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Ministerin zieht erste Konsequenzen

„Friesenhof“ zahlungsunfähig Ministerin zieht erste Konsequenzen

Die umstrittene Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung „Friesenhof“ im Kreis Dithmarschen hat Insolvenz angemeldet, arbeitet aber vorerst weiter. Sozialministerin Alheit zieht erste Konsequenzen und beschließt ein Maßnahmenpaket.

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Das «Friesenhof»-Jugendheim in Hedwigenkoog.

Quelle: dpa

Kiel. Nach der Schließung von zwei Mädchenheimen der umstrittenen Jugendhilfeeinrichtung „Friesenhof“ im Kreis Dithmarschen hat die Betreiberin Barbara Janssen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Meldorf gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Hamburger Rechtsanwalt Christian Heim bestellt, heißt es in der Bekanntmachung des Amtsgerichts. Zuvor hatte NDR 1 Welle Nord darüber berichtet. Am Dienstag will sich der Sozialausschuss des Landtags auf einer Sondersitzung mit dem Fall „Friesenhof“ befassen.

Unterdessen leitete Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) am Montag als erste Konsequenz ein Maßnahmenpaket zur Stärkung des Kinder- und Jugendschutzes ein. Es sieht unter anderem mehr Personal im Landesjugendamt vor, um mehr unangemeldete Heimkontrollen zu ermöglichen. Außerdem soll die Schaffung einer Ombudsstelle für Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen geprüft werden. An diese könnten sich Jugendliche bei Problemen wenden.

In den Einrichtungen des Friesenhofs werden Mädchen und junge Frauen mit schweren psychischen Problemen und Verhaltensauffälligkeiten betreut. Die Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung beschäftigt laut Anwalt Heim 52 Mitarbeiter. 26 Mädchen würden zurzeit betreut. Der Betrieb laufe aktuell unter seiner Aufsicht weiter. „Die Versorgung der Mädchen ist gesichert. In den nächsten Tagen werden wir prüfen, ob der Friesenhof auch mittelfristig eine wirtschaftliche Perspektive hat.“ Mit dem Landesjugendamt in Kiel stehe er in engem Kontakt. Eine behördliche Genehmigung sei die Voraussetzung für einen Weiterbetrieb.

Wegen unzureichenden Fachpersonals und inakzeptabler pädagogischer Methoden hatte das Landesjugendamt in der vergangenen Woche zwei Einrichtungen des Friesenhofs schließen lassen. Dabei wollten einige Mädchen weglaufen, zwei Mädchen verletzten sich mit Scherben selbst und mussten im Krankenhaus ambulant behandelt werden.

In dem Insolvenzeröffnungsverfahren geht es um das gesamte Vermögen von Janssen, wie Heim erläuterte. Janssen hatte zuvor am Montag gesagt, der Insolvenzantrag beziehe sich auf die beiden Heime, denen die Betriebserlaubnis entzogen worden sei. In der Regel dauert ein vorläufiges Insolvenzverfahren etwa drei Monate, wie Heim erläuterte. Das Gericht werde dann über die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens entscheiden.

Bei der von der CDU beantragten Sondersitzung geht es vor allem um die Frage, ob das Landesjugendamt zu spät auf vorliegende Beschwerden über den Friesenhof angemessen reagiert habe beziehungsweise erst, nachdem eine Anfrage der Linken in der Hamburger Bürgerschaft den Fall in die Öffentlichkeit brachte. Das Ministerium hat den Vorwurf zurückgewiesen.

Der Kreis Dithmarschen hat nach Darstellung der zuständigen Bereichsleiterin Renate Agnes Dümchen seit etwa 2013 Jugendliche wegen inakzeptabler Zustände nicht mehr zum Friesenhof geschickt. Bis auf eine Ausnahme habe auch seit 2014 kein anderes Jugendamt im Norden den Friesenhof belegt. Die Mädchen kamen überwiegend aus Hamburg sowie anderen Bundesländern. Dem Landesjugendamt sei bekanntgewesen, dass Jugendämter im Norden den Friesenhof wegen untragbarer Zustände nicht mehr nutzten, sagte Dümchen.

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Das «Friesenhof»-Jugendheim in Hedwigenkoog.

Zu dramatischen Situationen ist es beim Wegbringen von Mädchen aus der umstrittenen Jugendhilfeeinrichtung Friesenhof in andere Einrichtungen des Kreises Dithmarschen gekommen.

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