genießt an diesem Nachmittag die Sonne vor der großen Halle.

 Die 35-jährige Mutter ist mit ihren sieben Kindern vor einigen Wochen aus Afghanistan gekommen. Ihr Mann ist vor vier Jahren vor den Taliban nach Deutschland geflohen, ist als Flüchtling anerkannt worden und hat sich hier ein Leben aufgebaut. Erst dann hat sich seine Familie auf den Weg gemacht. Einen Monat lang, erzählt die Ehefrau, ist sie mit den Kindern unterwegs gewesen – über den Iran, die Türkei, Griechenland und Mazedonien. „Wir hatten so großes Glück, noch durchgekommen zu sein“, sagt sie dem Übersetzer, während die Kinder munter ihre ersten Deutschkenntnisse ausprobieren. Denn sie besuchen jeden Tag den Unterricht, den Schullehrer dort in der Landesunterkunft geben. „Wir haben vor allem Familien mit Kindern hier. Die Kinder gehen in den Unterricht, für die Erwachsenen geben ehrenamtliche Helfer Deutschkurse“, sagt Stefan Harmsen, Leiter des Johanniter-Betreuungsverbandes. Dass die Unterkunft nicht voll belegt ist, erleichtere den Anfang: „Das gibt allen Betreuern etwas Luft.“

Kiel ist kein Einzelfall. Die Erstaufnahmen und Landesunterkünfte sind aktuell nur zu 42 Prozent ausgelastet. „Wir nutzen die geringe Belegung für Sanierungen, Reparaturen und Umbauten. Die Einrichtung in Wentorf können wir für die Erweiterung vorübergehend schließen, Salzau zum nächsten Monat ganz aufgeben“, erklärt Magdalena Drywa vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten. Zuletzt wurden jede Woche etwa 400 Personen in die Kreise und kreisfreien Städte verteilt, in der laufenden und der nächsten Woche werden es bis zu 600 sein. Ehe die politische Lage auf der Balkanroute auch in den Kommunen voll durchschlägt, wird es noch ein paar Wochen dauern.

Einige Ämter auf dem Land spüren aber, dass bereits vorher durch den Winter weniger Flüchtlinge angekommen sind. Im Amt Trave-Land hat man seit Jahresanfang mit 70 Menschen gerechnet – gekommen sind 17. Man habe vorgesorgt, Wohnungen und eine Unterkunft angemietet, jetzt müsse man den Leerstand finanzieren, sagt Jan Fechner vom Amt: „Es ist klar, dass die Zahlen kaum kalkulierbar sind, aber für uns ist das eine erhebliche finanzielle Belastung.“ Ähnlich ist es im Amt Lütjenburg: Dort kosteten die Leerstände im Februar 27000 Euro. Im Landesamt heißt es dazu: Die Zuweisung richte sich nach der Einwohneranzahl der Kreise. Wie die Flüchtlinge dort weiterverteilt würden, obliege dem Kreis.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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