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Wo Leben ist, ist Lärm

Freiluftsaison Wo Leben ist, ist Lärm

Mit der Freiluftsaison kommen auch die Biker mit ihren teils lauten Maschinen wieder – das freut nicht jeden. Eine Leserin aus Bordesholm hat schon einiges versucht, um gegen Motorradfahrer vorzugehen, die durch ihr Wohngebiet fahren.

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Ich geb’ Gas, ich will Spaß? Motorradfahrer sollten ihre Fahrgewohnheiten besonders in Wohngebieten lärmreduzierend gestalten.

Quelle: Frank Peter

Bordesholm/Kiel. Presslufthämmer zermalmen Beton, Rasenmäher formen den Rasen, Bässe dröhnen bei Open-Air-Konzerten. Mit den ersten Sonnenstrahlen erwacht das öffentliche und private Leben unter freiem Himmel. Und wo Leben ist, da ist auch Lärm. Während sich die einen freuen, auf ihren Motorrädern durch die Gegend zu brausen, wird es anderen mit der Freiluftsaison zu laut.

 Eine Leserin aus Bordesholm zum Beispiel hat schon einiges versucht, um gegen Motorradfahrer vorzugehen, die durch ihr Wohngebiet fahren: „Sobald es etwas wärmer wird, brettern die Biker wieder so laut über die Straße, dass es nicht auszuhalten ist.“ Gemeinsam mit ihren Nachbarn – alle wohnhaft im Bereich der Wildhofstraße und ihrer Querstraßen – habe sie bereits den Kreis Rendsburg-Eckernförde, die Polizei und die Gemeinde Bordesholm kontaktiert. Ein Durchfahrtsverbot war an keiner Stelle zu erreichen. „Für Mensch und Tier ist dieser Lärm nicht zu ertragen“, klagt die Bordesholmerin, die bewusst aufs Land gezogen ist, um Ruhe zu haben. „Ich kann ja verstehen, dass das eine Mordsgaudi ist, aber ich appelliere an den gesunden Menschenverstand – es ist auch möglich, leiser zu fahren.“

 Ähnlich sieht es auch René Weinandy, Leiter des Fachgebietes „Lärmminderung im Verkehr“ im Umweltbundesamt. „Motorradlärm ist besonders nutzerinduziert“, sagt er. Soll heißen: Durch die Art, wie der Biker fährt, trägt er entscheidend dazu bei, wie viel Lärm er produziert. An dieser Stelle sei viel Aufklärung nötig. „Motorradfahrer zu sensibilisieren, ist aber schwierig“, räumt Weinandy ein, „es ist schlicht das falsche Klientel für den erhobenen Zeigefinder. Die wollen ihre Freiheit – müssen aber auch die Freiheit der anderen berücksichtigen.“ Sehr viel machten manipulierte Auspuffanlagen aus, so Weinandy: „Die Sanktionsmaßnahmen sind aber einfach zu schlecht.“ Doch Besserung ist in Sicht: Seit Januar diesen Jahres gibt es Neuerungen bei der Überprüfung der Motorräder: „Gemäß einer überarbeiteten EU-Richtlinie müssen Daten für eine ,Vorbeifahrtmessung light’ erfasst und als Aufkleber auf der Maschine vermerkt werden.“ Damit sei es nun möglich, bei Verkehrskontrollen anstelle der wenig aussagekräftigen Standgeräuschmessung eine vereinfachte Vorbeifahrtprüfung durchzuführen, die ein zuverlässigeres Ergebnis über den Lärmpegel liefere.

 Auch Regina Heinecke-Schmitt, Leiterin vom Arbeitskreis Lärm der Deutschen Gesellschaft für Akustik (ALD), kennt das besondere Problem des von Motorrädern verursachten Lärms. „Das ist ein spezieller Fall, da es sich hier um hohe Spitzenwerte handelt, die sofort die Aufmerksamkeit der Umgebung bändigt.“ Tolerieren von Lärm anderer sei zwar gerade im Sommer unumgänglich, trotzdem sieht auch Heinecke-Schmitt bei Bikern ein besonderes Problem: „Seitens einiger Fahrer scheint es ein klares Bedürfnis zu geben, so laut wie möglich zu sein.“ Sie findet, dass im Sommer verstärkte Kontrollen und effizientere Sanktionsmaßnahmen stattfinden sollten.

 Was aber sagen die Zahlen? Sind die Sommermonate besonders anfällig für Streitigkeiten rund um Motorradlärm oder Grillen auf dem Balkon? Der Sprecher der Polizei Kiel, Oliver Pohl, relativiert: „Ganz oben auf der Liste stehen typische Nachbarschaftsstreitigkeiten, etwa wegen lauter Musik. Nahezu keine Beschwerden gibt es über Motorradfahrer oder die Verschmutzung städtischer Parks.“ Genaue Zahlen kann der Polizeisprecher nicht nennen, wohl aber Joachim Kläschen, Sprecher der Stadt: „2015 Jahr sind insgesamt 145 Anzeigen wegen unzulässigen Lärms eingegangen und bearbeitet worden.“ Einen Trend zum „lauten Sommer“ gebe es nicht: Spitzenreiter der lauten Monate ist der April mit 18 Beschwerden.

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