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Gefahr für Mensch und Tier

Fuchsbandwurm Gefahr für Mensch und Tier

Gute Deckung, viel Nahrung, geringer Jagddruck – Wildtiere leben immer häufiger in Städten. Häufig löst das Ängste vor übertragbaren Krankheiten aus. Wissenschaftler der Tierärztlichen Hochschule Hannover haben deshalb Füchse, Marder und Marderhunde aus Schleswig-Holstein untersucht.

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Füchse lernen schnell, wo sie gefahr- und mühelos Nahrung finden können.

Quelle: Stephanie Pilick / dpa

Kiel/Hannover. Ergebnis: Tollwut, Staupe und Pseudotollwut wurden nicht nachgewiesen, dafür aber diverse Parasiten. Doch wie gefährlich können die für den Menschen werden?

 „Leider wissen wir sehr wenig über den Gesundheitszustand und den Befall mit Parasiten bei Mardern, Füchsen und Marderhunden. Deshalb haben wir dieses Projekt mit unserer Jägerschaft gern unterstützt“, sagt Wolfgang Heins, Präsident des Landesjagdverbandes. Insgesamt wurden 77 tote Füchse, 19 Steinmarder und sieben Marderhunde an die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover geliefert. Dort wurden sie – gefördert von der Obersten Jagdbehörde in Schleswig-Holstein – vor allem auf Zoonosen untersucht. Das sind Erkrankungen, die von Tier auf Mensch und/oder umgekehrt übertragbar sind.

 „Nach bisherigen Auswertungen beherbergen zwei Drittel der Füchse aus Dithmarschen und Nordfriesland Parasiten mit zoonotischem Potential“, erklärt Prof. Ursula Siebert von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. So sei bei fast jedem zweiten Rotfuchs (45 Prozent) der Hundespulwurm und gut jedem vierten (27 Prozent) der Fuchsbandwurm nachgewiesen worden. Damit sich auch der Mensch infiziert, müssen die Wurmeier aus dem Kot der Tiere über Mund oder Nase in den Körper gelangen. Das Risiko gilt beim Hundespulwurm als beträchtlich. Das liegt allerdings weniger an infizierten Füchsen als an Hunden und Katzen. Bei Studien wurde bei jedem siebten Hund in Deutschland eine Infektion mit dem Hundespulwurm nachgewiesen. Und bei jedem fünftem Hund wurden die Wurmeier im Fell gefunden. Regelmäßige Wurmkuren sind deshalb unerlässlich.

 Deutlich gefährlicher kann dem Menschen aber der Fuchsbandwurm werden. „Seine Larven setzen sich in der Lunge, der Leber oder im Gehirn fest. Dort wachsen sie, ähnlich wie Tumoren, über Jahre hinweg zu Zysten heran. Blindheit, Epilepsie oder Leberversagen können die Folgen sein. Ohne Behandlung endet die Erkrankung in der Regel tödlich“, erklärt Prof. Klaus Brehm vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg, der über Bandwürmer forscht. „In Deutschland infizieren sich jedes Jahr rund 50 Menschen mit dem Fuchsbandwurm. Im weltweiten Vergleich erscheint das wenig – für die Betroffenen ist das aber kein Trost.“ Das größte Risiko hätten jene, die in der Forst- und Landwirtschaft arbeiten, sowie Jäger und Besitzer von freilaufenden Hunden und Katzen. Denn wenn diese an verendeten Füchsen schnuppern, sich in deren Kadavern wälzen oder infizierte Mäuse fressen, können sie Eier des Fuchsbandwurms ausscheiden oder im Fell tragen.

 Prof. Ursula Siebert fordert deshalb weitere Untersuchungen von Wildtieren aus anderen Regionen Schleswig-Holsteins. Nur dann sei eine Gesamtbewertung der Infektionsraten möglich.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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