27 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Heimaufsicht juristisch ausgebremst?

Friesenhof Heimaufsicht juristisch ausgebremst?

An diesem Punkt war das Vertrauensverhältnis nachhaltig erschüttert: Mitarbeiter der Landesheimaufsicht haben sich im Juni vergangenen Jahres bei Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) massiv über ihre Referatsleiterin beschwert.

Voriger Artikel
14 Raubüberfälle in vier Wochen
Nächster Artikel
Wetterdienst gibt Entwarnung im Norden

 Die Einrichtung sei nach einer Überprüfung im Sommer 2015 geschlossen worden.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Kiel. Laut Vermerk hatte die Vorgesetzte ihren Kollegen zuvor erklärt, dass ihr angeblich Kaffee über wichtige Akten zum Mädchenheim Friesenhof gelaufen sei, so dass sie die Papiere mehrfach kopiert und das Original vernichtet habe. Man möge die Sache bitte nicht an die große Glocke hängen. Tat man aber. Die Staatsanwaltschaft ermittelte daraufhin, die Referatsleiterin wurde vom Dienst suspendiert, und die Opposition sprach von einem Bauernopfer.

Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss (PUA) hat am Montag stundenlang den zuständigen Sachbearbeiter befragt, der seit Oktober 2013 in der Heimaufsicht arbeitet und unter anderem auch maßgeblich für die Skandaleinrichtung Friesenhof in Dithmarschen zuständig war. Der Sozialpädagoge hatte die Einrichtung bis zur Schließung im Juni 2015 insgesamt acht Mal besucht. Auslöser dafür waren jedes Mal Hinweise auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung gewesen.

Der 50-Jährige wies darauf hin, dass der rechtliche Rahmen der Heimaufsicht oft nicht ausreiche. Nachdem er die Betreiberin des Friesenhofs wiederholt auf vermutete konzeptionelle Schwächen hingewiesen hatte, habe diese einen Anwalt eingeschaltet – die Diskussion verlagerte sich daraufhin von der pädagogischen Ebene auf eine juristische. „Mängel mussten seitdem bewiesen werden, Bearbeitungszeiten verlängerten sich, und pädagogischen Vorwürfen wurde juristisch entgegengetreten.“ Der Sachbearbeiter betonte, dass er die sogenannte Bootcamp-Pädagogik, mit der man die Mädchen und jungen Frauen zu erziehen versuchte, kritisch sehe. Doch auch wenn ein Hauptverfechter dieser Drill-Methode, Lothar Kannenberg, für kurze Zeit sogar auf der Personalliste des Friesenhofs stand: In einem Konzept sei dies nirgends niedergelegt worden. Auch sei es in der Fachwelt normal, sich über die Eignung pädagogischer Methoden zu streiten.

Im Dezember 2014 hatte der Mitarbeiter seiner Referatsleiterin jedoch eine E-Mail geschrieben: Er habe das Gefühl, dass der Friesenhof nicht in der Lage sei, eine positive Veränderung herbeizuführen. Zuvor hatten Kinder in der Jugendpsychiatrie Schleswig auf Selbstverletzungen hingewiesen: Auf diese Weise wollten sie dem Heim entkommen. Für den Sachbearbeiter war das der letzte Stein des Anstoßes. „Wenn man einen Träger ein Jahr berät, zieht man irgendwann einen Schlussstrich.“

FDP-Obmann Wolfgang Kubicki sagte nach der Sitzung, dass die Landesheimaufsicht offenbar „ein großer Ruheraum für Sozialpädagogen“ sei. Und dass Akten verschwunden sind, sei für den Ausschuss von besonderem Interesse. „So, wie das Ministerium beschrieben wird, wundert mich das nicht. Wir müssen uns als Gesellschaft aber fragen, wie wenig sorgfältig wir mit Kindern und Senioren umgehen, die in Heimen leben.“

Turnusmäßige Überprüfungen? Der befragte Mitarbeiter reagierte auf diese Frage des Ausschusses beinahe resigniert. Angesichts der Menge an Einrichtungen sei daran nicht zu denken. CDU-Obfrau Katja Rathje-Hoffmann sagte: „Nach meinem Eindruck trauen sich die Mitarbeiter der Heimaufsicht nicht zu sagen, was wirklich ist: dass ihnen die Hausspitze nicht genügend Rückendeckung gibt.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

Das THW-Magazin

Erfahren Sie mehr!
Einblicke hinter die
Kulissen des THW-Kiel

KN-KSV-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele von Holstein Kiel im KN-KSV-Liveticker.

Anzeige
ANZEIGE
Mehr zum Artikel
Kreis Dithmarschen

Das Landesjugendamt hat am Donnerstagabend eine Jugendeinrichtung im Kreis Dithmarschen schließen lassen. Wie das Sozialministerium am Freitag mitteilte, hatte die Behörde damit auf Hinweise reagiert und im Rahmen einer Überprüfung die Polizei eingeschaltet.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3