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Eine Arche für die bunten Wilden

Gärtnerei in Eggebek Eine Arche für die bunten Wilden

Fast jede zweite blühende Wildpflanze steht auf der Roten Liste. Die Arche Gärtnerei in Eggebek arbeitet dagegen an – mit detektivischem Spürsinn, ausgefeilter Logistik und unendlich viel Handarbeit.

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Der Arbeitsplatz von Wiebke Busch liegt im Archepark – ein ehemaliges Militärgelände mit Tümpeln, seltenen Tieren und Pflanzen.

Quelle: Uwe Paesler

Eggebek. Wie sieht eine Wiese aus? Bunt! Denn auf einer Wiese leben viele Pflanzen- und Tierarten. Doch artenreiches Grünland wird immer seltener. Das gilt bundesweit, doch Schleswig-Holstein ist extrem betroffen: Gab es vor 25 Jahren noch 20000 Hektar, sind es heute nur noch 3000 Hektar.

Die grauen Bunker zwischen all dem Grün zeigen: Das hier war einmal Bundeswehrgelände. Heute brummen kurz hinter Eggebek im Arche Park nicht mehr Militärflugzeuge, sondern jetzt summen hier Bienen und andere Insekten. Und dort, wo früher die Feuerwehrautos standen, ist jetzt die Arche Gärtnerei zuhause – die Keimzelle für bedrohte Wildpflanzen.

Schleswig-Holstein ist besonders betroffen

Doch warum gehen ausgerechnet in Schleswig-Holstein die bunten Wildwiesen so stark zurück? „Immer mehr Grünland wird intensiv genutzt. Vor allem wird zu viel gedüngt. Das führt zu einem extrem hohen Stickstoffeintrag auch über die Luft. Nach dem Landkreis Vechta ist der Luftstickstoffeintrag im Kreis Schleswig-Holstein der zweithöchste“, erklärt Wiebke Busch, Landwirtin und Gärtnerin. Die Folgen sind dramatisch: Denn über die Luft gelangt der Stickstoff auch dahin, wo gar nicht gedüngt wird, etwa in Naturschutzgebiete. So geht auch dort die Artenvielfalt an vielen Stellen zurück.

Viele Arten sind bereits verschwunden, andere nur noch auf einem oder wenigen Standorten zu finden. Wie zum Beispiel die Arnika montana. „Früher war sie flächendeckend auf den Nordseeinseln und der Geest von Husum bis zur Langballigau zu finden“, sagt Wiebke Busch. Aber auch Grau-Segge, Wirbeldost, Hohe Schlüsselblume, Silber-Fingerkraut, Gold-Hahnenfuß, Europäische Goldrute und Platterbsen-Wicke sind selten geworden im Land.

Ein Projekt zum Überleben

Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein will mit dem Projekt „BlütenMeer 2020“ Arnika, Klappertopf, Bergsandglöckchen und Co. eine Überlebenschance geben. Das ist ein kompliziertes Unterfangen. Denn oft ist nicht bekannt, wo es noch Restbestände einer Art gibt. Die letzte umfassende Erhebung ist zu lange her. Zwar lässt das Umweltministerium gerade wieder landesweit Flächen kartieren, doch auf das Ergebnis können Projektleiter Dr. Christian Dolnik und sein Team nicht warten. Und so geht der Biologe mit Kollegen landesweit auf die Suche, um oft die letzten Exemplare einer Art aufzuspüren. Das Problem: Man muss zum richtigen Zeitpunkt vor Ort sein, um die Pflanze erkennen und bestimmen zu können. Und man muss dann den richtigen Zeitpunkt abpassen, um Samen abzusammeln zu können. Die Samen werden zu einem kleineren Teil später wieder an geeigneten Stellen ausgesät, meist aber werden daraus in der Arche Gärtnerei neue Pflänzchen gezogen.

„Bei der Zucht ist die immer gleiche Pflanze das Ziel. Wir machen hier das Gegenteil. Wir wollen die genetische Vielfalt der Region erhalten. Deshalb brauchen wir eigentlich von jeder Art Samen von verschiedenen Standorten“, sagt Wiebke Busch. Aber das ist nicht immer möglich. Bei der Küchenschelle etwa ist nur noch ein einziger Wildstandort im Land bekannt.

2500 Hektar bis 2020 auspflanzen

Bei anderen Arten hat es aber geklappt, wie die kleinen bunten Herkunftsschilder an winzigen Töpfchen zeigen. Wer mit Wiebke Busch durch die Gärtnerei geht, sieht Tausende von kleinen pikierten Pflänzchen, die gehegt und bei sonnigen Wetter jeden Tag gegossen werden. „Wir können gar nicht alles hier großziehen, zu viele Arten sind bedroht. Deshalb arbeiten wir mit spezialisierten Gärtnereien zusammen“, sagt die 40-Jährige.

Bis 2020 sollen so auf 2500 Hektar die Überlebensbedingungen für die bunten Wilden wiederhergestellt und dort zehntausende Pflanzen per Hand ausgepflanzt werden. Im ersten und dritten Jahr wird dann überprüft, ob sich die Art auf der Fläche wieder angesiedelt hat. Währenddessen geht die Detektivarbeit weiter: Dringend gesucht werden noch wilde Steinquendel, Gelbgrüner Frauenmantel, Stumpfzähniger Frauenmantel, Fadenstängeliger Frauenmantel, Kreuzblümchen, Bleich-Segge, Wiesen-Glockenblume, Schlanker Augentrost oder Trauben-Trespe.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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