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Friesisches Kinderbuch in 22 Sprachen

Schukeloodekååg aw Hawaii Friesisches Kinderbuch in 22 Sprachen

Geht es exotischer? Das Nordfriesische Institut in Bredstedt hat jetzt ein Kinderbuch ins Friesische übersetzt und sorgt damit deutschlandweit für ziemliche Aufmerksamkeit. „Schokoladenkuchen auf Hawaii“ heißt das Werk, das man nun kostenlos zweisprachig herunterladen kann. 22 Sprachen gibt es im Angebot.

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Dieses Kinderbuch gibt es jetzt in 22 Sprachen.

Quelle: hfr

Bredstedt. Und das ergibt so ungewöhnliche Kombinationen wie Arabisch-Friesisch oder Chinesisch-Friesisch. Bessere Werbung für die friesische Sprache? Kann es kaum geben. „Ja“, sagt Institutslektor Dr. Claas Riecken (50) lachend. „Da ist uns ein ziemlicher Coup gelungen.“ Dabei war die Übersetzung für ihn und Kollegin Antje Arfsten ein Klacks. Zwei Tage haben sie gebraucht, dann war alles ins Friesische übertragen und heißt nun „Schukeloodekååg aw Hawaii“. Die Geschichte handelt vom Löwen Francesco, der irgendwie anders ist. Er ist der Einzige, der rot anläuft, wenn man ihn anspricht. Auch der einzige Löwe, der gerne bauchtanzt. Trotz allem gewinnt er irgendwann die Dame seines Herzens.

"Wir kapseln uns nicht ab"

Zehn Kinder im Alter von zehn bis zwölf Jahren haben das Buch 2013 für die Lübecker „Bücherpiraten“ geschrieben und dazu wunderschön bunte Bilder gemalt. Auf einer Kulturveranstaltung hörte Prof. Thomas Steensen (64), Leiter des Nordfriesischen Instituts, davon und bot die Mitarbeit an: „Das ist einfach eine tolle Idee, ein Buch von Kindern für Kinder in den verschiedensten Sprachen anzubieten.“

An Flüchtlinge habe man dabei nicht unbedingt an erster Stelle gedacht. „Aber der Gedanke ist faszinierend“, sagt Claas Riecken. „Das Buch kann wunderbar beim Friesisch lernen und Sprachen vergleichen helfen.“ Friesen seien dank der Seefahrerei immer schon sehr weltoffen gewesen. „Wir kapseln uns nicht ab. Das wollen wir durch diese Aktion zeigen.“ Bereits im Juni hat das Institut gemeinsam mit dem Kreis Nordfriesland einen Flyer auf Arabisch, Kurdisch und in anderen Sprachen für Flüchtlinge herausgebracht.

"Eines Tages werde ich hier mal arbeiten"

Die Liebe zum Friesischen entstand bei Riecken und Steensen erst nach und nach, wie sie erzählen. Thomas Steensen ist in Bredstedt aufgewachsen, wo eher Plattdeutsch gesprochen wird. Später arbeitete er als Redakteur bei den Husumer Nachrichten, entdeckte immer mehr den „vielfältigen Mikrokosmos vor der Haustür“ und ging noch mal zur Kieler Uni, um Geschichte und Friesisch zu studieren. Heute sitzt er in dem altehrwürdigen Gebäude des Instituts, in dem er früher schon als Schüler das Einmaleins gelernt hat. Regelmäßig fährt er zur Flensburger Europa-Uni, wo er Seminare zur friesischen Sprache und Geschichte leitet. Riecken stammt aus der Hamburger Gegend. Als 15-Jähriger nahm ihn sein Onkel aus Nordfriesland mit zum Nordfriesischen Institut, dort lernte er den damaligen Leiter Tams Jörgensen kennen und war begeistert. „Der brannte für die Sache“, erinnert sich Riecken. „Damals hatte ich mir schon geschworen, dass ich hier eines Tages mal arbeiten werde.“

Am Institut, das seit 1965 besteht, arbeiten rund ein Dutzend Mitarbeiter. Sie übersetzen Texte für den Landtag, Astrid-Lindgren-Klassiker, Max und Moritz oder auch das Kinderbuch „Meine ersten 1000 Wörter“. Oder geben Texte zur friesischen Geschichte und Kultur heraus. Regelmäßig erscheint die Zeitschrift „Nordfriesland“ (Auflage: 1800). Besonders beliebt sind der jährliche Fotokalender und das Jahrbuch. Die meiste Zeit aber wird mit Forschungen, mit dem Beantworten von Anfragen aus aller Welt und Besuchern verbracht. Da will ein Urlauber wissen, wie man den friesischen Wahlspruch „Rüm hart, klaar kiming!“ richtig übersetzt (weites Herz, klarer Horizont). Eine Halligbewohnerin kommt vorbei und hat in einer alten Bibel ein paar Notizen gefunden, die sie übersetzt haben möchte.

Unglaublich viele private Aufzeichnungen

Oft aber wollen Einheimische einfach nur etwas über die eigene Familie wissen. Und da sind sie bei Bibliothekar Dr. Harald Wolbersen (47) genau richtig. Seit Dezember hat er sein Archiv im Keller eines nagelneuen Anbaus, der Versammlungs- und Ausstellungsraum in einem ist. Während oben die Besucher an modernsten interaktiven Modulen alles über die Sprache Friesisch erfahren, lagern im Keller bei konstanten 18 Grad 10 000 Fotoglasplatten, 10 000 Dias, alte Filme und Tonbandkassetten, 20 000 Bücher, 15 0000 Zeitschriften und unglaublich viele private Aufzeichnungen und Nachlässe. Arbeit für noch viele folgende Generationen. Ob die sich wohl über das Buch „Schokokuchen auf Hawaii“ wundern werden?

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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