17 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Eine halbe Sekunde für ein gutes Bild

Foto-Preisträger Eine halbe Sekunde für ein gutes Bild

Auf einer Felsnadel vor Helgoland gelang Robert Marc Lehmann der größte Coup seiner bisherigen Fotografenlaufbahn. Der Kieler Meeresbiologe und Forschungstaucher wurde dafür jetzt von der Zeitschrift National Geographic zum Fotografen des Jahres gekürt.

Voriger Artikel
Travemünder Bahnhof versteigert
Nächster Artikel
Hauptjagdsaison im Norden gestartet

Kiel. In der aktuellen Ausgabe bekam seine Robbe eine Doppelseite und entzückt nun überall auf der Welt die Leser. Doch das Fotografieren ist nicht seine einzige Leidenschaft. In den entlegensten Orten rund um den Erdball hat sich der junge Mann schon für Tiere eingesetzt und gnadenlose Tötungsmethoden angeprangert. Um Schuppentiere zu retten, zog er sogar mit einem 20-köpfigen Kampftrupp gegen skrupellose Tierhändler zu Felde.

 In der Kieler Wohnung von Robert Marc Lehmann herrscht Chaos. Überall stehen Kamerataschen herum, liegen Objektive, kullern Tauchflaschen auf dem Boden. An den Wänden zeugen Fotos von den unzähligen Expeditionen und Einsätzen. „Ich hab’ sogar ein eigenes Expeditionszimmer“, erzählt er lachend. Doch irgendwie haben sich die Früchte seiner Arbeit schon auf alle Räume ausgebreitet. Gerade schneidet er einen Film für einen amerikanischen Sender. Nachher will er noch ins Büro. Zusammen mit drei anderen Meeresbiologen und einem Ur- und Frühgeschichtler hat er vor zweieinhalb Jahren die Firma „Submaris“ in Kiel gegründet. „Wir arbeiten aber schon seit zehn Jahren zusammen“, sagt er. Als Forschungstaucher beliefern sie Wissenschaft und Medien mit Beiträgen. „Wir machen biologische Gutachten, Wrackdokumentationen, Fotoreportagen. Drehen aber auch für alle deutschen Sender und fürs Kino.“

 Gerade war Robert Marc Lehmann auf den Philippinen. „Da haben wir einen Baumarkt hochgenommen“, erzählt er. „Der Besitzer hat illegal Tropenholz und Schuppentiere verkauft.“ Letztere gelten in China, Japan und Vietnam als Allheilmittel bei stillenden Müttern und sind heiß begehrt. Da es von dieser besonderen Schuppentier-Art nur noch weltweit rund 1500 Stück gibt, stehen sie unter Naturschutz. Mit zehn Ex-Navi-Seals (einer amerikanischen Kampftruppe), einer französischen Spezialeinheit (SAS) und Wildtierschützern wurde das Gebäude gestürmt. Die Tiere anschließend in einem Schutzgebiet freigelassen. Bei einer anderen Aktion konnten sie 150 Waldschildkröten (geschätzte Population weltweit: 3000) retten. Doch der Einsatz war nur von kurzem Erfolg gekrönt. Wenige Wochen später las der Kieler in einer Zeitung, dass ein Schiff mit Hunderten von toten Waldschildkröten an Bord aufgegriffen wurde. „In Amerika würde man sagen: Pissing in the wind – auf Deutsch: Das bringt gar nichts“, sagt er nachdenklich und zückt seine Lieblingskamera, eine Canon 1 DC, mit der er vor allem filmt. „Aber unsere Filme können vielleicht ein bisschen wachrütteln.“

 Schon als kleiner Junge streifte Robert Marc Lehmann mit seinem Opa durch die Natur rund um Jena (Thüringen). Er staute Bäche, baute Baumhäuser und fing mit dem Angeln an. „Da ich die Fische immer wieder freigelassen habe, musste ich ja irgendwie beweisen, was ich gefangen hatte. So kam ich zu meiner ersten Kamera“, erzählt er. Mit 19 Jahren fing er in Kiel an, Meeresbiologie zu studieren. Nebenbei beschaffte er weltweit Tiere für die Aquarien in Kiel und Stralsund. „Irgendwann merkte ich, dass Tiere nicht hinter Gitter oder Glas gehören“, sagt er. Rund 150 Tage im Jahr ist er inzwischen nur noch in Kiel – 90 Tage davon im Tauchanzug. Die übrige Zeit arbeitet er weltweit.

 Der Preis der Zeitschrift National Geographic sei für ihn „der absolute Wahnsinn“. Für Naturfotografen gebe es kaum eine größere Auszeichnungen. „Das Heft lese ich seit 20 Jahren, und immer wieder hab’ ich dort Reportagen und Bilder hingeschickt. Es gab aber noch nicht mal eine Antwort.“ Sein Kegelrobbenbild habe er aber auch seinem Skipper und Geschäftspartner Philipp Schubert zu verdanken. „Eine halbe Sekunde hat man für ein gutes Bild“, sagt Robert Marc Lehmann. „Nur dieser eine Moment. Da muss alles passen. Bei uns war es einfach der perfekte Augenblick.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3