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„Schwarzer Dolch“ vor Fehmarn

GSG 9 „Schwarzer Dolch“ vor Fehmarn

Ein Blick zurück: Am 4. April 2009 kaperten somalische Piraten die „Hansa Stavanger“ vor Somalia. Der Hamburger Frachter war mit 24 Seeleuten auf dem Weg nach Mombasa in Kenia. Der Bundesinnenminister schickte die Eliteeinheit GSG 9 los. Die Marine beorderte eine Fregatte zur Unterstützung – doch die Aktion scheiterte.

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Volle Kraft voraus: GSG 9-Kräfte beim Übungseinsatz auf der Kieler Förde. Hier trainieren sie seit Jahren mit den Ostseefähren von Color Line und Stena Line.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Es gab keine geeigneten Schiffe und Hubschrauber vor Ort. Damit sich so etwas nicht wiederholt, trainieren seit vergangenen Donnerstag Polizisten der Spezialeinheit GSG9 und Kampfschwimmer der Marine gemeinsam vor Fehmarn.

 Ein Grund, weshalb die Operation bei der „Hansa Stavanger“ scheiterte, war die frühzeitige Enttarnung der Spezialeinheit GSG 9 bei der Vorbereitung in einem Hotel in Kenia. Die Marine hatte damals kein geeignetes Schiff vor Somalia. Die Polizisten kehrten unverrichteter Dinge nach Deutschland zurück und die Piraten ließen den Frachter erst nach Zahlung mehrerer Millionen Euro Lösegeld frei.

Während die Befreiung der Seeleute des deutschen Schiffes scheiterte, schlugen in anderen Fällen französische und amerikanische Spezialeinheiten zu. Die Befreiung des Kapitäns der „Maersk Alabama“ wurde inzwischen verfilmt.

 Die Schwierigkeit ist neben der Verhandlung mit Geiselnehmern die Annäherung der Einsatzkräfte und das Entern eines Schiffes. Genau dieses Training erfolgte jetzt am Wochenende vor Fehmarn. Für die Großübung unter dem Codenamen „Schwarzer Dolch“ wurde eigens ein Containerfrachter gechartert und in Kiel ausgerüstet. Das 138 Meter lange Schiff stammt, wie auch die „Hansa Stavanger“, von einer chinesischen Werft, hat Containerkräne und ein großes Deckshaus. „Das Szenario soll so nah wie möglich an der Realität sein“, sagt ein Beamter.

 In Polizei- und Militärkreisen wird die Übung „Schwarzer Dolch“ auf Anfrage bestätigt, Inhalte und Abläufe sind jedoch geheim. Die Marine stellt als Plattform den Einsatzgruppenversorger „Bonn“ und die Fregatte „Lübeck“. Die „Bonn“ ist mit 20 000 Tonnen Verdrängung und 175 Metern Länge eines der größten Schiffe der Marine.

 In dem Szenario wurde der Frachter von den „Piraten“ neun Meilen östlich von Fehmarn postiert. Auch hier eine Parallele zu 2009: Die „Hansa Stavanger“ lag wochenlang etwa neun Meilen vor der somalischen Küste vor Anker. Neu ist der Einsatz eines U-Bootes. Beim „Schwarzen Dolch“ spielt das U-Boot „U 34“ mit. Ob dabei unter Wasser Kampfschwimmer beim Frachter ausgesetzt wurden, ist noch offen. Die Bundespolizei hat das Einsatzschiff „Bayreuth“ und vier Speedboote mit der „Bonn“ ins Seegebiet verlegt. Hinzu kommen Hubschrauber von Marine und Bundespolizei. Mehr als 80 Elite-Kämpfer von Bundeswehr und GSG 9 sind beteiligt.

Für die Bundespolizei ist es die zweite maritime Großübung innerhalb weniger Tage auf der Ostsee. Vom 24. bis 28. August übten 20 Beamte der Maritimen Einsatzgruppe der Bundespolizei See mit dem Einsatzschiff „Bad Düben“ vor Bornholm. Gemeinsam mit der dänischen MIG (Maritim Indsatsgruppen), spielten sie im Rahmen der Übung Marex 2015 verschiedene Einsatzlagen auf See durch.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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